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JEROSCHINFRAGMENTE.

Im kreisarchive zu Amberg befinden sich 5 halbe, vor jahren von acten, in welche sie miteingebunden waren, losgetrennte pergamentbll., von denen zwei dermassen zerschnitten sind, dass nur mehr versreste gelesen werden können. ursprünglich befasste jede (quart-)seite zwei columnen zu 32 zeilen aus der Deutschordenschronik des NvJeroschin. auf der vorderseite des ersten blattes befinden sich v. 2092—2123 sowie die anfangsbuchstaben der vv. 2124-2153 (citiert nach Strehlkes ausgabe im 1 bande der Scriptores rerum Prussicarum), auf der rückseite v. 2186—2217. bl. 2 enthält vorn v. 10449—10478, rückwärts 10538-10569, das zerschnittene dritte bl. auf der vorderseite v. 22921-22950 ohne die anfänge der zeilen (auch die überschrift nach 22939 ist nicht vorhanden); die rückseite, auf welcher 23015—23046 standen, jedoch mit fehlenden versenden, ist völlig abgerieben. die vorderseite von bl. 4 bietet die vv. 25051—25078 und die anfangsbuchstaben von 25079–25110, die rückseite die schlüsse der vv. 25111225142 und die vollständigen zeilen 25143—25173. ähnlich wie das dritte bl. ist auch das fünfte zerschnitten; es ergänzt das vierte, indem es vorne die reste von 25079—25110, rückwärts die anfänge von 25111225142 enthält.

Im allgemeinen stimmen die bruchstücke, orthographische differenzen abgerechnet (wie yn statt in, her statt er, cit statt zit, vries statt vriez, irging statt irginc usw.), mit Strehlkes texte überein. nur folgende abweichungen wären zu bemerken: 2101 sam für als.

2215 nicht e yntet für nicht intet. 10562 Er sprach ist daz wir ab für er sprach: Ich råte, daz wir ab. die rote überschrift nach v. 25057 lautet: mit nån und zwencig brudren und mit gar vil volkis (brudren unde vil volkis Strehlke). 25158 vugir für vuer. 25159 vngehugir für ungehuer. 25165 blik für pflic.

HANS NIGG.

ZU SCHILLER UND KÖRNER.

Die königl. bibliothek zu Berlin hat kürzlich 224 originalbriefe Christian Gottfried Körners an Schiller von dem autographensammler herrn Künzel in Leipzig angekauft. wie nach der vorrede zum zweiten bande der Goedekeschen ausgabe des briefwechsels zu erwarten war, ist die nachlese aus der vergleichung des gedruckten textes mit den originalen nicht gerade von bedeutendem wert. dennoch wird ein neuer herausgeber an den originalen nicht vorübergehen dürfen. da nun leider, wie ich von herrn professor Goedeke erfahre, eine neue auflage des briefwechsels auf lange zeit hinaus nicht in aussicht steht, so will ich hier aus den originalen einige besserungen und nachträge für die besitzer der alten auflage verzeichnen und zugleich die aufmerksamkeit der forscher auf den erwähnten neuen wertvollen erwerb der königlichen bibliothek richten.

Manches hat Goedeke mit bedacht fortgelassen, und ich gebe ihm selbstverständlich zu dass zumal in Körners briefen nicht jedes wort an sich von bedeutung für uns ist. aber gerade für diesen briefwechsel scheint mir unbedingte vollständigkeit doch von wert; zumal die richtige auswahl nicht von vorn herein nach einem festen principe getroffen war, und Goedeke auch wider nichts weglassen wollte, was in der ersten auflage einmal gedruckt war.

auch sagt Fielitz (Archiv für litteraturgeschichte 127) mit recht dass die auslassungen im verhältnis zum umfange des buches und der masse des an sich unwichtigen, das naturgemäss doch darin steht, so verschwindend klein sind, dass um ibretwillen von dem ziele, die originale in allen einzelbeiten getreu herzustellen, nicht abgewichen werden sollte.

Was aber für einen künftigen herausgeber einer neuen auflage gilt, gilt nicht in gleicher weise für mich; hier kann es sich verständiger weise nicht darum handeln genau die ausgabe nach den originalen bis auf die kleinsten einzelheiten durchzucorrigieren und ausserbalb des zusammenhanges eine menge kleiner an sich unwichtiger sätze nachzutragen, sondern ich habe mich auf die verbesserung einiger fehler und auf die ausfüllung einiger Z. F. D. A. neue folge XIII.

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lücken zu beschränken, in denen das ausgefallene mir von wichtigkeit erscheint.

Als eine pflicht betrachte ich es, hier ausdrücklich hervorzuheben, wie bei der vergleichung der ausgaben mit den originalen, die leider Goedeke nicht vorlagen, die weit grössere genauigkeit der Goedekeschen ausgabe gegenüber der ersten auflage des briefwechsels deutlich zu tage tritt.

Im briefe vom 14 august 1785 lies am schluss: Bundes Gruss von meiner Frau und Schwägerinn (statt Beider Gruss).

im briefe vom 31 december 1786 ist ein wunderliches verschreiben Körners zu constatieren. er hat am schluss statt des eigenen namens in der unterschrift den namen des adressaten Schiller gesetzt. Goedeke vermutete, Schiller sei accusativ, und es sei zu lesen: Alles grüsst Schiller. dem widerspricht das original, das nach dem wort grüsst einen punct zeigt und nach einem absatz erst als unterschrift das wort Schiller aufweist. auch müste der accusativ nach Körnerscher Schreibweise Schillern heissen. – im briefe vom 2 januar 1787 lies: Ich bin sehr auf die Antwort von Ch. begierig (statt von G). Ch. ist natürlich auf Charlotte von Kalb zu deuten. im briefe vom 24 juli 1787 lies: dass die verdrüsslichsten Besuche gemacht sind (statt verdriesslichen).

Aus dem jahr 1788 bemerke ich zunächst dass der bei Goedeke vom 4 juni datierte brief, wie Goedeke bereits in den berichtigungen nachgetragen hat, vom 4 januar datiert werden

nach Körners abkürzungen kann jan. und jun. sehr leicht verwechselt werden. hier aber zeigt das original deutlich Jan. auch treten als beweis für diese datierung die schlussworte des briefes vom 17 juni hinzu, die bei Goedeke fortgelassen sind: Meinen letzten Brief mit dem Journalplan hast Du doch erhalten? diese worte zeigen dass diesem briefe Körners brief vom 3 juni unmittelbar vorangegangen war.

im briefe vom 13 januar 1788 lies: aus würklicher Kleimuth (statt wirklichem). im briefe vom 2 may 1788 ist der absatz, welcher beginnt: Deinen Entschluss wegen Götz usw. vor den bei Goedeke voranstehenden absatz zu stellen. unter den gevattern der Emma Körner lese ich: der alte Wagner (statt die alte). im briefe vom 31 october 1788 lies: die Aussöhnung des Menelaos (statt die Aufführung) und in dem nachtrag vom 2 november lies:

muss.

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es

ohne natürlich zu seyn (statt unnatürlich).

im briefe vom 19 december 1788 ist im original das datum verschrieben. steht da von Körners hand: 19 Sept. erst von fremder hand ist mit roter tinte December darüber geschrieben.

Im briefe vom 30 januar 1789 lies: der Zusammenhang mit dem Folgenden immer schwer werden (statt schwerer). — im briefe vom 19 febr. 1789 lies: bis zur Karrikatur bloss (statt blass) und: Henke (statt Hanke). am schluss ist vor der grufsformel ein absatz fortgefallen, aus dem ich wenigstens die erste hälfte bier nachtrage: Die göttingische Recension von den Niederlanden habe ich noch nicht bekommen können. Ich schreibe Dir gleich, sobald ich sie gelesen habe. — der brief, welcher bei Goedeke vom 14 april datiert ist, ist im original vom 12 datiert. das undatierte blatt, welches bei Goedeke dem briefe vom 24 oct. folgt, liegt im originale auch vor. die originale sind in späterer zeit mit roter tinte nummeriert. schon derjenige, welcher diese nummern geschrieben hat, hat das blatt fälschlich hier eingeschaltet (vgl. Archiv für litteraturgesch. iv 99).

Im briefe vom 28 may 1790 schalte vor den worten: Wir leben jetzt usw. folgende worte ein: Für Haber weiss ich keine Adresse als entweder unmittelbar nach Maynz, wie ich jetzt schreibe, oder an Herrn Geheimen Rath Johann Ludwig Willemer in Frankfurt.

Aus dem briefe vom 16 juni 1791 ist vieles ausgelassen. ich erwähne hier nur folgenden satz: Was sagst Du zu Wielands Peregrin? Der Schluss ist nicht so interessant als einiges von dem vorhergehenden.

In dem briefe vom 4 juni 1792 lies: Kunstpedanten (statt Kunstgedanken). zwei briefe aus diesem Jahre sind bei Goedeke ganz ausgelassen. ich schalte sie hier ein.

Dresden den 19 Okt. 92. In Eil ein Paar Worte über Mirabeau. Die Idee gefällt mir sehr. Vielleicht liefsen sich auch Anmerkungen dabey machen,

es verlangt würde. Willst Du vorläufig bei Deinen Bekannten unter den Buchhändlern darüber anfragen, so geschieht mir ein Gefalle. Die Mefs Catalogos von Ostern und Michael habe ich noch nicht, und das Buch selbst muss erst verschrieben werden. Hier ist jetzt ein Buchhändler Gesner, der zu der Zürcher Handlung gehört und viel Unternehmungsgeist hat. Mit diesem werde ich auch sprechen. Lebewohl, nächstens mehr. Viele Grüsse

Dein K.

i enn

mus.

Unter den genannten Buchhändlern kenne ich nur Crusius. Doch gilt es mir gleich, wenn sie nur bezahlen. Eben sehe ich im Oster Messkatalogus dass es nichts ist. Rochow, ein famoser Erzieher, hat es schon Ostern mit Anmerkungen übersetzt herausgegeben.

Dresden d. 4 Nov.-92. Nur ein Paar Zeilen heute über das Nothwendigste. Nächstens mehr. Pezold plagt mich um sein Manuscript über den Magnetis

Er hat keine Abschrift davon behalten und bittet Dich nebst vielen Grüssen es ihm baldigst wiederzuschicken.

Von Zerbst habe ich nun die 3000 Thlr. erhalten und diess ist alles. Weber schreibt mir im Vertrauen, Ayrer habe mir 12000 Thlr. vermacht gehabt, habe aber nachher mir nur die Interessen davon legiren und das Kapital der Handlung lassen wollen. Diess hat die Tante als ehrenrührig für mich nicht zugeben wollen. Dass ich also meine Reputation bey den alten Weibern in Zerbst erhalte, kostet mich eine hübsche jährliche Rente. Denn um sich aus der Affaire zu ziehen hat der Onkel das Legat ganz weggestrichen. Lebewohl und schreib bald. Viel Grüsse von uns allen und an Dich von M. u. D.

Dein Körner.
Liest Du denn wirklich ein Publicum? Und schadet Dirs nicht?

Im briefe vom 20 dec. 1793 ist nach den worten immer höher steigen folgender absatz ausgelassen : Ich schicke Dir von der Copie der verlangten Briefe so viel fertig geworden ist. Das übrige folgt nächstens. Bloss die Antworten auf meine Briefe und was nicht aesthetischen Inhalts ist, habe ich weggelassen. Vergiss nicht mir die Briefe an den P. A. zu schicken.

Im briefe vom 11 jan. 95 sind hinter den Worten: Auch Sachtrieb klingt hart folgende bemerkungen Körners fortgelassen:

S. 14b wäre nicht Härte besser als Rigidität.
S. 18b statt dynamischen vielleicht Macht der Empfindungen.
S. 20 für Genesis Entstehung.
S. 21 für Consummation Vollendung.

S. 27 (Fläche in Flachheit) für Fläche wünschte ich ein andres Wort etwa wie Deutlichkeit.

S. 27b Species kann auch wohl hier durch eine von beyden Arten gegeben werden.

Noch fällt mir ein, dass S. 18b bey dem was vom Nothwendigen und Zufälligen gesagt ist, vielleicht das Anwendung findet, was ich beym i1ten Brief bemerkt habe.

Im briefe vom 27 april 1795 sind die worte fortgefallen: Von Humbolden höre ich gar nichts mehr. Frage ihn doch, warum er mir gar nicht schreibt. Lebewohl.

V.

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