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Vier stet: der erst heyst Cesaris,
Augspurck nennt man sie ytzunt gewiß,
Mentz, ach, lübegk.

Vier dorffer banner ich auff steck:
135 Bambergk vnd sletstat,

Vlme, hagepaw dartzu wat. 1
Mer vier des reichs gepauwern:
Colon, Regenspurgk an trauren,

Constantz vnd Saltzpurg ich auff mytz,
140 Das sindt vier mechtig paurn myt witz;

Der grunt soll das reich auch haltten.
Nu ist der glaub leyder gespaltenn,
Das dem reich grossen schadenn pringt,

Die keytzerey myt dem glauben ringt
145 Wider gotlich ere vnd wirdt,

So ist ordnung vnd gezirdt,
Das man doch pillich wenden thut.
Ir stoltzen fursten woll gemut,

Gedenck 2 an alle ewern stat,
150 Handelt die sach nach weysen rat,

Doch das die ketzer wern vertrieben;
Secht ann wie lang seyt yr belieben,
Das yr seyt der hochst senat,

Wann keysers wall von euch zu gat,
155 Das doch ein grosse wirdt heyst.

Darumb, yr teutschen, seyt gereytz,
Das yr waren 1. ben .ilf 3
Kumpt trostlich ytzundt zu bilff.

So rat ich das, keyser Sigmundt,
160 Habe die fursten lieb auß rechttem grundt,

Wann sie vonn bebstlichen wesen
Besunder hat auß gelesen
Kuniglich kron. darnach solttu dich betrachtten

Vnd nach hilff der teutschen achten,
165 Die man dir freuntlich teylt hat myt.

Heb an, flehe, gepewt vnd pit,

Tu auff den schatz, silber vnd golt, il. vat

2 I. Gedenckt an der stelle der puncte je ein buchstabe undeutlich; vor ilf scheint b zu stehen ;' unverständlich

3

Vnd gib der Ritterschaft iren solt,

Auch sprich denn fursten gutlich zu, 170 Damit die cristenheyt kumpt wider in rw

Durch der fursten hilff vnd crafft,
Vmb cristenliche Ritterschafft
Vnd auch vmb manig lebendig schar,

Der die herolt nement war. 175 Der was an tzall vnd vbervill.

Der wappen ich blaßmyrn will.
Als ydem seynem stat do zymmet
Hann ich getrachttet vnd gestympt

Nach der rechtten visiment
180 Durch fursten vnnd auch ander gent,

Von golde, silbervarb vnd gestein
Verwapent adenlich vnd reyn:
Der schar daucht ich mich 1 gemeyt.

Nu will ich sagen vnderscheyt
185 Der wappen ein teyll, ob ich kann,

Wie cleydet was maniger stoltzer man.
Hundert tausent man do sach,
Als mir manig herolt das vergach,

Auff das mag sprechen ich,
190 Ains dem andern was nicht gleich.

Als do man schylt vnd helm verpant,
Vil manig tyer ich do bekant
Bede 2 tzam vnd dartzu wildt,

Auf pirg, gestreuß vnd auff geuildt 195 In sprungen, gengen ich sie vand

In spur, in pellen vnd in Rampand.
Ir was auch manges gepochen
In last vnd auch auff getzogen;

Ein teyl stunden in schonn in stagk, 200 Ains das stundt, etlichs das lach.

Zeltten, trabn, Esell vnnd maull;
Geturnet, gepfert, gerste vnd sewll;
Vnd manig schilt gewolkenyrt,
Vme geben vnd gestagnyrt,

1 micht hs.

2 Bedem hs.

203 Schilt kuchen vnd auch das roch.

Schilt in schilt sach man auch,
Vnnd manger schilt durch plencket
Swer ploß in pundt geschrencket 1

Vnd manig wappen das nicht wirt ertzelt,
210 Domyt gewappent was manig helt;

Also was beheym walt durch strewt,
Des sich manig hertz vnd mut erfrewet.
Die schar, die man da thut sehenn,

Als myr die herolt des verjehenn,
215 Do was grosser gewalt vnd vbermacht; 2

Wie sich das biß her hat gesacht,
Das will ich nu zu mall vertragenn
Und von der sach nichtz mer sagenn

Doch die rede, die ich denn fursten 3
220 Die soll damit haben ein ennde.

Die stuck verkundet offenbar
Do man tzalt viertzenhundert iar

Vnd zweyvndtzentzig iar da pey. i die letzten zeilen sind mir unklar 2 in der hs, steht macht in der folgenden zeile 3 die stelle ist wol verderbt; es scheint ein vers zu fehlen. auch am ende mangelt vielleicht einer Berlin, den 6 april 1880.

ERNST HENRICI.

NIBELUNGENHANDSCHRIFT U.

Durch die güte meines freundes Alfred Heinrich, gymnasiallehrers in Cilli, erhielt ich die möglichkeit, das folgende bruchstück einer neuen Nibelungenhandschrift zu veröffentlichen.

Das pergamentblatt befindet sich im besitze des herrn Ploner, kaufmanns in Innsbruck, der es zufällig in einem bilde, in welchem es als hinteres deckblatt verwendet war, auffand; es ist in klein-quart und stammt aus dem 13 jh. ursprünglich war es ein doppelblatt, wie der über den mittelbug, in welchem sich 5 löcher zur aufnahme des fadens befinden, hinausreichende teil des weggeschnittenen gegenblattes zeigt. an den vier ecken des blattes befinden sich löcher, die vom durchschlagen der nägel herrühren, wie sich aus den umgebenden rostflecken ergibt.

Auf jeder seite befinden sich 28 zeilen je einen langvers enthaltend, jede zeile beginnt mit einem grössern, rot durchstrichenen buchstaben; die strophenanfänge sind durch rote initialen, welche nach ausweis der ihnen vorgeschriebenen kleinen buchstaben später gemalt sind, gekennzeichnet. die schrift ist deutlich und regelmässig, nur die letzte zeile der ersten seite hat durch abschaben erheblicher gelitten; der text schliesst sich im ganzen enge an den von C an.

Ich lasse den diplomatisch genauen abdruck folgen.

Seite 1.

1212,31 zwiv sold ich minē vienden lan so michel gớt

ich weiz wol waz div vrowe mit dem schatze getøt 1213 vñ prehten si in hintz den hivnen ich wil geleben daz

er wrde doch zerteilet niht wan ûf minē haz
si habent ých niht d rosse die in solden tragen.

in wil behalten hagene daz sol man chrimhildē sagē 1214 do si vånam div mere do wart ir grime leit

ez wart ich den chungen allen drien geseit
si woldenz gʻne wenden do des niht geschach

Rudeg der edele dar zv herlich spoch
1215 vil richiv chvneginne zwiv chlaget ir daz golt

iv ist d chvnich etzel in d maze holt
gesehent ivch siniv igen er git iv also vil

daz irz zerteilet nimmer der ich iv aide swerē wil. 1216 do spoch div chvneginne vil edel Rvdeger

ez gewan nie chvneges tohter die richeit mer.
denne d mich hagene ane hat getan.

da chom d starche Gernot hin zů d chemenatē gegā 1217 mit gewalt des chvneges sluzel stiez er an die tør

golt daz chrimbilte ræichte er bffør.
ze driezech tỉsent marchen od dennoch paz

hiez er nemē die geste lip was Gynther daz 1218 do spoch võ pechlaren de Gotelinden man

ob ez min vrowe allez mohie han.
swaz sin ie wart gefvret vô nibelonge lant
sin gervret nim marche min noch d chvnegiñe hant

1 Holtzmann 1295. Bartsch 1272.

1219 Lat ez nemen vrowe (w ez gêne haben wil

ich praht vz minem lande des minen also vil

Seite it.

daz wir sin if d straze haben guten rat

vñ voser choste hinnē mit vollen hʻlichen stat 1220 da vor i aller-wile erfvllet wrden zwelf schrin

des aller pesten goldes daz i dwerlte mohte fin
heten noch ir maide daz fvrt man võ dan

mit der chvneginne daz and myste si da lan. 1221 gewalt des vbelen hagenen di dvhte fi zestarch

si het ir opfer goldes noch wol tỏsent march
daz teilte si ds sele irs vil liben man.

daz dvhte Rvdeger i vil grozen triwen getan. 1222 do sp'ch div vrowe chrimhilt wa nv frivnde min

die durch ellende ze hivnē wellen sin
vñ mit mir sulen rieten i etzelen lant

die nemẽ golt dau mine vũ choffen coff vũ ch gewät 1223 des antwrt ir schire ds marchrave ekkewart.

sit ich iwer gesinde ie võ erste wart.
so entw‘ich ich iv nie triwen sp'ch di chøne degen

vī wil iv imm dinē die wile wir bæide geleben. 1224 ich wil ých mit mir føren hvndert min man.

dich iv zedienste wol mit triwen gan.
wir sin vngeschæiden ez to denn de tot.

di rede neig im chrimhilt do irz d helt so wol erbot 1225 do zoch man die more si wolden varen dan.

do wart vil michel weinỹ võ vrivnden getan
vrow ởte div gåte vñ manich schone meit

die erzaigten daz in were nach d chvneginne læit 1226 hvndert schoner maide div vrowe mit ir nam

die wrdet fo gechlaidet. als in daz wol gezam. 1220, 4 über ft von myste ist ein querstrich 1221, 2 das o über v in tvsent ist mit roter farbe nachgetragen 1223, 4 geleben) ge aus be corr.

1224, 4 über neig ein kleines a, nach im zwei buchstaben, von denen der letzte gewis t war, wegradiert

Graz, am 4 august 1880. DR FERDINAND KHULL.

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