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herrn, wobei Engländer und Franzosen ihm beistimmen, dazwischen tritt, Edolanz um das richteramt ersucht und dann gegen rückgabe des sperbers dem Pontschur das leben schenkt. versöhnung wird gestiftet, die leute der dame, romanische südländer, feiern ein freudenfest. die jungfrau, welcher Artus ihren triumph anzeigt, erhält den sperber wider und bietet Artus ihr haus an. 3- 45.

Die erzählten abenteuer enthalten nichts irgend originelles, jedes derselben ist uns in verschiedenen gedichten schon begegnet. städtebelagerungen sind bei Wolfram häufig. kämpfe mit riesen finden sich überall, solche mit löwen und drachen, wie sie die überschrift in A andeutet, kommen in der Krone vor: zwei bowen 13230 ff. zwei drachen 13440 ff (wurm : sturm 13440). ein löwe 20900 ff. ein drache 26703. der ansicht Heinrichs 29913 daz alle äventjure von Gâweines tiure sagent, huldigt unser autor freilich nicht, denn in A spielt der gefangene Gawan eine recht klägliche rolle. auch Artus präsentiert sich in B nicht gar imponierend. bedauerlich ist dass die schilderung des lowenkampfes nicht erhalten blieb; man hätte dann sehen können, ob der dichter des Edolanz Wolfram oder der Krone folgte, welche beide dieses abenteuer erzählen, vgl. Zingerle Germania 5, 477. - zweikämpfe endlich um einen sperber, sei es als preis, sei es als raubstück, kommen seit dem eingangsabenteuer des Érec fast bei allen späteren höfischen epikern vor.

Ich halte mich überzeugt (besonders mit rücksicht auf die sonstigen entlehnungen) dass die berufung des dichters A 66 nach der äventiure sage eine leere formel ist und dass er eine quelle, die wol eine französische hätte sein müssen, nicht benutzt hat. ich habe über eine solche auch nichts in erfahrung bringen können. vielmehr wird alles blosse nachbildung der in den berühmten mustern gefundenen geschichten sein, ausgeschmückt, gehäuft, übertrieben (zwei drachen und vier löwen in A). dagegen spricht auch nicht die einführung des wichtels A 91; bei der nachgewiesenen bekanntschaft des autors mit der Sprache des volkstümlichen epos ist das unschwer als übernahme von dorther zu erklären.

Die darstellung der abenteuer zu beurteilen ist nicht leicht, da man ungerecht werden kann, ist ja alles abgebrochen und stückwerk. die des kampfes mit dem riesen scheint mir gar knapp, aber das kommt auch bei Hartmann und anderen vor, ich erinnere zb. nur an Érec 4205 ff. allerdings dürfte diese erzählungsart 2. F. D. A. neue folge XIII.

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auf einen grossen umfang des vollständigen gedichtes hindeuten, worin wegen masse des stoffes rasch berichtet werden muste. im allgemeinen ist die erzählung zwar nicht sehr gewandt, etwas sprunghaft, aber dafür recht lebendig (figur der frage B 78. 199) und, wie ich besonders hervorheben will, mit bildern von individuellem character geziert. B 1 wie das feuer, das vom himmel herabstürmt. 34 wie die schläge auf dem amboss des schmiedes, so hallen die hiebe. 143 ballt sich das heer zusammen, wie die wogen des meeres. auch 232 dringen die krieger heran wie eine flut (dass der dichter eine seefahrt gemacht habe, wird man daraus nicht schliessen dürfen). 163 ff klingen die schwertschläge des Edolanz gegen die des Pontschur wie glocken gegen schellen. 247 f erscheint die jungfrau ohne falsch so schön wie die rote sonne am abend.

A 18. 52. allitteration in den wortbindungen, in B: singen noch sagen 129. klink unde klingel 47. liep oder leit 111. kraft unde kunst 152.

Eine schwache seite der technik des dichters ist seine reimarmut. unter den 190 reimparen (oder eigentlich nur 189, da B 208 f fehlt) finden sich 10 zweimal, 4 dreimal, was ein starker procentsatz ist und die meinung nahe legt, der autor sei häufig auf die gestalt des zweiten verses nur durch den notwendigen reim gebracht worden. zu den mängeln rechne ich auch noch die sehr zahlreichen enjambements, die in der regel darin bestehen dass das prädicatverbum erst an der spitze des zweiten verses erscheint; die rede wird dadurch holperig. ich glaube aber, man darf dies der unfähigkeit des dichters nicht allein zuschreiben, Wolfram, sein vorbild, ist auch nicht arm an dieser eigentümlichkeit.

Die reinheit der sprache des dichters versagt uns in diesen fragmenten auskunft über seine heimat. erwägt man jedoch dass die schreiber Österreicher sind, dass beide fragmente in Österreich gefunden wurden, dass ein Baier, Wolfram, ein Kärntner, Heinrich vd Türlin, vornehmlich dem dichter zum muster dienen, dass er mit der redeweise des damals in Österreich besonders heimischen volksepos vertraut ist, so wird man noch die metrische sauberkeit, das alter der bruchstücke gebürend in betracht gezogen

nicht viel dagegen einwenden können, wenn ich den verfasser des Edolanz für einen Österreicher halte und die abfassung des werkes gegen 1250, jedesfalls nicht nachher, lieber vorher, ansetze.

Hoffen wir dass aus der verborgenheit noch weitere fragmente des Edolanz ans licht kommen. durch seine lebhaftigkeit, bilderfülle, reichtum des wortschatzes , volkstümliche art (wenn auch keine spur humors sichtbar ist) scheint mir das werk eine stelle unter den guten nachfahren der classischen dichtung Wolframs wol zu verdienen.

B 132 von tieren noch von würmen legt nahe zu vermuten dass der vers auf das in A begonnene abenteuer sich beziehe ; dann würde, da schwerlich die ganze erzählung in den zwischen 2b und 3a fehlenden doppelblättern der lage hätte enthalten sein können, 3ab als erste seite gelten müssen und das ganze wäre in der ordnung 3. 4. 1. 2 zu lesen. allein ich halte diesen vers 132 nur für einen tropischen ausdruck: von untieren und drachen hat man einen solchen kampf nie gesehen wie er hier zwischen männern ausgefochten wurde. ferner scheint mir dass die endgiltige aussöhnung zwischen Edolanz und dem Pontschur 4b doch jedesfalls der befreiung der stadt von des Pontschurs belagerung durch Edolanz müsse gefolgt sein. also wäre die jetzige ordnung richtig.

Zu dem überlieferten texte schlage ich noch einige, nicht schon früher erwähnte, änderungen vor. ich schliesse rein metrische aus, da das material zu gering ist, und erörtere zb. allzu kurze verse nicht, deren ich mehrere finde, weil ich nicht weiss, wie weit der gebrauch des dichters geht. A 14 l. mitalle. 16 l. schrenken. 28 I. sleich alsó dar, dunket mich. 32 l. behalten het. 34 l. mit sînen starken armen lanc. 38 vielleicht ist bant in Hoffmanns ergänzung überflüssig. 78 l. ze riten. 79 l. winters. 84 l. sprach. 116 Hoffmanns änderung von niemen in niemer ist unnötig. - B 33 si in ? 52 gein ? 53 zergienc? 55 vallen ? 56 f ez wart von in allen ein entwich? 62 l. her. 64 preite? 96 die sin ? 124 I. do gedahte er. 133 si è nie? 139 vlorast wird wol nur schreibfehler für vorast sein, vgl. Niedner Das deutsche turnier s. 40 f. 154 I. den arm. 165 fehlt wol etwas. 180 ist der ausruf nicht besser zum folgenden zu ziehen? 200 gewis fehlt etliches. 208 l. uz einem munde. 212 solt oder golt? 241 ortsname? Graz, 16. 7. 81.

ANTON SCHÖNBACH.

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PREDIGTBRUCHSTÜCKE.

V

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Ganz gewis bin ich nicht, ob ich das nachfolgende stück unter dieser überschrift publicieren darf, es könnte auch teil eines tractates sein. ausser dem, dass mir einige stellen rhetorisch gefärbt scheinen, habe ich mich durch die änderung von die zu din 25 bestimmen lassen. die rede steht auf einem zusammenhängenden, teilweise zerstörten pergamentdoppelblatt, das, 15 cm. breit, 19,5 cm. hoch, zweispaltig auf tintenlinien, die zum grösten teil äusserst fein gezogen sind, gross, sorgfältig und schön, vielleicht noch im xi jh., jedesfalls im anfange des xiv beschrieben ist. die grossen buchstaben, welche den beginn von sätzen bezeichnen, und der name Jesu Christi sind rot durchstrichen, auf 1' eine rote überschrift. ich besitze das blatt seit mehr denn zehn Jahren als geschenk meines verewigten freundes JMWagner und habe mit der veröffentlichung so lange gezögert, weil ich immer noch hoffte, ich würde den inhalt einem bestimmten werke zuweisen können. das ist mir nicht gelungen und nur so viel scheint mir sicher dass es seiner darstellung nach einem der älteren mystiker angehören dürfte. im drucke wurden die einfachen abkürzungen aufgelöst, ergänztes cursiv gegeben.

1a Ein ander ist daz man so vlizzechlichen wirbet nach der lute behagunge. und so wenich nach gotes behagunge. Ein ander ist daz wir unser nutz zit so jamerlichen vur bringen die

uns got ze so manger leie . gegeben hat. Ein ander ist 5 daz wir gote niht enantwurten ..... ibe gein siner gotlichen

nature. mit danke gein siner manchvaltigen gabe. mit bezzerunge umb unser manchvaltige schulde. mit menschlicher libe siner gotlichen minne. Ein ander ist daz die lute so tobent mit

unruelichen sunden wider got. Ein ander ist daz wir alle an 10 der wage sin. weder wir mit got (16) beliben oder niht. weder

wir got hiute behagen. oder missehagen. Ein ander ist daz wir so stætichlichen ligen in geistlichen sunden. und ir doch nicht bechennen. als geistlicher roub ist. Diubstal. unchusche.

manslaht und valser geziuch. Ein ander ist daz man so unwir15 dichlichen enphahet den waren lichnamen unsers herren ihesu

christi. Ein ander ist daz wir den verborgen got so wenich be

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chennen. dar zu gehoret sitzen. swigen. und einode. Ein ander ist daz grozziu gutiu dinch verderbent. und chleines lones wert werdent.

wan man si tut uzzerhalb warer (10) minne. Ein ander ist daz man den gewaltigen rehten got so wenich furhtet. Ein ander ist daz der tivel mit so mangen swinden bechorungen 5 die lute vellet swie geistliche si sint. Ein ander ist daz die lute so grozz helfe habent von gote an engeln an hiligen an der schrift und lere und hiligen bilden hiliger lute an dem heren lichnamen unsers herren ihesu christi. und si sich doch niht arbeiten wellent daz si ez mit gotes helfe uberwinden. Geistlich sunde.1 10 Ein ander geistlich sunde ist daz man unsers herren lichnamen unwirdichlichen enphahet. (14) daz geschihet so man wizzechlichen in houptsunden ligt. oder daz man hat gantzen willen zesunden. Oder daz man durch werdecheit oder von gewonheit in nimet. so nimet man in zeverdampnusse. und wirt schuldich 15 gotes libes. daz sprichet daz man so grozen pine verdinet als die juden. die in hiengen an daz cruze. und der da niht hat daz zeichen des vrides an dem hertzen. der enphahet gotes lichnamen nicht ze nutz. sunder sich zeuberziugen. Ouch nimt in der unwirdichlichen der in totlichen sunden ligt. und in dar 20 umb nimt daz er bezzer werde. wan gotes lichnamen (2") wirt debeim houptsundere gut oder bezzere. aber der bose und der sundige wirt boser und sundiger. und der gute mensch wirt gesterchet an dem leben. als der win einen sichen sterbet. und einen gesunden sterchet und gevrowet. Ouch nimt der angst- 25 lichen gotes lichnamen. der noch sicherheit hat noch hoffnunge an dem hertzen daz im got vergeben habe alle sin sunde und daz er gotes vriunde si. Aber der nimt in an angest der also dar zu get daz er dehein totliche sunde weiz an sinem hertzen. noch willen hat zesunden. Ouch enphahet etwenne der mensch 30 dehein oder wenich gnaden. an gotes (2) lichnamen. der mensch vor niht bereittet mit gebet. und mit guten gerungen. und swie doch gotes lichnamen gar chreftich si. dannoch chumt niht grozziu fruht an din 2 sel. so si der mensch dar nach piht behutet vor unnutzen dingen. Owe wie mange lute 35 wider ir hertz nement gotes lichnamen. daz man iht bosen wan uf si trage. und si dar nach iht versmehe. ez were unschedlicher ob man fur morder oder fur chetzer hete. denne daz

so sich

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