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Albrecht strophen verloren gegangen sein. wie aus dem folgenden erhellt, waren sie des inhaltes dass Sigune und Schionatulander sich unterwegs an einem waldrande lagern.

Da kommt (str. 132) ein bracke auf der spur des wildes durch das dickicht gebrochen. er wird von Schionatulander aufgefangen und trägt an seil und halsband eine reichverzierte schrift. ehe Sigune sie völlig gelesen, entwischt der hund.

Schionatulander, der mitteler weile angeln gegangen war, springt auf das geschrei hin dem entlaufenen tiere nach, kehrt aber unverrichteter sache wider zurück. Sigune knüpft ihren besitz an die widererlangung des seiles, und Schjonatulander verspricht es zu suchen.

Das fragment enthält zwei gruppen. die erste schliefst str. 158, wo der hund entflieht, mit einer prophezeiung trauriger folgen; die andere beginnt str. 159 mit veränderter scene: Schionatulander angelt. von str. 159— 170 sind in G 12 strophen überliefert. die plusstrophen in J sind sämmtlich unhaltbar (vgl. Bartsch aao. s. 12).

Ich glaube dass str. 132 das ende des sonst verlorenen ersten abschnittes ist das trauliche beisammensein der liebenden wird durch die ankupft des hundes gestört. wie str. 12. 73. 170 schliesst str. 132 das vorausgegangene ab und meldet zugleich die eintretende verwandlung.

Dann bilden str. 133—158 die mittelere gruppe. darin sind str. 135 und 136 schon äusserlich verdächtig durch den übergang der construction aus der einen strophe in die andere. sie hemmen den fortgang der handlung, die str. 134 schon so weit gediehen ist, dass sich Schionatulander zum fange bereit macht, und nicht durch unzeitige erklärung, weshalb der hund sich in die nähe der reisenden verirrte, und durch gehäufte vorausdeutungen und klagen unterbrochen sein will. wem der bracke gehörte, sollen wir erst str. 146 aus der inschrift des seiles, und dass er seinem ersten besitzer entflohen sei, bei seiner zweiten flucht str. 157 erfahren. die strálsnitec mál str. 136, 2 sind schon str. 132, 2 beschrieben: ûf rôtvarwer vert nach wundem tiere. tilgen wir str. 135 und 136, so bleibt ein geordneter zusammenhang.

Die plusstrophen in J sind von Bartsch (aao. s. 11 f) als zusätze erkannt, bis auf str. 138* (bei Hahn str. 1151), eine Z. F. D. A. neue folge XIII.

15

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strophe, die bei Lachmann fehlt und sich nur in einem teile der hss. findet. sie lautet nach Bartsch:

Der bracke was harmblanc gevar ein klein vor an der stirne, diu oren lanc, rôt al sin hdr, ze reht gestalt und mit breitem hirne, ze bracken wis gemålet und geléret.

daz wilt daz er jagte, mit guldîner strál was ez gesêret. dem ‘männlichen cäsurreime und dem ganz wolframisch gebildeten gemület (vgl. gehundet 142, 2)' zu liebe hat Bartsch diese strophe für echt erklärt. es muss billig auffallen dass, nachdem wir bereits 5 strophen hindurch mit dem bracken beschäftigt gewesen sind, uns jetzt erst die beschreibung seines äusseren nachgeliefert wird. gestalt und farbe pflegt sonst das erste zu sein, was sich an fremden objecten uns bietet, und kann nur so lange interessieren, als uns andere kennzeichen zur beurteilung fehlen. wenn sie überhaupt gebracht werden sollte, gehörte die beschreibung des hundes nach str. 137, 1, wo das tier durch das dickicht bricht und den augen der reisenden sichtbar wird, oder spätestens nach str. 137, 4, wo Schionatulander es gefangen hat. für Wolfram war aber das brackenseil weit wichtiger, als sein träger. kaum zeigt sich der hund, so wird nicht er, sondern sein halsband beschrieben; kaum ist er gefangen, so werden die unseligen folgen angekündigt, die sich an dieses halsband knüpfen. bei solcher spannung der erzählung blieb keine zeit, uns vorher noch mit den ohren und der harfarbe des bracken bekannt zu machen. unsere plusstrophe wird daher auf rechnung des interpolators kommen, der seinen nachtrag nicht anders einzuschieben wuste. weil die nötigen vier verse mit der trockenen aufzählung der gliedmassen des hundes nicht ausgefüllt waren, werden wir am schlusse noch einmal an das verwundete wild, das der bracke jagt, erinnert.

Der abschnitt str. 133-158 besteht aus 24 gesetzen.

Das schema des ganzen stückes ist nicht mehr zu bestimmen. nur die beiden letzten teile von 24 und 12 strophen sind uns erhalten. aber allzu viel kann nicht verloren sein, denn das eigentliche thema bildete offenbar die begebenheit mit dem brackenseil, die uns vollständig überliefert ist. das zweite lied ist demnach bedeutend kürzer gewesen als das erste von dem liebesgeständnis Sigunens und Schionatulanders, was sich dadurch rechtfertigt dass in str. 170 auf eine fortsetzung verwiesen wird.

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der sig

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eitem hin

gebildet

Unsere untersuchung hat an stelle der bruchstücke zwei nach inbalt und form scharf begrenzte einheitliche abschnitte, dh. lieder nach der weise des volksepos ergeben, wie Müllenhoff voraussagte. dem steht nicht entgegen dass Schionatulander str. 39, 4 dirre dventiure ein herre heisst. denn dventiure bedeutet den 'schriftlich aufgezeichneten bericht, die urkundliche quelle', ohne dass damit über die dichtungsart (ob lied oder epopöie) etwas entschieden wäre. selbständig erhalten neben der überarbeitung im J. Tit. bestätigen die vorliegenden gesänge die reconstruction epischer lieder, die die kritik an den Nibelungen und der Kudrun vorgenommen hat. und ebenso wenig, wie an diesen die heptaden, wird man an jenen die teilungszahl sechs mit wolfeilem spotte widerlegen. Berlin 6. 1. 81.

JOHANNES STOSCH.

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ZUM WIGALOIS III.

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a, fragment aus Freiburg i. B.
Herr professor Hermann Paul hat die besondere güte gehabt,
mir die abschrift dieses neuaufgefundenen bruchstücks einer Wiga-
loishs. zum geschenk zu machen: ich statte ihm meinen herzlichsten
dank dafür ab. nach seiner brieflichen angabe wurde das frag-
ment, der quergeschnittene streifen eines doppelblattes, der schrift
nach dem xin jh. angehörig, von dem einbandrücken eines Lau-
rentius Valla, Elegantiae linguae latinae auf der universitäts-
bibliothek zu Freiburg i. B. abgelöst. ich gebe den text hier ge-
nau nach Pauls copie.
1' Pfeiffer 248, 21:

swaz ich 1• rowen han bechant. ode mit den 2 ovo nu gesach.
der .chone machet din schone swach. dy bist ir aller
gel. ich han noch her ciegel. fur luter glas an gesehen.
diner schone mvz man prises iehen. dv scolt ir aller chro
ne tragón 3. din schone manigen hat erslagen. der noch
wol lebte sin cit. ich wene din svziv minne git. de her
cen iamers stimme. dv bist div war minne. vil senlich:

r bra

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stime

uns

1 solche puncte bedeuten dass buchstaben abgeschabt sind nicht ganz deutlich; hinter ov, wie es scheint, nur ein buchstabe ausgekratzt 3 wo e stehen sollte, ist das pergament durchstochen

Chene

lempi stänche

2 den

ligt att

er

minne. des hercen vñ der sinne. ichn gan din niemen so wol. als dē der dich da haben sol. mit dē du frowe solt genesen. ir scult mit frouden beidiv wesen. swar ich in der Werlte var. got hat sinen fliz gar. cewnsche wol an euch geleit. vn lat er euch ane leit. also mit frevden alten. vñ welt ir danne behalten. die sele so wirt daz ende gut. nv geb er iv den selben mvt. der

iwer minne gesamet hat. dar zu hapt ir minen ra: 249, 9. 16 250, 2:

eidiv 1. isen vn felt. vollez ritterschefte lach. da man by hvrdirens phlach. alle tage vnze an die naht. svs was mit Frrvden bedaht. daz lant daz e iamers phlach. vil reuwic lichen manigen tach: Erek vñ min her Gawein. Lanze let vñ min her ywein. die buburdierten ovch da vil. svs wert daz rit’liche spil. volliclichen zewelf tage. nach der aventivre sage. also div hohcit do ende nam. do chom ein garzun ane scham. vf den sal gel... en 2. der begunde sich rovfen. vn gebarn iamerliche. wan er was iamersriche. ich wene sin swere div was groz. lief nachet vñ bloz. aller hande chleider. niewan dir re beider. zeweier schuhe vñ einer nider wat. im was aller hande rat. anders vil tivre. der braht aven tivre. ein blutich sper cebrochen. da mit was erstochen.

der chvnich amyre von lybia. daz chunte er den ritern da. 250,32. 24 263, 17:

geschar. vn daz ir aller widerbot. were sin tagli
cher spot. ern forhte si cenihte. vñ wolde zir ange
sihte. gein in ligen mit sine her. si funden rit'lich
wer. strenge iost vñ herten strit. ob si chomen im
encit. mit manlichem mute. her Gawein der gute.
vī sin gesellen die wrden fro. div massenie bereit
sich do. vil snelle zỹ der herfart. da manich schilt
verhowen wart.

der chvnigin. da
si inne scold sin. die varte durch des chuniges bet.
daz ovch si vil gerne tet. wan ez ir beider minne
riet. div si nimer mer geschiet. swar min her Gwi
galoys nv rite. frowe Larie volgte im mite. wan
er die schone gerne sach. er hiez bereiten dvrch

1 etwas abgerissen 2 durchlöchert 3 durchlöchert

OV 3.

ir gemach. ein harte schone chastel. cemaze hoch vn

sinwel. gerihtet vf einen helpfant. daz man vil wol 264, 5. 20 264, 37:

bringet si von des alten lant. vil ferre vz der heiden schaft. von solhen witzen hat si chraft. die man mit golde wider wigte. da von ir svzer smach gesigte. von rehte allen witzen an. als ichs vernomen han. ir svze sich niht gelichen chan. Daz 1 netze was gestrichet wol. guldiner schellen hinge ez fol. niden an dē ende. ovch warn die wende. mit beten vmbe leit. von richen phellen kvlter br....2 da vf gestrechet. die wen de gar bestechet. mit blumen vn daz hvs bestrevt. der tach des schin div herce frevte. schein alvmbe durch div glas. swenne ez an sinē cite was. SVS was ge cieret schone. dar inne der frowen chrone. des wns ches amie. div chvniginne larie. durch gemach scolt riten. in vil churcen citen. nach ir willen ez was bereit. gezieret mit grozer richeit. swenne div fro 265, 25.

grosser roter anfangsbuchstabe 2 durchlöchert

1

Zwischen 19 und 10 liegen 32 verse, 29 enthält 1', also standen auf der vollständigen seite 61 verse; zwischen 2a und 26 liegen 32 verse, 2a hat 28, im ganzen also 60. ich denke, man geht nicht fehl, wenn man diese zahl von 60 — 61 versen als durchschnittszahl für die seiten der hs. annimmt. denn zwischen 15 und 2a fehlen 504 verse, und zieht man in betracht, wie 1b nur etwa zur hälfte bewahrt ist, so ergibt sich dass zwei doppelblätter, ungefähr 480 – 8 x 60 verse, zwischen 1 und 24 gelegen waren. da die bewahrten reste nur einer lage angehören, so ist es nicht möglich, den umfang der hs. zu berechnen.

Das verhältnis der lesarten von a zu denen der damit zusammentreffenden wichtigen hss. und fragmente ABCFR lässt sich in folgender übersicht darlegen: 248, 21 bechant + F gegen alle erkant 22 ode + BCF gegen alde A; nu gegen ie bei allen 25 den + F fehlt gegen alle 27 muoz man + F gegen m. ich bei allen 33 fehlerhaft minne gegen gimme bei allen 34 vil + F, welches allen fehlt 36 ichn + B, gegen ich en A, ich CF; so gegen also bei allen 37 da + ACF, fehlt B 39 mit frouden gegen min fröude bei allen; beidiu + A gegen beyde BC

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