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übersetzte redaction von 1001 nacht eingefügt (Pforzheim 1841, IV 502 ff).

Vom wiedehopf erzählen die orientalischen dichter dass ihm Salomo als ehrenlohn für seine kunde von Balqis seine bunte federkrone verliehen habe (Azeddin Elmocadessi Les oiseaux et les fleurs, publ. et trad. par Garcin, Paris 1821, s. 96).

In sämmtlichen arabisch- persischen fassungen der sage erkennt Salomo das geschlecht der kinder an der art, wie sie die hände oder, was anschaulicher ist, das gesicht waschen. über den ursprünglichen sinn des bei Baidawi und Husein von den frauen beobachteten brauches gibt eine Talmudstelle aufklärung, die bei Kohut in seiner abhandlung über jüdische angelologie und dämonologie (Abh. der DMG iv 16, Leipzig 1866) zu lesen ist: 'bedient man sich des ols zum salben, so nebme man dasselbe aus der hohlen hand, nicht aus dem gefässe; denn die dämonenbeschwörer besprechen nur das öl im gefässe, nicht aber auch das in der hand.' die hand als gefäss benutzt hat eine von zauber reinigende kraft. die knaben begnügen sich mit dem einmaligen umgiessen; die mädchen dagegen suchen, bevor sie das Wasser ins gesicht bringen, die reinigende würkung durch zweimaliges umgiessen zu steigern.

Es lässt sich nicht verkennen dass in dem sagenbild, wie es uns in dieser orientalischen tradition entgegentritt, züge des semitischen mythus auf die biblische königin übergegangen sind. am häufigsten kehrt in den verschiedenen darstellungen die angabe wider dass die beine der Balqis – ursprünglich würklich, später nur angeblich - tierisches aussehen haben; bei Ta'alebi wird dies ausdrücklich als ein merkmal ihrer dämonischen abkunft bezeichnet. die starke behaarung hat Balqis mit Lilith gemein, einer zum mörderischen buhlgespenst herabgesunkenen altsemitischen liebesgöttin. die schon bei Ta alebi 1 erwähnten eselsfüsse erinnern an die arabischen ghủl, jene in den märchen so oft genannten leichenzerfleischenden walddämonen, zu denen wider Lilith gerechnet wird. auch dass ihr grab in Tadmor gefunden wird, ist bedeutsam: denn Tadmor ist der aufenthalt der Lilith. andere arabische sagen hinwiderum preisen Balqis als kriegsheldin und anlegerin von wunderbauten, was schon

1 auch bei dem Korankommentator Dschelaleddin al Mahalli, um 1400 (Alcorani textus universalis auctore Marraccio, Patavii 1698, s. 513).

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Movers bestimmt hat, sie mit der fabelhaften herscherin des alten Assyriens, mit der kriegerischen buhlerin Semiramis', zu identificieren (Die Phönizier 11 3, 293. i 455). wie Balqis einem menschlichen Vater und einer dämonischen mutter, so entstammt auch Semiramis dem liebesbund eines schönen Syrers mit der wassergöttin Derketo. diese mythischen grundlagen der sage hat Rösch in seiner oben angeführten studie erörtert.

Mit Semiramis bringt denn auch Rösch (aao. 553) das verkleiden der kinder in beziehung. hatte doch nach Diodor (2, 6) Semiramis die medisch-persische tracht erfunden, welche so eingerichtet war dass man nicht erkennen konnte, ob die damit bekleidete person ein mann oder ein weib sei (Movers 1 635). nach Ta'alebi, Baidawi und Husein sind die kinder nicht gleich gekleidet, sondern die knaben tragen weibliche, die mädchen männliche tracht. auch dieser kleidertausch weist auf bekannte cultusgebräuche im dienste androgyner gottheiten, zu denen Semiramis gehört (Movers i 456).

Zur vervollständigung der analogie hätte Rösch das aufheben des kleides 1 mit aphrodisischen gebärden in zusammenhang

1 der sagenzug ist bekanntlich weit verbreitet. dass die teuschung durch einen krystallenen fussboden bewürkt wird, widerholt sich jedoch nur in einer einzigen stelle, im Mahâbhårata (Lassen Indische altertumsk., Bonn 1847, 1 676 n. 3): mitten in der halle des Judhishthira ist ein krystallener mit lotosblumen von edelstein bedeckter estrich; den hält Durjódhana für einen wasserteich und zieht seine kleider in die höhe; nachher hält er einen würklichen teich für einen künstlichen und fällt ins wasser.

diese jedesfalls späte possenhafte geschichte mag mit der jüdisch-arabischen verwandten ursprungs sein. in dem hindustanischen sammelwerk Prem-Sagår ist bereits zauber mit im spiel: da wurde dem palast durch seinen erbauer May (Maja) die eigenschaft verliehen, dass die auf dem trockenen giengen im wasser zu waten meinten und umgekehrt wasser für land hielten (Garcin de Tassy Hist. de la litt. Hindoui et Hindoustani, Par. 1847, il 174). alle übrigen sagen, wo dieser zug widerkehrt, haben es nur mit zauberkünsten zu tun. so die sage vom sicilischen zauberer Heliodor, den der hl. Leo von Catania (um 600) mit der stola band und verbrennen liess.

von ihm wird in der aus dem griechischen übersetzten, angeblich gleichzeitigen legende des heiligen erzählt: Cum obviae aliquando factae essent mulieres, astantibus impuris sodalibus ait: Quid si, amici, facio ut denudentur istae in oculis omnium? Atque illico nefariam artem adhibens, quasi fluvium praeterlabentem earum sensibus ostendit, ita ut velut aquam ingressurae tunicas genu tenus attollerent (AA SS Bolland. febr. III 224"). hier ist natürlich die möglichkeit einer einwürkung der Balqissage nicht ab

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zustreiten ; aber bei dem allverbreiteten glauben, dass zauberer sinnesteuschungen beliebiger art bewürken können, ist die annahme einer selbständigen erfindung nicht minder wahrscheinlich. dasselbe gilt von allen den europäischen sagen, in welchen ähnliches erzählt wird, wie im französischen roman von Valentin und Orson (Hist. des deux nobles et vaillans chevaliers Valentin et Orson, Paris 0. j.), auf den schon Walter Scott (Minstrelsy of the scottish border 1113 163) hingewiesen hat, ohne das capitel anzugeben. es ist das 30ste. da werden die beiden zauberer Adramain und der zwerg Pacolet aufgefordert, eine gesellschaft mit ihren künsten zu unterhalten. sofort lässt Adramain einen breiten schrecklichen strom voll grosser und kleiner fische daherfliessen, sodass alle die kleider aufheben und schreien, als ob sie am ertrinken wären. dann singt Pacolet ein zauberlied, und alsbald sprengt durch das wasser ein grosser hirsch und hinter ihm jäger mit windhunden und bracken, sodass viele aus der gesellschaft aufspringen, um den hirsch abzufangen.

diese stelle ist in das alte Faustbuch übergegangen, aber nicht in die ursprüngliche ausgabe von 1587, sondern in die noch im selben jahre erschienene überarbeitung, welche Zarncke in der bibliographie der Faustbücher (Neudrucke aus dem 16 und 17 jh, nr 7 p. XII) mit C bezeichnet, abgedruckt in Scheibles Kloster (vni 1022. vgl. Liebrecht Orient und occid. 1 131). durch das blendwerk einer überschwemmung bannt Virgilius im volksbuch den sultan von Babylon, während er mit dessen tochter auf seiner luftbrücke entflieht (Comparetti Virgil im ma., deutsch von Dütschke, Leipzig 1875, s. 311; Thoms Early english prose romances 112 48). allbekannt in Deutschland ist die volkssage, wie ein gaukler einen strohhalm, der den zuschauern als ein grosser balken oder wiesbaum erscheint, entweder selbst auf der nase balanciert oder von einem hahn bald am fusse umherziehen; bald im schnabel oder bürzel umherschwenken lässt, von einem mädchen aber, das in seiner kopfbürde ein allen zauber zerstörendes vierblättriges kleeblatt trägt, entlarvt wird und darauf an dem mädchen durch die vielbesprochene sinnesteuschung rache nimmt, so erzählt in Würtemberg (Baader Badische volkss. nr 278; Meier Schwäb. s. nr 281; Birlinger Volkstümliches i nr 563), in Baden (Mones Anz. 1835 sp. 408 nr 28), in Tirol (Alpenburg Alpensagen 11 330), im Hildesheimischen (Schambach-Müller Niedersächs. s. nr 190), am Niederrhein (Montanus Vorzeit der länder Cleve-Mark i 172); hier hält das mädchen wie die Heruler und die sieben Schwaben ein blühendes flachsfeld für wasser (vgl. KAM nr 149; 1113 232). in Böhmen erzählt man den schwank von Žitek, dem zauberkundigen hofnarren könig Wenzels iv (Wenzig Westslav. märchenschatz $. 160). in Schonen spiegelt der gaukler seinen zuschauern vor dass er durch ein pumprohr krieche (Eva Wigström Folkdigtning i Skåne, Kiöb. 1880, p. 165, s. Liebrecht Germ. xxvii 119; vgl. Gaster Germ. XXV_294). in ähnlicher weise bestrafte der durch seine magischen künste vielberühmte isländische pfarrer Eirikr Magnusson in der 2 hälfte des 17 jhs. zwei spottsüchtige bauerntöchter (KMaurer Isländ. volkss. 163). endlich sei noch erwähnt dass auch die schwedische waldfrau (skogsnufva) den leuten die sinne verwirrt, dass sie in tiefem morast zu waten meinen und die kleider aufschürzen (Mannhardt Baumkult. 129).

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bringen können, wie sie Herodot (2, 60) von den ägyptischen weibern beim festzug nach Bubastis berichtet. nach der tradition der rabbinen war rituelle entblöfsung auch mit dem dienste des moabitischen Baal Peor verbunden (Wünsche Der jerusalemische Talmud, Zürich 1880, s. 267).

Dass im lande der Semiramis selbst sich die sage von ihrer arabischen doppelgängerin localisiert hat, beweist der name eines hohen kalkhügels bei Birehjik am Euphrat, worauf noch trümmer eines tempels sichtbar sind, Tell Balqis (Ainsworth Travels and researches in Asia minor, Mesopotamia, Chaldea and Armenia, London 1842, 1 304). Rawlinson will ihren namen in keilschriften im nordöstlichen Arabien am persischen meerbusen gelesen haben (Ewald Gesch. des volkes Israel, Gött. 1866, II 389 apm. 2).

Nach Reinaud (Description des monumens muselmans du cabinet de m. le duc de Blacas, Paris 1828, i 164) ist noch heute die begegnung der Balqis mit Salomo einer der beliebtesten gegenstände künstlerischer darstellung im orient; man sieht sie allenthalben in den bilderbüchern, auf kästchen, tintengeschirren udgl. die abbildung eines gemäldes auf einer persischen schachtel gab Hammer-Purgstall in den Fundgruben des orients (Wien 1816, v 103): in einer offenen halle sitzt Salomo in persischer königstracht auf einem thron mit hoher rückwand, links (vom beschauer) Balqis auf einem polstersitz mit einem becher in der hand; hinter ihr erscheint der kopf einer zofe. vor ihr sitzt ein vogel mit weit geöffnetem schnabel, wahrscheinlich der bote hudhud. weiter links sitzt ein krieger mit einer guitarre über der schulter und einem becher in der hand; hinter diesem stehen gruppen von frauen und von tieren. auf der rechten seite des bildes sieht man auf niederem stubl den grossvezier Asaf, neben ihm einen hasen, hinter ihm persische bofleute, einen sitzenden engel, einen persischen krieger und drei dämonen. im vordergrunde nur mit dem oberleibe sichtbar gruppieren sich 7 nackte weiber mit perlenschnüren um den hals, die vertreterinnen des Salomonischen harems. von den rätselaufgaben ist nichts zu sehen, man müste denn in zwei rechts vom throne im hintergrund auftauchenden gleichgekleideten, anscheinend weiblichen gestalten, von denen eine die hohle hand hinhält, eine künstlerische abbreviatur des kinderrätsels erkennen wollen.

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In ihrem süda rabischen stammland

von dessen einstiger anmut und üppigkeit die griechischen schriftsteller märchenhafte schilderungen hinterlassen haben (s. Duncker Gesch. des altert. 1° 230 ff), von dem es noch im buche Chamis heisst: das land Saba war gleichsam ein diadem auf der stirne des weltalls (Weil Bibl. legenden 249) hat sich keine einheimische kunde von der sagenberühmten königin erhalten. aus den inschriften, welche in der hauptstadt Mariaba, dem heutigen dorfe Ma'reb, gefunden wurden, ersehen wir dass sich die könige dieser stadt könige von Saba 1 genannt haben (AvKremer Über die südarab. sage, Leipzig 1866, s. 27); aber von Balqis zeigt sich keine

· der name Saba, hebr. Scheba', ist ein kuschitisches (vorsemitisches) wort, unter allen semitischen sprachen nur im äthiopischen erhalten: Sabe' heisst mensch. die Sabäer nannten sich also die menschen schlechthin, eine naive exclusivität, die bei zahlreichen anderen völkern widerkehrt. eigentlich versteht es sich von selbst dass ein volk den menschennamen zunächst auf sich anwendet (vgl. JChrAdelung Älteste gesch. der Deutschen 154). das wort Lutu, das das ägyptische volk bezeichnete (hebr. in der völkertafel Ludim), heisst einfach menschen (Ebers Ägypten und die bücher Mose i 97). der Litauer nennt sich im gegensatz zum ausländer jmonus mensch (Pott Etymologische forschungen 112 2, 814). der zigeuner nennt sich Manusch, sanskr, manushja, oder Rôm mann (Pott Die Zigeuner i 35ff). dieselbe bedeutung haben die namen der Tschuktschen, tschekto, der Samojeden, nenetsch (Wolheim Nationallitt, sämmtlicher völker des orients i 488), der Tungusen, Boje und Donki (Peschel Völkerk., Leipzig 1874, s. 403), der Ainos (Humbert Japon illustré i 111), der Eskimo Innuit pl. von innuk mensch (FMüller Allg. ethnographie, Wien 1873, s. 73). die von den Russen so genannten Kaljuschen in Aljaska reden von sich selbst als den Thlinkit, menschen (Peschel 425); auch der name Kurilen bedeutet dasselbe (Egli Nom. geogr. 312). die Kenaivölker, an die Eskimo grenzend, nennen sich Thnaina, menschen (FMüller 217), die Athapasken Tinneh, menschen (aao. 218), die Mandan Numang-Kake, menschen (Pott Personennamen s. 681); Illinois heisst mann, ebenso der name der Delawaren Lunnapee (Pott aao. 6891). der eigentliche name der Arowacken im englischen Guyana ist Lukkunu, menschen (FMüller 234); die Chiriguanos, eine horde der Guarani am Orinoko, heissen sich Abas oder Ababas, menschen (Ausland 1867 8. 869), die Chiquitos in Bolivia naquiñoñes, menschen (Pott aao. 690). früher nannten sich auch die brasilianischen Indianer Cari, männer (Ausland 1867 s. 871). die den Namadialect redenden Hottentotten geben sich den ehrennamen Khoikhoin menschen der menschen, heissen sich aber auch einfach khoin, menschen (FMüller 73). wenn man Reinegg glauben darf, so bedeutet auch der name Hunnen, kalmückisch und nogai-tatarisch giʻun, nichts anderes als menschen (Allg. histor. topogr. beschreibung des Kaukasus, Gotha und SPetersburg 1796, 1 67).

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