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entlassen, weil ihr kopfweh sich wider einstelle.' dieser empfindung vop kopfweh entspricht es, wenn Schelling als symptome beim metallfühlen angibt: ‘vermehrter puls, zusammenziehungen in der unteren stirngegend, erweiterungen der pupille usw. und wenn er berichtet dass ‘kohle sich ganz dem metall gleich stellt und hinzufügt: Amoretti habe sich, durch das gefühl eines gewissen Anfossi belehrt, ein stück landes erworben, das jener als von steinkohlen durchzogen erkannt habe, und es sei der bau desselben von ihm mit vorteil betrieben worden so stimmt dazu aufs beste der bericht des begleiters, der wie folgt lautet: ‘ich untersuchte die stelle, die Ottilie mir aus der ferne deutlich angegeben hatte. aber wie grofs war meine verwunderung, als ich eine sehr deutliche spur von steinkohlen entdeckte, die mich überzeugt, man würde bei einigem nachgraben vielleicht ein ergibiges lager in der tiefe finden.'

Noch einige andere übereinstimmungen in einzelheiten liessen sich aufweisen, aber das mitgeteilte scheint mir ausreichend, um jeden zweifel zu heben an der richtigkeit der hier vertretenen annahme, welche wider einmal einen interessanten einblick in die realistische, und wie man heute sagen würde, entschlossen moderne art Goethes gewährt. Berlin,

OTTO BRAHM.

NOCH EINMAL DER RHYTHMUS
VON PLACIDAS-EUSTATHIUS

(ZS. 23, 273 ff). Zarnckes auseinandersetzung (oben s. 96-98) hat mich nicht überzeugt. derselbe behauptet erstens dass im Placidasrhythmus str. 42, 2 ein blosser einschub sei, an dessen stelle nichts anderes gestanden habe, und wirst zweitens, um wider eine regelrechte füpfzeilige strophe zu gewinnen, 43, 1—4 als interpoliert hinaus. – allein es ist eine misliche sache, in einer handschrift, welche sonst von willkürlichen änderungen und zusätzen vollständig frei ist, mit einem male eine interpolation von ganzen 4 zeilen anzunehmen, weil dieselben für den zusammenhang nicht absolut unentbehrlich sind und in einer anderen handschrift fehlen. 1 wer so viel einsicht und sprachkenntnis besafs, diese an sich völlig tadellosen zeilen, noch dazu mit exacter beobachtung eines im rhythmus herschenden betonungsgesetzes (ábyssum), binzuzudichten, dem konnte unmöglich die völlig entstellende sinnlosigkeit von 42, 2 entgehen; er hätte dann auch hier interpoliert, etwa mit weglassung dieser zeile am schlusse der strophe eine neue hinzugefügt. denn wenn Zarncke jene 4 zeilen 'inhaltslose verse' in 'schwülstigem stile' und 'hergebrachte tiraden' nennt, so ist das subjectiv. die feierliche anrufung des höchsten, der die demütigen erhöht und die weinenden erhebt, scheint mir der feierlichkeit des momentes vor der unmittelbar bevorstehenden catastrophe durchaus angemessen und entspricht ganz der gleich darauf folgenden wunderbaren antwort vom himmel; schon Zs. 25, 28 deutete ich an dass 43, 4 deshalb nicht wol entbehrlich sei. nicht minder entbehrlich als diese zeilen würden jedesfalls 39, 4. 5 sein, auch rex angelorum und pater piissime in 42 könnte 2. als überflüssige floskeln bezeichnen. also an sich wahrscheinlich ist die interpolationsannahme eben nicht. was bleibt denn nun aber übrig, wenn man Zarnckes resp. Röthes athetesen annimmt? folgende strophe:

1 die auslassung der 4 zeilen in SG erklärt sich, wenn nicht durch äussere gründe, wie platzmangel, durch die natürliche anziehung, die exaudi auf exauditus es ausübte; vgl. Zs. 25, 28.

Adhuc te, rex angelorum, peto suppliciter :
tuum nomen quicumque per nos petierit,
exaudi preces eorum, pater piissime,
ut liberati a malis uiuant feliciter.

UOX resonauit de celo sic: 'exauditus es.' ich glaube dass jeder, der dies liest, die empfindung einer ganz ungewöhnlichen bärte haben wird, welche durch die coordination von peto und exaudi und die trennung dieses imperativs von peto durch einen relativsatz hervorgerufen wird; exaudi müste sich zum mindesten unmittelbar an peto anschliessen. Zudem ist die verbindung des singulars mit dem plural in demselben satze auffallend. man würde also die ersten 3 zeilen dahin zu ändern haben:

Adhuc te, rex angelorum, peto suppliciter:
exaudi preces eorum, pater piissime,

tuum nomen quicumque per nos petierint. diese unwahrscheinlichkeiten und unebenheiten würde man nun zwar zur not in den kauf nehmen, über folgende aber ist für mich wenigstens nicht hinwegzukommen. wie soll man sich denn die gänzlich unmotivierte widerholung von 41, 4 in 42, 2 erklären? Zarncke schweigt sich darüber aus. da sonst nichts derartiges in dem gedichte vorkommt, so wäre ein blosser zufall, der allein zur erklärung übrig bliebe, doch sehr wunderbar, wenn man auch mit dem zufall schliesslich alles möglich machen kann. nach meiner überzeugung hat 42, 2 ein vers gestanden, der den zu peto zu erwartenden abhängigen satz brachte, der ferner wie 41, 4 mit nemo oder ne anfieng und so die verwechselung herbeiführte dieselbe war um so leichter möglich, je ähnlicher 42, 2 ursprünglich auch sonst 41, 4 war. es ist nicht unmöglich dass nur ein wort, etwa das verbum, anders lautete. pur als eine vermutung, aber immerhin als eine nicht undenkbare, wage ich zb. für diuidere mit leichter änderung dispicere (= de

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spicere) vorzuschlagen, mit punct entweder binter dispicere (dann natürlich nemo und petierint) oder hinter petierit, wie ihn schon Dümmler setzte: 'möge niemand, der dich um unsertwillen angefleht hat, verächtlich auf unsere leichen berabblicken dürfen, weil sie ihm nicht geholfen.' doch dem sei, wie ihm wolle, irgend etwas ähnliches muss ursprünglich dagestanden haben.

Ferner bemerke ich dass herr stiftsbibliothekar Idtensohn 43, 5 von es statt est nichts erwähnt, dagegen ausdrücklich angibt, 44, 5 stehe “anstatt florent uirtutibus' in SG in multis florent uirtutibus. demnach fehlt semper in SG nicht, und auf den schutz, den mir Zarocke gegen mich selbst zu teil werden lässt, muss ich verzichten.

Zum Schluss möchte ich bei dieser gelegenheit noch darauf aufmerksam machen dass die einkleidung des ersten der Zs. 23, 264 ff abgedruckten rhythmen ins altertum zurückreicht, Riese Anthol. lat. I nr 160. Trarbach, februar 1882.

F. SEILER.

REIMPREDIGT.

1

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Die einzelnen gedichte der Wiener Genesis sind widerholt, von Scherer und Roediger, óreimpredigten' genannt worden und ich selbst habe diese bezeichnung Anz. vi 189 gegen Vogt verteidigt. jetzt bin ich in der lage, den ausdruck zu berichtigen, zugleich aber die behauptung ihrem wesentlichen inhalt nach zu stützen. das breviarium der römischen kirche schreibt für die zeit vom sonntag septuagesimae bis zum dienstag nach quadragesimae als gegenstand der lectiones die capitel 1 - 14 der Genesis vor. in derselben zeit, aber noch über dieselbe hinaus (a dominica in septuagesima usque ad feriam quintam in coena domini) wird das alleluia, welches das gradale schliesst, ersetzt durch laus tibi domine, rex aeternae gloriae. nun ist bekannt dass eine reihe geistlicher gedichte des 12 jhs. ihren eingang oder schluss dem officium entnehmen: so beginnen mit dem 'versus apertionis' domine labia mea aperies das Anegenge und die Vorauer sündenklage, mit in saecula saeculorum schliesst ausser diesen die Erinnerung Heinrichs von Melk. aber nirgends ist eine ähnliche beziehung auf dessen zeitliche modification vorhanden, wie die, welche der schluss des ersten gedichtes der Wiener Genesis entbält, Fundgruben il 23, 17: des choden wir al ze samine laus tibi domine. die Milstäter redaction (Diem. 21, 2) hat nu sprechet laus tibi domine beibehalten, die Vorauer hat es beseitigt. die dichtung entfernt sich eben mehr und mehr von ihrem kirch

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1 darauf und nicht auf eine predigt, wie ich QF xliv 69 f glaubte, bezieht sich das Anegenge 23, 52.

lichen ausgangspuncte. ursprünglich war es eine deutsche bearbeitung und erweiterung der kirchlichen lectionen über die geschichte Abrabams hinaus, mit dem jene schliessen. wenn ich nun die präcisere bezeichnung 'reimlection' für ‘reimpredigt vorschlage, so will ich den deutschen gedichten ebenso wenig wie den französischen ‘sermons rimés’ eine feste stellung im kirchlichen gottesdienst zuweisen.

Es ist möglich dass auch die übrigen gedichte wie das erste schlossen: eine abbreviierte randnotiz der ersten gesammths., die dies andeutete, mag von einem abschreiber übersehen worden sein. vielleicht sind diese schlusszeilen aber auch der zusatz eines vortragenden und beim ersten gedicht bloss durch zufall erhalten. Berlin im november 1881.

EDWARD SCHRÖDER.

ZU ZS. 25, 308 ff. Die aao. mitgeteilten fragmente gehören nicht der Weltchronik Rudolfs sondern der sogenannten Christherre-chronik an, wie umgekehrt das Zs. 22, 142 zum abdruck gebrachte bruchstück besser dem werke Rudolfs zuzusprechen war, vgl. Zs. f. d. phil. 12, 264. 9, 464. i 112. 113 der Mindener fragmente stimmen mit den von KSchröder in seinem aufsatze Zur Christherre-weltchronik (Germanistische studien 2, 168) unter ervinstern ausgehobenen versen überein, vgl. ferner zu dem reim diet: geriet 1 89 Schröder s. 165; zu kunneschaft 1 64 Schröder s. 169; zu ein : heim II 125 Schröder s. 182 v. 191 f. über die herkunft der Mindener fragmente kann ich noch folgendes beibringen. eine abschrift derselben befindet sich jetzt als ms. germ. qu. 970 auf der kgl. bibliothek zu Berlin, und zwar stammt dieselbe aus dem Grimmschen nachlass, den ich, soweit er auszüge und copien von hss. enthält, vor einigen Jahren behufs seiner aufstellung catalogisiert habe. die fragmente sind bezeichnet als 'abschrift des bruchstücks eines altdeutschen gedichtes von EFMooyer in Minden. ein pergamentblatt in folio (jetzt und richtiger zwei pergamentblätter in quart), welches einem am 10 october 1643 angefangenen güter- und einkünften-verzeichnisse des Paderbornschen klosters Abdinghof auf papier als umschlag diente, enthält das nachstehende bruchstück von einer hand des 13 jhs. geschrieben. auf jeder seite sind zwei spalten; die anfangsbuchstaben der absätze wechseln rot und blau mit einander ab; sämmtliche anfangsbuchstaben jeder zeile sind rot durchstrichen. das gedicht selbst möchte dem anfange des 13 jhs. angehören. Minden 11 jun. 1844.' – 1 116 liest die abschrift siniclichen, davor ist sund ausgestrichen; 11 110 clagendem; 115 clagendiz.

PHILIPP STRAUCH.

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DIE ZWERGENSAGE IM ORTNIT.

er

Der dichter des Ortnit hat den ihm überlieferten stoff der sage mit zahlreichen erfundenen zügen ausgeschmückt: darüber ist man einig. die eine gruppe dieser erfundenen details beruht in der nachbildung von zeitbegebenheiten; selten wird eine datierungshypothese so gut zum character des gedichts wie zu der wenn auch nur in den allgemeinsten umrissen schliessbaren individualität des dichters gepasst haben, wie die von Müllenhoff (Zs. 13, 185 ff) aufgestellte, welche den einfluss der begebenheiten des kreuzzuges vom Jahre 1217 und der heirat Friedrichs il vom jahre 1225 voraussetzt.

eine zweite gruppe aber schliesst sich an die einführung des zwerges Alberich in die epische entwicklung der sage, auch sie gehört nicht zum ursprünglichen inhalt des stoffes, sondern ist spielmannsmässige weiterbildung; sie ist in sehr entschiedener weise mit der haupthandlung in verbindung gebracht, steht aber auch in unmittelbarer beziehung zu jener ersten gruppe von erfindungen, so zwar, dass sie nur als notwendige folge derselben anzusehen ist.

Betrachten wir näher die rolle, die der zwerg zu spielen hat. Ortoit hat im einverständnis mit seinen getreuen die brautfahrt beschlossen, durch die er sich die eifrig gehütete tochter des heidenkönigs Machorel gewinnen will. aber die winde sind ungünstig, erst im kommenden mai soll die ausfahrt geschehen, daz wir mit vogelsange varn ûf den wilden se. die zwischenzeit gedenkt Ortnit durch einen ritt auf aventiure auszufüllen. gebens trachtet die mutter ihn von dem gedanken abzubringen, sie willigt endlich ein und gibt ihm einen ring, der ihm zu äventiure verhelfen werde. er solle ihn wol behüten und niemandem schenken. das gelobt Ortnit. mit dem ringe am finger findet er unter einer linde bei einer steinwand ein zwergenhaftes, einem kinde gleiches wesen, dessen übernatürliche kraft er aber zu seinem schaden erfahren muss. mit mühe ringt Ortnit besitzt zwölf männer stärke - den zwerg nieder. der gefangene verspricht eine herliche rüstung zur sühne, Ortnit verlangt aber überdies dass er ihm die königstochter erwerben helfe. Alberich so heisst der zwerg

erkundigt sich zuerst, ob die braut für Ortnit passe, und verspricht dann seinen beistand. nicht 2. F. D. A. neue folge XIV.

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