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ihn seinen zeitgenossen verächtlich zu machen (Archiv iv 309 f). nicht zuversichtlich also sondern tastend musten sich beide gegenübertreten: aber es bedurfte nur der persönlichen begegnung, um alles auszugleichen. die litterarische kluft schloss sich, als der mensch zum menschen sprach. Wieland ist gar lieb, ist eine brave seele schreibt Goethe; wir stecken immer zusammen (DjG I 121. 122); und Wieland fand ihn ganz nach seinem herzen, so unaussprechlich gross, wichtig und lieb (FHJacobis Auserl. briefw.1 228 f). auf diesem boden erwuchs die litterarische wechselwürkung, welche dem sånger der romantischen erzählungen wie dem dichter der Iphigenie gleich zu gute kam. als Wieland in den ersten tagen des jahres 1776 aus Goethes mund den Faust hörte, da durfte er stolz sich sagen dass auch er ein lehrer dieses grösseren schülers war; seinem singspiele Die wahl des Herkules hatte Faust sich manchfach angeglichen (vgl. die vorbemerkung zu Deutsche litteraturdenkmale 5). So ward gerade an den hervor

so ragendsten dichtungen Goethes sein jugendliches wort zur wahrheit, dass er neben Shakespeare als seinen echten lehrer Wieland erkenne. Würzburg

BERNHARD SEUFFERT.

DIE GRIMMELSHAUSEN EIN THÜRINGISCHES

ADELSGESCHLECHT. Vor kurzem publicierte ich in der Zeitschrift des Vereins für hessische geschichte und landeskunde n. f. 1x 389 ff (Kassel 1882) aus einem Gelnhäuser copialbuche des 16 jahrhunderts den kaufbrief, durch welchen der centgraf zu Reichenbach, Jorg Christoph von Grimmelshausen und seine frau Catharina 1571 ein haus in der reichsstadt Gelnhausen erwarben, und suchte darzutun dass in diesen beiden personen wol die grossältern des autors des Simplicissimus zu erblicken sein möchten. bekanntlich war in den Gelnhäuser archivalien der familienname des romandichters bisher weder vor noch nach seinen lebzeiten aufzufinden.

In den folgerungen, welche ich an den inhalt des kaufbriefs knüpfte, sagte ich aao. s. 393: "ob die bezeichnung von Grimmelshausen, welche sich der centgraf zu Reichenbach in dem kaufvertrage beilegt, auf adelichen stand hinweist oder nur den ort bezeichnet, aus dem Jorg Christoph oder seine familie stammten, lässt sich bei dem mangel sonstiger quellen nicht feststellen. ein

kleines dorf Grimmelshausen liegt im jetzigen berzogtum SachsenMeiningen in der nähe Themars. von einer dort vormals angesessenen adelsfamilie, welche den namen des dorfes geführt hätte, ist nichts bekannt.'

Die behauptung dieses meines letzten satzes muss ich jetzt für eine irrige erklären. denn schon in dem 1796 bei Joli. Gottfr. Hanisch zu Hildburghausen erschienenen werke von Johann Adolph vSchultes: Historisch-statistische beschreibung des herzogl. sächss. gemeinschaftlichen amtes Themar findet sich der urkundliche nachweis für die existenz eines adelichen geschlechts von Grimmelshausen in dem gleichnamigen, mittelalterlich Grymaltshusen genannten dorfe. nr x der beilagen (s. 116 f) enthält eine 1327 ausgestellte lateinische urkunde eines sprossen dieser familie, die GBrückner 1866 im Hennebergischen urkundenbuche v (1 supplementband) nr cxvil in berichtigter lesart nach dem im Meininger archive vorhandenen original von neuem abdruckte. darin verkauft am 2 januar 1327 Heynricus dictus de Grymaltshusen armiger mit zustimmung seiner frau Adelheid und ihrer beiderseitigen erben die fischerei in der Werra nebst allen seinen sonstigen gütern in villa et rure Grymaltshusen dem propste Sigfrid und dem prämonstratenserkloster Vefsra um 40 pfund heller. da Heinrich, wie er in der urkunde erklärt, kein eigenes siegel führt, besiegelt diese der graf Poppo von Henneberg, der auch obenan in der zeugenreihe steht. die bezeichnung armiger, knappe, lässt erkennen dass Heinrich, obwol adelicher abkunft, doch die ritterwürde nicht erlangt batte.

Die familie Grimmelshausen wird nachher urkundlich bei Schultes nicht mehr genannt; nach seiner ansicht (s. 28) gehörte sie zu denjenigen geschlechtern, welche im 15 oder 16 jh. ausstarben. GBrückner, Landeskunde des herzogtums Meiningen, ebendaselbst 1853, 11 260 gibt ohne weitere bezeichnung seiner quelle an dass das geschlecht von 1177-1417 vorkomme. die vermutung liegt nun sehr nahe dass mitglieder der schon früh güterlos gewordenen familie über die Rhön nach dem Vogelsberge hin auswanderten und der isenburgische centgraf zu Reichenbach, das etwa 14 meilen von Grimmelshausen entfernt ist, ein abkömmling derselben war. die versicherung des commentators der gesammtausgabe von 1713 (1 10; AvKeller, Simplicissimus 1 36), wonach der adel erst Hans Jacob Christoffel von Grimmelhausen wegen seiner verdienste verliehen worden sei, verliert somit immer mehr an wahrscheinlichkeit. Kassel, märz 1882.

ALBERT DUNCKER.

HANS WURSTS HOCHZEIT.

Goethe erzählt uns den plan, welcher ihn bei seinein mikrokosmischen drama' leitete, in Dichtung und wahrheit; das eigentliche interesse des stückes bestand darin 'dass das sämmtliche personal des schauspiels aus lauter deutsch-herkömmlichen schimpf- und ekel-namen' zusammengesetzt wurde, 'wodurch der character der einzelnen sogleich ausgesprochen und das verhältnis zu einander gegeben war.'

Man sieht dass es nach den bisher veröffentlichten teilen des werkes unmöglich ist, sich eine genaue vorstellung davon zu machen, und die proben des personenverzeichnisses an mehreren stellen des Deutschen wörterbuchs sind geradezu darnach angetan, misverständnisse hervorzurufen. ich wage es daher im folgenden dieses noch ungedruckte werk Goethes zu veröffentlichen, denn es wird gewis als genialer scherz aufgefasst werden, welcher bei der guten gesellschaft und dem 'anständigen familienkreise' keinen anstoss erregen kann. ich nahm von der handschrift 1, welche in der Hirzelschen sammlung der Leipziger universitätsbibliothek aufbewahrt ist (Neuestes verz. s. 233), eigenhändige abschrift und danke der zuvorkommenden liebenswürdigkeit Wilhelm Arndts eine copie von seiner hand; differenzen finden sich keine.

Über die quelle, welcher Goethe nach seinem eigenen geständnisse folgte, hat Reinhold Köhler (Zs. 20, 119) gehandelt, dazu vgl. man den nachtrag von Erich Schmidt Zs. 25, 241. über Kilian Brustfleck vgl. Max Posner und Erich Schmidt bei Scherer Aus Goethes frühzeit s. 122 ff, Otto Hartwig, Schnorrs Archiv für litteraturgeschichte x 441 ff, ESchmidt Anz. viji 168, LGeiger und RKöhler, Goethe-jahrbuch III 360 f. die personen sind natürlich erst durch Goethe auf die stattliche zahl von mehr als 113 gebracht worden. viele der schimpfwörter liessen sich aus Fischart belegen, ein neuer beweis, wie eingehend sich Goethe in jener zeit mit den älteren deutschen dichtern beschäftigte.

1 wie mir freiherr von Maltzahn mitteilte, waren früher in Weimar mehrere solche copien des originales von verschiedenen händen im umlauf. die Hirzelsche wurde unten buchstabengetreu mit allen ihren zwischenbemerkungen abgedruckt.

4

}

4

(S. 1]

Hanswurfts Hochzeit

Personen. Hanswurst, Bräutigam.

Fratz, Reise - Marschall.
Ursel Blandine, Braut.

Hans Hasenfuss.
Ursel mit dem kalten Loch, Tante. Schindluder.
Kilian Brustfleck, Vormund Hans Saufaus.
Wursts.

Vollzapf. 5 Hans Arsch von Rippach. Dr. Saft. Hans Ärschchen von Rippach, Faullenz.

empfindsam. Schlucker. Matzfotz von Dresden.

Hungerdarm. Tolpel von Passau.

Schlüffel. Reckärschchen

Schlingel.

Nichten. 10 Schnückfötzchen

Flegel. Herr Urian, Kuppler.

Fladen, Candidat. Meister Hämmerlein.

Mag. Sausack, pastor loci. Loch König

Stinkwitz, Cammerjunker. Winde Hals.

Hans Dampf, Haushofmeister. 15 Jungfer Klunke, Putzmacherin.' Jgfr. Flöhhot. Maulaff.

Hanslümmel, Hausknecht. . Peter Sauschwanz.

Bieresel, Kellerknecht. Scheissmatz.

Mlle. Firlefanz. (S. 3] Lauszippel.

Hosenscheisser

Pathen der Braut. 20 Grindschiepel.

Leckarsch
Rotzlöffel

Rauch Else.
Gelbschnabel
Pagen.

Runkunkel. Alt.
Schwanz, Kammerdiener. (S. 2] Spritzbüchse.
Hundsfutt, wird extemporisirt, Lapparsch, Original.
auch Gastrolle.

Nimmersatt. 25 Claus Narr, Vetter.

Carl Behagel. Simplicissimus, kommt von der Dr. Bonefurtz.

Reise um die Welt. Anne Flaus, Maulaffens LiebHans Tap ins Mus. Stammhalter. Haareule.

[schaft. Quirinus Schweinigel, bel esprit. Herr Bumbam. 30 Thoms Stinkloch. Nichts Ge- Blaufinke, Pritschmeister. ringes.

Eulenspiegel. Jungfer Rabenas.

Fozzenhut. Blackscheisser, Poet.

Dreckfinke.

5

سر

Saumagen.

Grobian. Faselbans.

Steffen Rundhut. ) Kropflieschen.

Matzpumpes, genannt Kuhfladen, Piphan

Junker. (S. 4]
NB.
Margretlin

Staches.

80 Schnudelbutz.

Schlingschlengschlodi, kommt Farzpeter.

von Academieen. · Hundejunge.

Heularsch. Schwernother, Projectenmacher. Flenn Els.

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Ferner waren noch auf einem besondern Blättchen mehrere Namen mit Bleistift aufgezeichnet, von denen mir folgende deutlich waren: Matztasche.

Hans Schiss. Marzebille.

Peter Lockaus.

100 Genserich, Cammerjunker. Lausewenzel. Dummerich.

Kläms Toffel, klämsen Laberig. 1 Lumpenhund.

Runks. Lappsack.

Saurangen. Schlottich.

Nonnenfürze. (S. 5]

105 Riepel.

Muspretchen. Matz von Weimar.

Galgenschwengel. Schindknochen.

Sau Strick. Vetter Michel, guter Gesell,

Voll Sack. schafter, aber hundedumm. Bruder Liederlich.

110 Jgfr. Arschloch.

Hans Kafsper. Schnips.

Hemdelemper. Langhans.

Schweinhatz.

113 Grosshans.

Die vergleichung des vorstehenden personenverzeichnisses mit den angaben in Dichtung und wahrheit ergibt seine unvollständigkeit, weder Vetter Schuft, noch Herr Schurke werden aufgeführt; auch Macklot fehlt.

Im Jungen Goethe hat Hirzel III s. 494 ff auch nicht alle erhaltenen fragmente abdrucken lassen. nach dem s. 499 gedruckten texte steht in Hirzels hs. folgendes :

1 vielleicht sind damit zwei personen gemeint, Kläms Töffel und Klämsen Laberig. ein Hans Laber ist bei Grimm nachgewiesen.

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