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multa nostros, que prius non nouerant utilia didicisse. Pręcipueque a Gothis qui et Gete, cum eo tempore, quo ad fidem Christi licet non recto itinere perducti sunt, in Grecorum pro

uinciis commorantes nostrum, id est theotiscum, sermonem habue40 rint, et, ut historiae testantur, postmodum studiosi illius gentis

diuinos libros in suae locutionis proprietatem transtulerint, quorum adhuc monimenta apud nonnullos habentur; et fidelium fratrum relatione didicimus, apud quasdam Scytharum gentes,

maxime Tbomitanos, eadem locutione diuina bactenus celebrari 45 officia. Hae autem permixtiones et translationes uerborum in

omnibus linguis tam multiplices sunt, ut propria singularum iam non sint paene plura, quam cum aliis communia uel ab aliis translata.

Diese für die geschichte der deutschen Sprache nicht uninteressanten bemerkungen gebe ich hier nach der ältesten SGaller hs. 446 saecl. 10 p. 228—230 (weniger correct ist Cod. Vindob. 914), da die drucke, zb. Bibl. max. 15, 184, mehrere fehler aufweisen. wichtig erscheint dies capitel auch darum, weil es, soviel ich weiss, die erste quelle ist, welche das substantiv Theotisci (z. 19) aufweist, freilich auch nur mit bezug auf die sprache. Halle.

E. DÜMMLER.

ZU S. 28.

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Der bibliothekar der stiftsbibliothek zu SGallen, herr Idtensohn, hatte die güte, mir auf meine bitte die von der Dümmlerschen publication des Eustachiusrythmus (Zs. 23, 273) abweichenden lesarten des SGaller codex 561 vollständig mitzuteilen. darnach folgt nicht, wie Ebert Zs. 24, 150 angibt, auf strophe 42, 4 in SG 43, 5, sodass ausser 43, 1-4 auch 42,5 ausgefallen wäre, sondern es ist nur 43, 1-4 ausgefallen; 42, 5 ist vorhanden und bietet statt ut die lesart ubi. somit fällt sowol die Zarnckesche interpolations- als auch die Ebertsche selbsterweiterungsannahme zusammen; der Dümmlersche text ist, wie ich vermutete, der ursprüngliche.

dass die strophen 37—44 in SG mit dem von Dümmler edierten Veroneser texte auf eine quelle zurückgehn, zeigt die beiden codices gemeinsame sinnlose widerholung von 41, 4 in 42, 2, wobei SG sogar nemo beibehalten hat. dass auch sonst SG nicht überall das ursprüngliche bietet wie es nach Eberts anführungen s. 150 (conuersi, et dixit) scheinen könnte zeigen folgende verderbnisse: 37, 4 liberatae. 40, 2 praecepit leonem magnum. 41,5 cupimus. 42, 5 ubi; das ursprüngliche dagegen scheint er ausser an den von Ebert angeführten stellen auch 44,4 sunt omnes sepulti zu bieten.

44,5 hat SG nicht multis nach florent, wie Ebert angibt, sondern in multis florent uirtutibus. da so der vers vollkommen in ordnung ist, so wird sowol meine vermutung, dass amen in den vers gehöre, als auch Eberts conjectur et ibi hinfällig. Trarbach, im august 1880.

F. SEILER.

101

DIE DICHTUNGEN RULMAN MERSWINS.

5. Epilog.

Nicht mit unrecht hat man sich bisher durchgehends über das geheimnisvolle dunkel beklagt, welches über die ganze gestalt, die schriften und die umgebung des G.s ausgebreitet ist und das aufzuhellen sich jedermann ausser stande fühlte. und gerade dies geheimnisvolle dunkel war es vorzüglich, welches dem G. viele freunde zuführte; je mehr er dem suchenden entschlüpfte, je mehr alle versuche, ihn aufzufinden, an seiner unnahbarkeit scheiterten, desto eifriger spürte man ihm nach und erfreute sich an der nebelhaften gestalt, die man sich zum teil selbst schaffen muste.

Nunmehr ist der schleier gelüftet; alles erklärt sich durch die eine annabme, dass der G. gar nicht existiert hat und Rulman Merswin der dichter der schriften und der schöpfer der gestalt des G.s ist. der wirre knäuel ist gelöst. hätte ich diese lösung, dass sich nämlich alles aus der nichtexistenz des G.s erkläre, von vorne herein gebracht, so wäre sie als eine petitio principii erschienen und der vorwurf hätte gegen mich erhoben werden können, ich mache mir die aufgabe durch einfaches wegläugnen leicht; nicht einer lösung, sondern einem durchhauen des knotens gleiche meine methode. so aber ergibt sich das resultat organisch aus den äusseren und inneren gründen, die ich für die nichtexistenz des G.s beigebracht habe; anstatt eine petitio principii zu sein ist es vielmehr eine letzte nicht zu unterschätzende bestätigung aller früheren untersuchungen.

Die widersprüche im leben des G.s, den wir als eine Proteusnatur bezeichnet haben, finden jetzt ihre erklärung. schien unbegreiflich, wie derselbe mann über sich selbst so viele sich widersprechende viten in umlauf setzen konnte. die sache ist nun einfach. er hat nicht gelebt. nicht würkliche erlebnisse irgend einer person sind in diesen viten enthalten, sondern dichtungen, entstanden zu verschiedenen zeiten und fabriciert von einem manne, der jedes mal in einem anderen gedankenkreise lebte und dasjenige nicht mehr vor augen und in der erinnerung hatte, was er früher geschrieben. dadurch erklären sich auch z. F. D. A.

neue folge XIII.

es

8

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die widersprüche, die sich sonst aus den schriften des G.s ergeben haben. es liels sich zb. leicht niederschreiben, der G. habe im jahre 1350 an so verschiedenen orten sich aufgehalten. denn in dieses jahr fällt die bekehrung des meisters, zu dem der G. 30 meilen hin und zurück brauchte und bei ihm blieb er lange zeit -; in diesem Jahre war er bei einem gottesfreunde in Ungarn; in demselben jahre fand eine unterredung statt, die er der Geistlichen stiege zu folge mit einem anderen gottesfreunde gehabt hat.

nun erklärt sich auch, warum dieser heilige mann ein schwätzer war und sich mit einer jungfrau versündigte; warum er überhaupt solchen wert auf die unreinen versuchungen legt. hätte er gelebt, so wären dies unerklärliche dinge. die nichtexistenz des G.s erklärt auch den widerspruch zwischen seiner lehre und seinem leben. wer wundert sich jetzt noch über den widerspruch in den jahrzahlen bei den einzelnen schriften, über die unmöglichkeiten im berichte über die Romreise, über die schlechte ortskenntnis usw.? was ich in meiner schrift Taulers bekehrung s. 129 in bezug auf das MB bemerkt habe, dass sich alles recht gut auf pergament oder papier niederschreiben lasse, ohne dass ein einziges wort an der ganzen geschichte wahr sei, das gilt auch hier. wir begreifen jetzt auch, warum der G. sich jeden besuch einer historisch beglaubigten person versagt und warum ihn niemand findet. er ist nur eine fiction.

Auch wird niemand jemals mehr darüber in staunen versetzt werden dass die genossen des G.s keine greifbaren gestalten sind, dass sie in sich ebenso voll der widersprüche sind wie der G. selbst. wie er, so haben eben auch sie nicht existiert. die ähnlichkeiten, die sie alle unter einander und mit personen ausserhalb der engeren gesellschaft des G.s aufweisen, deuten gleicher massen auf erdichtung hin, und zwar auf erdichtung von einem und demselben dichter. ebenso liesse sich der nachweis auch auf die übrigen puncte anwenden.

Dies allein genügt aber noch nicht. . nur wenn Merswin der dichter ist, dann fällt das volle licht auf die ganze Gottesfreundlitteratur. ist er der dichter, dann begreift man, warum er die einzige historisch beglaubigte person ist, welche vom G. etwas weiss, und warum alle briefe des G.s nur bei ihm einlaufen, seine umgebung nur durch ihn briefe an den G. senden

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kann. er hat ja die idee vom G. im oberlande der welt mitgeteilt und dessen briefe verfasst. der einzige weg, den betrug fortzusetzen, war der dass Merswin sich zum centrum der bewegung machte. in der angegebenen tatsache ist auch der grund zu suchen, warum keine andern briefe als an Strassburger adressaten vorhanden sind. ferner findet auch die gleichheit der beiderseitigen schriften, der des G.s und Merswins, hierin ihre erklärung der eine dichter Merswin muss auch verantwortlich gemacht werden für den mangel an abwechselung in allen schriften.

Ist Merswin der dichter, dann erklären sich noch andere unbegreifliche dinge. im jahre 1380 schreibt der G. an Merswin, sie beide dürften sich nicht mehr briefe schreiben, sie müsten aller creaturen ledig stehen und abwarten, was gott von ihnen haben wolle. dies sollte wenigstens drei jabre dauern (NvB s. 336. 338 f). was geschieht nun? im sommer 1381 sendet der incluse, d. i. der abgeschiedene G., die tovele herab ips Niederland, d. i. zunächst nach Strassburg, zuo einre getruwen frúntlichen warnunge in den erschröckenlichen sterbotten. aber wenn der G. würklich existiert und sich jener strengen abgeschlossenheit unterzogen hätte, wie wäre er zur kenntnis des sterbens? im Elsass, resp. Strassburg, gelangt (vgl. Königshofen, Deutsche städtechron. 9, 772)? wie stimmte ferner die übersendung der tovele zu dem vorsatze, sich jeglichen verkehres mit der aufsenwelt, ja selbst mit Merswin zu entschlagen? so ist aber alles klar. Merswin selbst ist der übersender, er lebte in Strassburg und wuste natürlich vom 'sterben'. dass er damit in widerspruch mit seinen früheren mitteilungen komme, daran dachte er nicht im geringsten. dasselbe passierte ihm, dem vergesslichen manne, auch noch ein jahr später. die johanniter baten ihn, als er auf dem todbette lag, er möge sie wissen lassen, wo sich der G. aufbalte, damit sie nach seinem tode mit ihm verkehren könnten. die natürlichste und allein consequente antwort wäre gewesen, die johanniter an die eingeschlossenheit des G.s zu erinnern, die eventuell erst im frühsommer 1383 beendet werden solle, wahrscheinlich aber gar nicht aufhören werde. allein das vergass Merswin wider und erteilte vielmehr die bekannte antwort, sein bote sei gestorben. nur dadurch dass der G. nicht existiert und sich die ganze geschichte nicht in würklichkeit zugetragen hat,

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lassen sich solche dinge erklären. ähnliches erfährt man im leben sehr häufig. erdichtet jemand irgend eine geschichte, die er erlebt haben will, so wird dieselbe ebenso oft wandlungen im munde des dichters durchmachen, als er davon spricht. der G. schrieb vor seiner einschliessung einen brief auch an den comthur (NvBs. 340). allein dieser brief ist so verfasst, dass er dem gedanken raum lässt, der G. werde noch öfter schreiben und es habe mit dem einschliessen keine grosse eile. vor einem solchen entschlusse schreibt man nicht so. dieser brief findet wider nur durch die nichtexistenz des G.s seine erklärung. es fragt sich auch: was ist nach der einschliessung aus den genossen des G.s geworden? denn nur mit Johannes schloss er sich ein (vgl. NvB s. 330 und 343). der dichter vergass die übrigen.

Es ist ferner auch klar, warum mit Merswins tode stillschweigen eintritt. Merswin konnte recht wol in der maske des *G.s sagen dass, wenn Merswin länger lebe als der G., er den namen desselben bekannt geben werde (NvB s. 133), da er immerhin früher als seine fiction sterben muste und er deshalb nie in die lage kommen konnte, sein versprechen zu erfüllen. man begreift weiter, warum Merswin diejenigen schriften, die er als seine eigenen angesehen wissen wollte, bis zu seinem tode zurückbehielt. nur auf diese Weise entgieng er der entdeckung, da man keinen vergleich zwischen den beiderseitigen erzeugnissen anstellen konnte. was nachher geschah, brauchte ihn wenig zu kümmern. ein helles licht wirft die annahme der nichtexistenz des G.s auf die notiz, Merswin habe von den vom G. an ihn gesandten schriften copien gemacht, in denen er die namen der orte und personen weggelassen, worauf er die originale verbrannte (Schmidt NvB s. XIII; Jundt s. 271). natürlich! Merswin muste ja dies sagen, sonst wäre man hinter den betrug gekommen. wenn er keine orte angab und niemanden nannte, konnte man keine controle üben; wenn er dann vorgab, er habe copien angefertigt, die originale aber verbrannt, konnte er den johannitern recht wol seine eigene handschrift übergeben, ohne dass dieselben auch nur der schatten eines argwohns beschlich. keinem fiel es auch ein, noch nach den originalen zu fragen. hiemit steht in verbindung dass bei den einzelnen erzählungen häufig die phrase vorkommt, dieser oder jener verbitte sich dass sein name genannt werde. keiner hat eben existiert. nicht weniger begreif

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