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beiden dramatikern dieselbe ist, dass Meissners und Schillers zweck sich auf das genaueste decken.

Johann von Schwaben ist in den achtziger Jahren viel gespielt worden, auch in Mannheim; Schiller konnte das stück also, wie durch die lecture, so auch durch die darstellung leicht kennen lernen. dass er häufig genug, in jüngeren wie in älteren jahren,

, durch dichtungen geringerer güte in einzelheiten der erfindung beeinflusst wurde, ist bekannt; und unsere fortschreitende kenntnis dieser minderen litteratur dürfte noch manche solcher für die dichterpsychologie Schillers nicht unwichtigen beeinflussungen ans licht stellen. Berlin.

OTTO BRAHM.

KÖNIGSBERG, DER DICHTER DER KLAGE ÜBER DIE ERMORDUNG FRIEDRICHS

VON BRAUNSCHWEIG.

Durch lust sold ich eins morgens gan
an einen anger wol getan.
Da begenet mir in dem angir grone
ein wip, was ussirmassen schone.
Sie sprach: got gruss dich, Konigsberg,
ich muss dir clagen jammerwerg,

die uns armen sint getan.' So beginnt das gedicht bei Liliencron Volkslieder i 207. Königsberg wird der dichter auch v. 70. 108. 165 genannt; v. 72. 73. 121–124 und die haltung des ganzen geben ihn als einen herold zu erkennen, wie Liliencron richtig bemerkt hat. die person des dichters ist meines wissens bisher nicht nachgewiesen worden. die Aachener stadtrechnung aus den tagen der krönung könig Wenzels (1376 juli) enthält folgenden posten: Item Ků ininxberg, Goetkin ind Vleckestein mit allen ieren gesellen hiralden, der 40 wåren, 15 gulden 5212 mk.1 hier erscheint der herold Königsberg: gewis derselbe, der 24 jahre später jenes gedicht verfasste. man hat den dichter früher irrig für einen grafen

· Laurent Aachener stadtrechnungen s. 247, 8; Deutsche reichstagsacten i 170, 17.

von Solms aus der Königsberger linie gehalten ;1 diese linie starb bereits 1363 aus. ob der name Königsberg auf einen bestimmten, so benannten ort zurückzuführen ist, und auf welchen, ist nicht auszumachen. die herolde liebten derartige stolz klingende namen; so heisst es in der Klingenberger chronik herausgegeben von Henne s. 156 vom Frankfurter reichstag des jahres 1397 nach aufzählung der anwesenden: Diss herren und volk zalt und ergieng Michsenland der herolten küng.

1 Römer - Büchner im Archiv für Frankfurts gesch. und kunst, nene folge i 162. Darmstadt 29. 1. 83.

ARTHUR WYSS.

SARANTASMÊ.

Eine genügende erklärung für den sarantasmė benannten mittelalterlichen kleiderstoff ist bisher nicht gegeben worden. Wolframs deutungsversuch im Parzival 629, 17 (Ein meister hies Sárant, Nach dem Séres wart genant: Der was von Triande. In Secundillen lande Stet ein stat heizet Thasme, Diu ist græezer danne Ninivé Oder dan diu wite Acratón. Sârant durch prises lộn Eins pfelles gedåhte

Der heizet saranthasme) erkennt man leicht als gelehrte fabelei. ich halte sarantasme ebenso für ein griechisches wort wie samit. darin bestärkt mich die form exarentasmata in des Hugo Falcandus Historia Siciliae, aus welcher ich die stelle, welche die webereien des berühmten hôtel de Tiraz im sicilianischen königspalast zu Palermo schildert, unverkürzt hieher setze.

Nec vero nobiles illas palatio adhaerentes silentio praeteriri convenit officinas, ubi in fila variis distincta coloribus seruin vellera tenuantur, et sibi invicem multiplici texendi genere coaptantur. Hinc enim videas amita 1, dimitaque, et trimita minori peritia sumptuque perfici: echimita uberioris materiae copia condensari. Hic diarhodon igneo fulgore visum reverberat. Hic diapisti color subviridis intuentium oculis grato blanditur aspectu. Hic exarentasmata circulorum varietat ibus insignita ma

1 das von Schultz Höf. leben 2, 67 anm. 1 nicht verstandene d'ami. tuns der Chronik der Normannenherzoge ist vielleicht richtiger zu diesem griechischen wort als zu amictus zu stellen, wie ich Anz. viu 94 ver. mutet habe.

jorem quidem artificum industriam et materiae ubertatem desiderant, majori nihilominus pretio distrahenda. Multa quidem et alia videas ibi varii coloris ac diversi generis ornamenta, in quibus et sericis aurum intexitur, et multiformis picturae varietas gemmis interlucentibus illustratur (Muratori tom. 7 col. 256). exarentasma ist demnach ein mit bunten kreisen ornamentierter stoff. wie Edultos ein aus sechsfachem faden gefertigtes, so bedeutet étaραντισμός ein sechsfach gesprenkeltes gewebe, ραντισμός Zu ρανtiśw, gaivu. Hugos beschreibung und die versuchte griechische etymologie stimmen sehr wol zusammen. dass sarantasmé losgelost von drianthasme, richtiger triantasme erklärt worden ist, hat kein bedenken: drianthasme ist, wie auch Schultz Höfisches leben 1, 260 richtig bemerkt, identisch mit pallium triacontasimum, also ebenfalls aus dem griechischen herzuleiten = tplazovtá

τριακοντάonuos, pannus, qui triginta clavis exornatur (Du Cange 6, 661"); leicht mag sarantasmė statt des erwarteten sarantismė nach analogie von triantasmé, mit dem es zb. bei Veldeke En. 9309 reimt, geformt worden sein. die geographischen namen Triant (vgl. Mhd. wb. 3, 86) und Sarant scheinen demnach ganz dem gebiete der fabel anzugehören.

FRANZ LICHTENSTEIN.

ZU BRUDER BERTHOLD.

Das interesse, welches man in neuester zeit den lateinischen predigten Bertholds von Regensburg zuwendet, möge es entschuldigen, wenn ich auf einen in der biblioteca Colombina zu Sevilla sich findenden Rusticanus antiquus anfmerksam mache. er trägt die bibliotheksnummer 7. 6. 20. (pap. 15 jh. in fol.) und ist ein geschenk don Fernandos Colon, des sohnes des entdeckers von Amerika. die hs., so weit mir bekannt in Spanien ein unicum, enthält vorne nach dem inhaltsverzeichnis folgende notiz, die sich auch in einer Bertholdhs. des stiftes SPeter zu Salzburg findet und aus dieser von p. Jeiler in der Litt. rundschau 1881 nr 3 (vgl. KUnkel Berthold vRegensburg, 1882, s. 20 anm.) veröffentlicht wurde.

Istos sermones ea necessitate coactus sum notare, cum tamen invitissime hoc fecerim, quod cum predicarem eos in populo, quidam simplices clerici et religiosi non intelligentes, in quibus verbis et sententiis veritas penderet, voluerunt notare sibi illa que poterant capere et sic multa falsa notaverunt. Quod cum ego deprehendissem, timui ne, si talia populo predicarentur qualia ipsi notaverant, populus in errorem duceretur per falsitates illas, et hac necessitate coactus sum ipse notare quod predicavi, ut ad istorum sermonum exemplar alia falsa et inordinate notata corrigerentur. Nec est necesse ut alii litterati et periti eos conscribant, cum multo meliores sermones a magistris facti sint, qui sufficiant ad omnem edificationem et eruditionem fidei et morum, et ideo relinquant istos rudibus et simplicibus mei similibus et qui alta ac subtilia non possunt capere, quia nec in sententiis nec in dictamine aliquid pretendunt quod sit a litteratioribus appetendum vel curandum.

Das inhaltsverzeichnis zählt 58 sermones auf; im werke selbst sind aber deren 65 enthalten. bei der ersten predigt (für den ersten adventsonntag) findet sich die rote überschrift: Incipit Rusticanus antiquus. anfang: Hora est iam nos de somno surgere. Excitat apostolus dormientes. Dormientes sunt qui non circa vera bona sed fantastica occupantur.

die letzte predigt (24 sonntag nach pfingsten) rot: Quod homo bene facere debet dum sanus et iuvenis est. Filia mea modo defuncta est. Non cessavit apostolus orare ut dicit in epistola pro discipulis suis.

Darauf folgen noch drei predigten, die zum Rusticanus gehören und darin übergangen wurden:

1. Ingrediente domino in sanctam civitatem.
2. rot: Duodecimus sermo in dominica tercia post epiphaniam.

De antichristo. Ascendente Jhesu in naviculam . . . Navi

cula sancta ecclesia est. 3. rot: Fer. II. Tjor temporum ante nativitatem domini de Ave

Maria (am rande rot: Expositio Ave Maria). Ave gratia plena etc. Tam in epistola quam in evangelio gloriose virginis gloriosa multipliciter extollitur. Unde sicut angelus officiose, ita et nos affectuose eam salutare debemus.

Der name Bertholds fehlt. keine notiz deutet auf die provenienz der hs. hin; der schriftcharacter weist aber auf Deutschland. Sevilla 28. 1. 83.

P. HEINRICH DENIFLE 0. P.

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PREDIGTBRUCHSTÜCKE.

VI

Steinmeyer übersendet mir freundlichst seine abschrift eines pergamentblattes, 26 cm. lang, 20 cm. breit, 14 jhs., zweispaltig schön geschrieben, das in zwei genau an einander passende teile zerschnitten von Wilhelm Meyer auf der hof- und staatsbibliothek zu München kürzlich aus einer incunabel der alten churfürstlichen bibliothek losgelöst wurde. der folgende abdruck ist getreu nach der hs. veranstaltet (i :j, v:u, s zu s), auch die z für s sind belassen, abkürzungen dagegen, deren nur wenige und einfache vorkommen, aufgelöst. ergänzungen waren an mehreren stellen notwendig, wo durch schere oder löcher zeilenanfänge resp. -schlüsse weggefallen sind, sie wurden cursiv gedruckt. die interpunction habe ich hinzugefügt und dabei die überlieferung möglichst berücksichtigt.

Mehrere teils positive teils negative anzeichen alemannischen dialectes sind vorhanden ; es wird aber wol untunlich sein, das stück darauf hin einer bestimmten gegend zuzuweisen.

Wie es scheint, stammt das blatt aus dem anfange einer predigt de circumcisione domini. sie war sorgfältig disponiert: erst sechs gründe für Christi beschneidung, deren erster und zweiter jedoch durch zugesetzte vorschläge für geistige askese aus der ordnung gerückt werden. es folgen vier gründe dafür, dass die geistliche beschneidung von den zuhörern geübt werde, und dann gründliche, ausführliche besprechungen der einzelnen. die predigt muss ziemlichen umfang gehabt haben und gehört darnach schon, sowie durch ihre ganze anlage zu der kategorie späterer sermone des xm jhs.

Ich habe in dem mir zugänglichen deutschen gedruckten und ungedruckten material nichts verwandtes gefunden. auch ist es mir nicht gelungen, in meinen tabellen lateinischer predigten die quelle zu eruieren. ähnliches existiert genug. schon bei Hilarius De trinitate 9, 9 (Migne x 288), Maximus Taurinensis homil. 25 De baptismo Christi 7 (Migne Lvi 299 ff), Fulgentius im ersten der bei Migne Lxv 833 ff publicierten, früher ungedruckten, sermone ist der gedankengang im allgemeinen derselbe wie hier die bibel2. F. D. A. XXVJI. N. F. XV.

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