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anm. 2): galiuga-veitvods (1 Cor. 15, 15. Marcus 10, 19), veitvod (2 Cor. 1, 23), von welchem worte keine formen mit -ḥ, -þs belegt sind, aviliud (2 Cor. 8, 16. 9, 15. 4, 15. 2, 14 (cod. A aber aviliup). 1 Cor. 15, 57 cod. B), faheds (2.Cor. 2, 3; cod. A faheps), fahed (Philipp. 2, 2), brupfad (Marcus 2, 19), svalaud (Gal. 4, 1), gastigods (1 Tim. 3, 2. Tit. 1, 8), gods (2 Tim. 2, 3), god (Matthäus 7, 19; 1 Tim. 1, 8. 2, 3. 5, 4), saud (Rom. 12, 1), gariud (Philipp. 4, 8), gariuds 1 (1 Tim. 3, 2) usw. besonders begegnen dann und wann verbalendungen mit -d statt -5.

Durch diese beispiele wird die beim Lucas und Johannes gefundene regel bestätigt. um ausnahmen in den übrigen teilen des Ulfilas zu finden, bin ich den wortvorrat im glossar durchgangen, habe aber nur sads (Philipp. 4, 12), grid (1 Tim. 3, 13) und gaguds (Marcus 15, 43) als solche notieren können. 2 die accentuation gagúds ergibt sich aus dem altn. granni, glikr (got. garazna, galeiks) und dem nhd. gedánke usw.; da aber das regelmässig inlautende d in guba (Gal. 4, 8), gubaskaunein (Philipp. 2, 6), gubalaus (Eph. 2, 12; gudalaus cod. A) von þ verdrängt ist (aber guda Joh. 10, 34. 10, 35), so nimmt es kein wunder dass umgekehrt in gaguds (Marcus 15, 43) d unregelmässig bleibt (vgl. gagudei, gagudaba). die je ein mal belegten sads (saþ Lucas 16, 21) und grids können die giltigkeit der regel nicht umstofsen, besonders wenn man bedenkt dass umgekehrt þ für inlautendes d nicht nur in gupa usw., sondern mitunter auch sonst, zb. in unfropans (Gal. 3, 3; aber unfrodans Gal. 3, 1) steht.

Die regel für -d, -ds bewährt sich schön durch den wechsel der auslautenden - f und -b. Braune gibt $ 56 folgende regel: im auslaut, vor dem s des nominativs und vor dem t der 2 s. perf. bleibt b nur nach consonanten, in der stellung nach vocalen wird es zu f. seiner meinung nach sind die 21 mal belegten formen mit auslautendemb nach vocal den schreibern anzurechnen und rein orthographisch. sie sind nach Leo Meyer 80 und Braune: grob (Lucas 6, 48), gadob (Skeireins 42, perf. von

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2

1 im got. diphthong iu ist i silbenträger (Braune Got. gramm. § 18).

spraud (1 Cor. 9, 24) ist mit recht von Massmann und Heyne in spaurd emendiert, da spaurds vom Joh. 6, 19. 11, 18 belegt ist (vgl. auch ahd. spurt); wenn man aber auch in spraud metathese von au und r sehen will, so erklärt sich das erhaltene -d aus dem regelmässigen -d der normalform spaurd.

gadaban), gadob (passend, 4 mal), hlaib (7 mal), hlaibs (Lucas 4, 3), piubs (4 mal; þiufs nicht belegt), tvalib (3 mal). hiezu kommt noch der namen Gudilub 1 in der urkunde von Arezzo. in allen diesen wörtern steht ein langer vocal oder diphthong vor - b, -bs, mit ausnahme von tvalib und Gudilub, wo -b in unaccentuierter ultima sich befindet. es kann deshalb nicht zweifelhaft sein dass diese sporadischen -6, -bs ebenso wie -d, -ds erklärt werden müssen: der relativen accentlosigkeit zu folge hat die tonende fricativa (got. b ist auch zeichen für die tönende labiale fricativa) den stimmton nicht eingebülst. es verdient erwähnt zu werden dass von den 21 -6, -bs 11 im Lucas und Johannes belegt sind, wo auch -d, -ds am häufigsten vorkommen.

Hieraus folgt dass, da zb. vom dat. biuda (tisch), galaubamma (kostbar) der nominativ nicht belegt ist, man nicht mit gewisheit biups, galaufs ansetzen kann, da er auch biuds, galaubs hat lauten können.

Der grund dass im got. fadi- (nicht faþi-) das sskr. pátis vertritt, ist darin zu suchen dass fadi- nur als zweites glied von zusammensetzungen vorkommt, composita mit -fadi- aber müssen im urgerm. fadi- ebenso wie sskr. gópatis usw. accentuiert worden sein (Kluge Beitr. zur geschichte der germ. conjugation 25. 131). aus brupfads (Lucas 5, 34. 35), hundafads (Lucas 7, 6) kann man aber schliessen dass dieselbe accentuation dieser wörter noch im got. bestand, da man sonst im nom. -þs erwartet hätte. man muss auch Gúdilub accentuiert haben. 2

Da im got. auslautendes -g immer bleibt, kommt es, wenn es auch die geltung einer gutturalis fricativa hatte, hier nicht in betracht. 3

2

I vgl. Förstemann Altdeutsches namenbuch 1, 537.

guß hat als erstes zusammensetzungsglied d in gudhus (Joh. 18, 20), in guþblostreis (Joh. 9, 31). wenn nicht die anwendung von d und s in diesem worte auch sonst unregelmässig wäre (s. oben), könnte man hieraus die accentuation gudhús und gúþblostreis erschliessen wollen. da die praep. us in zusammensetzung mit auf st- anlautenden wörtern bisweilen -s verliert zb. ustaig, und Mt. 27, 51 diskritnan für disskritnan steht (Braune 8. 31), so deutet dies vielleicht die betonung ustaig usw. an.

der lange (aus sts bestehende) s-laut verkürzte sich, da us-, dis- unbetont waren. über die accentuation vom zweiten compositionsgliede im älteren schwedischen vgl. meinen aufsatz Ljudförsvagning Tidskrift f. fil. n. r. III 247 *).

3 eine erscheinung im ags. verdient hier erwähnt zu werden. nach Holtzmann Altd. gramm. 210 bleibt auslautendes g nach kurzem vocal

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Das gesetz wird aber von den regeln für auslautende s und z bestätigt. Zwird im auslaute zu s (zb. hvazuh-hvas); ausnahme ist das zweisilbige rikviz (4 mal von Leo Meyer belegt); ausserdem aiz, mimz, minz (jedes je ein mal von Leo Meyer und Braune belegt), die lange wurzelsilbe haben, das erste mit diphthong, die anderen mit kurzem vocal + 2 consonanten.

Als resultat dieser untersuchung glaube ich notieren zu können:

1) Die auslautenden got. fricativae -d (-ds), -b (-bs), -bleiben sporadisch nach vocal (und werden nicht zum entsprechenden tonlosen laut), wenn sie in unaccentuierter ultima oder in accentuierter langer silbe stehen.

2) Die ursache ist in beiden fällen die relative accentlosigkeit der laute.

3) Die intensität des got. accentes nahm in einsilbigen wörtern gegen das ende des Wortes ab.

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(däg usw.), obgleich seltene ausnahmen vorkommen; in langer silbe soll es aber meistens zu -h werden. er bemerkt aber dass g in langer silbe öfters bleibt: immer -ng, weiter nach æ (mæg, væg, ægflota), nach é (svég, lég), nach î (stíg, tvíg). er hat unter den beispielen mit -h nach langem vocal auch vág und váh (paries), þrág und þráh (cursus); von Grein werden sie aber väg, vag, vah und prag, þrah (auch HLeo: þrah) angesetzt und widersprechen in dieser form der von Holtzmann aufgestellten regel. es kann bemerkt werden dass in mehreren, seiner anderen beispiele - h nach r oder 1 folgt (burh, beorh, borh, fealh, dolh). HSweet gibt auch History of english sounds 79 die regel: final gafter long vowels or consonants often becomes h in old english. ist diese fassung in der hauptsache die richtige (vgl. ten Brink Anglia 2, 177), so scheint die von Sweet gegebene erklärung nicht unwahrscheinlich zu sein : 'h, to judge from the spelling bogh =bõh=bög, was originally vocal (gh), although it was soon devocalized.' vgl. auch Paul Beitr. 1, 177. da im ags. Þ und & promiscue angewandt werden, und f (nicht v) immer im auslaut steht, bestätigen die anderen fricativae nicht die regel für auslautende -8, -h, welche für die got. fragen nicht entscheidend ist. Lund 23. 12. 1880.

AXEL KOCK.

ZU KLOPSTOCKS ODE AN EBERT.

Eine reihe von parallelen zu der totenschau in der Ebertode findet sich mit beschränkung auf den Leipziger kreis in meinen Beiträgen zur kenntnis der Klopstockschen jugendlyrik

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s. 38 ff. Klopstock selbst bietet im Messias xiv den vergleich wie ein einsamer übriger, der durch den tod den letzten seiner freunde verlor. auf drei weitere belege für das nachleben des motivs soll hier hingewiesen werden.

Bodmer hat in seiner greulichen patriarchade, dem Noah, nicht nur Klopstocks künftige geliebte, die teufel, den reuigen Abbadona namentlich abgeklatscht, sondern auch jene ode sclavisch copiert. im vierten gesang denkt sich Debora nach dem tod ihrer mutter Mehetabeel auch den vater Sipha und die beiden schwestern gestorben und jammert

wenn denn Thamars auge sein freundliches lächeln verlernt hat, wenn die blühenden wangen der Kerenhapuch verwelkt sind, ruht der schwester gebein, und ich bleibe von dreyen noch übrig, und ich stehe getrannt vom menschengeschlecht bey mir selbst da, mir nur allein noch übrig, was wird aus mir einen dann werden?... alsdenn werd ich aus einer betäubenden langen ohnmacht ungern erwachen, und wenn ich zuletzt erwache vergebens um die gräber meiner entschlafenen gehen, und Thamar ruffen und Kerenhapuch, dann werden die thäler und klippen

Thamar ruffen und Kerenhapuch, doch meiner zu spotten. vieles in dieser später umgearbeiteten stelle ist blofse paraphrase, vgl. ode (erster druck) v. 35 wenn des zärtlichen G*** auge mir nun nicht mehr lächelt, 58 ruht auch ihr zartes gebein, 59 bin ich allein, allein auf der welt von allen noch übrig, 50 f was sind wir alsdann, wir verlassenen beyde, 63 betäubt, 67 rufe, wenn du erwachst, 69 ihr gräber meiner enschlafenen. Bodmer war anfangs so ehrlich am rand seine quelle zu nennen, der junge Wieland aber erklärte in der belustigenden bogenreichen reclameschrift Abhandlung von den schönheiten des epischen gedichts der Noah s. 161 ff, Klopstocks motiv habe hier erst den rechten platz, neues leben und höhere vollkommenheit empfangen. der wahre erfinder sei, wer einen gedanken, möge denselben ein anderer früher geäussert haben oder nicht, am natürlichsten verwende. Debora würde sich würklich ganz vereinsamt auf der welt sehen, aber, fährt er mit einem schielenden lob fort, gesetzt herr K. verliehre alle seine freunde, so wichtig ihm dieser verlust seyn mag, so wird er doch niemahlen allein seyn. es wird gewiss nie an leuten fehlen, welche fähig seyn werden ihn zu lieben, und von ihm geliebt zu werden. seine traurige einsamkeit ist demnach

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ich weiss

bloss eine einbildung einer vom schmerz besiegten seele. überhaupt wimmelt es in Bodmers sogenannten dichtungen von reminiscenzen, vgl. Die Cherusker s. 53 Thusnelda zu Arminius willst du nicht erst von dem donner der schlacht ausruhen? nicht in meinen umarmungen stille und freude athmen mit Hermann und Thusnelde 2, 2 ff ruhe von der donnernden schlacht in meinen umarmungen aus.

Mit einer seltsamen mischung von parodie und ernst sagt Lessing in der prosaode An den herrn von Kleist Lachm. 1, 205 f wenn die liebsten deiner freunde nicht mehr sind es, keiner von ihnen wird dich gern überleben wenn dein Gleim nicht mehr ist wenn der redliche Sulzer ohne körper nur denkt ... wenn unser lächelnder Ramler sich todt kritisirt wenn der harmonische Krause nun nicht mehr, weder die zwiste der töne, noch des eigennutzes schlichtet wenn ich auch nicht mehr bin ich, deiner freunde spätester, der ich, mit dieser welt weit besser zufrieden, als sie mit mir, noch lange, sehr lange zu leben denke dann erst, o Kleist, geschehe mit dir, was mit uns allen geschieht! dann stirbst du; aber eines edlern todes; für deinen könig, für dein vaterland und wie Schwerin.

Frei hat JBMichaelis das motiv benutzt in Die gräber der dichter. bald darauf fand sein eigenes leben – vgl. jetzt Wilisch Des Zittauer dichters Johann Benjamin Michaelis autobiographie Neues lausitzisches magazin Lvi - ein frühes vielbesungenes ende. Wien 22 11 81.

ERICH SCHMIDT.

SASSAFRAS.

Meine bemerkungen über don Sassafras, dessen Goethe in zwei nach Leipzig gerichteten jugendbriefen gedenkt, Goethejahrbuch 1, 377 f, kann ich jetzt, den doppelsinn der anspielung festhaltend, ergänzen und berichtigen. vielleicht sind würklich bei Schönkopfs Sassafrasscenen gespielt worden. der durchtriebene verliebte doctor Sassafras aus Amsterdam, der seinen namen dem erprobten decoct verdankt, war eine sehr bekannte bühnenfigur. das aus Italien stammende lustspiel von Sassafras und Sassabarille -- vgl. Holtei Schlesische gedichte 1858 s. 192 ff - mag auf der wanderung von truppe zu truppe manche umänderung erfahren haben.

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