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dem menschen .N. (334) flaisch noch bain enbissest nimmer mer. amen. von den überaus zahlreichen fassungen dieses segens steht der verderbten unserigen keine näher als die Mones Anz. 6, 474 f. vgl. MSD 465.

Gebete und recepte verschiedenes umfanges folgen, sachlich bedeutungslos. 63 ff werden leiden und freuden Christi und Mariae zum teil in versen besprochen. wetterprophezeiungen schliessen sich an, losstage und einfluss von winden an verschiedenen wochentagen. 71ab steht der segen von bulwechs und bulwechsin, welchen JMWagner aao. gedruckt hat, zweimal in übereinstimmenden fassungen.

70cd unten am rande findet sich notiert: es sas salb und fra salb und unser her Jesus Crist sazzen baidiu uber ain tisch. da sprach fra salb: es ist hiut der trit tag, da slug mich das gesegnet und das ungenant und der tropf und der schlag. da dů crucz uber ertrich und strich umb dich und an dich, das half mich, das hilft ach

das weitere ist unleserlich. dazu vgl. Zs. 24, 69. 79.

Ein gebet folgt, das mit anrufung des heiligen grabes beginnt. 71 steht: Nafel und Natlin die gingen ain guten weg. sy gevieng. da gegent in zu der selben frist unser her Jesu Christ ... damit bricht es ab, obschon raum genug wäre. 71° folgt dann noch eine verteilung der passion auf die horen (vgl. Anz. vi 243 ff) und anweisung zu gebeten, 71° ein stück Cisiojanus. 50 sind die Freidankverse 109, 16-20 (salamander, adler, hering, scher) rot eingetragen. Wien, fastnacht 1883.

ANTON SCHÖNBACH.

EIN DIEBSSEGEN.

Ad fugitivum. peda inpeda. prepeda. conpeda. prepedias Inpedias. Conpedias Chvm wider in daz hvs da du bist gegangen uz daz heilige cruce bringe dich von sundert wider. daz heilige crvce bringe dich von nodert (sic) wider. daz heilige crvce bringe dich von wester wider. daz heilige crvce bringe dich von oster wider. daz heilige crvce wart von sand elenen fynden also mýstv mir werden fvnden vnd widerchomen nv chym wider min diep. oder min chneht od swaz mir verstoln si durh den sûzzen wech den der heilig crist gie do er daz crvce ane sah. Ich beswer erde vnd mere bi dem vater vnd bi dem svn vnt d(em) b(eiligen) g(eiste) daz si mir in bringen wider.

Dieser segen (dessen abkürzungen ich aufgelöst habe) befindet sich, von einer hand des 14 jhs. eingetragen, auf bl. 9b2 des clm. 373; dahinter folgen von anderen händen andere besegnungen in lateinischer sprache. die hs., welche aus zwei verschiedenen teilen (bl. 1-9 und 10—69) saecl. 13 besteht und mehrere medicinische schriften enthält, wird 69b oben bezeichnet als libs magri lacobi de frenis pariseñ arciū i medicie pfessor alme vniu‘sitat, oxonien (dies wort auf rasur) à 1439 alta die po festū lucie.

ST.

AHD. EIGENNAMEN.

Die folgenden eigennamen habe ich vor ungefähr 30 jahren aus dem Füssner codex der Regula SBenedicti abgeschrieben, den mir dr Ruland, oberbibliothekar in Würzburg, aus Augsburg mitbrachte, wo er sich in der bibliothek des domcapitels befand und noch befindet. er gehört dem 9 jh. an. das alter und die wichtig, keit der namen lässt ihren abdruck auch heute noch gerechtfertigt erscheinen.

1) letzte seite: Gundrun. Reginbold. Ratolt. Dominica. Goi. Ernebold. Reginbind. Perhtolt. Hemmo. Reginbardus.

2) in dem vorgebundenen jüngeren Martyrologium des Beda sind eine reihe namen verstorbener eingetragen: pertolfus. Dieterih. biltebalt. Erchinbertus. Attili monachus obiit. Albericus abbas. Chutrun (sic) sanctimonialis inclusa obiit. Helpericus m. & diac. e. Hilterat. Hiltebrand. Richina (n zweifelhaft). Witanlaic. 8. Hugebert. Altman abba obiit. Wizolfus. Altolfus. Richperlus. Rodburch o. Ratgoz abbas. Purchard' abbas. Irmingart. Reginbaldi episc. Frómundus pr. & n. Digna 8. Adalsunto. Richker mag. o.

Liupmannus ? ø. Adalfrith mulier obiit. Gisalpertus n. & pr. 9. Adelhard episc.*

[* von den unter 2) mitgeteilten namen führt einige an Sleichele Das bistum Augsburg iv 381.] München.

K. HOFMANN

WOLFRAMS SELBSTVERTEIDIGUNG,

PARZIVAL 114,5—116, 4.

Es ist bekannt dass der Parzival nicht als ein fertiges ganzes, sondern in Zeiträumen und stückweise herausgegeben wurde. Sprenger, welcher nachwies (Germ. xx 432 ff, nachtrag dazu Litteraturbl. mi sp. 97) dass Wirnt von Gravenberg ungefähr von der mitte seines Wigalois an die ersten sechs bücher des Parzival benützt hat und sie, wie die entlehnungen zeigen, alle zugleich muss erhalten haben, vermutele deshalb, besonders da mit dem sechsten buche ein gewisser abschluss der erzählung gegeben sei, dass buch 1—vi zusammen erschienen, das erste, was Wolfram von seiner dichtung publicierte. als bedeutsam dafür hob RLück in einer Hallenser dissertation Über die abfassungszeit des Parzival (1878) s. 14 noch hervor dass Wolfram zu ende des sechsten buches (337, 1 ff), nach dem bericht über das verbleiben der zuletzt versammelt gewesenen, einen rückblick hält auf die von ihm geschilderten edlen frauen in allen sechs büchern – wobei er seine leserinnen anredet, die diz mære (also buch 1-vı) geschriben sehen und dann (337, 23 ff) die fortsetzung der erzählung erst von dem willen eines anderen abhängig macht. bemerkt sei auch dass er darauf das siebente buch mit allgemeinen sentenzen, ganz ähnlich wie das erste, eröffnet. dem allen scheint nur eines zu widerstreben: der apologetische abschnitt 114, 5 bis 116, 4 zwischen dem zweiten und dritten buche. denn nach der meinung Lachmanns (s. 1x) und Haupts (Zs. xi 49. vgl. Belger MHaupt als academischer lehrer s. 279) wurde er hinzugefügt, 'als der eingang des dritten buches und der darin ausgesprochene tadel der weiber anstoss gegeben hatte.' weil sich nun zu ende des sechsten buches (337, 1 ff) nach Haupt schon eine bezugnahme auf jene einlage findet, muss mithin das dritte buch noch vor abschluss des sechsten in umlauf gewesen sein. dieser widerspruch ist Lück nicht entgangen, allein sein erklärungsversuch (s. 16), der dichter habe 'gewis kleinere partien, die vollständig waren, zb. einzelne bücher, seiner engeren umgebung mitgeteilt,' bleibt ein notbehelf.

Z. F. D. A. XXVII. N. F. XV.

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22

Die hypothese, um die es sich handelt, ist für die chronologie des Parzival von interesse. wenn GBötticher (Wolframlitteratur s. 44 anm.) die gemeinsam erfolgte publication der ersten sechs bücher wegen jenes abschnittes zwischen dem zweiten und dritten buche für jedesfalls falsch erklärt, so zeigt das nur, wie wenig er die umstände in betracht gezogen hat, die für dieselbe sprechen. 1 vielmehr drängt sich ihnen gegenüber die vermutung auf dass die von Lachmann und Haupt doch nur ganz beiläufig gegebene auffassung eben jenes zwischenstückes nicht stichhaltig ist. dasselbe ist auch sonst durch mancherlei persönliche und litterarische beziehungen des dichters wichtig. es sei uns daher erlaubt, die beiden fragen hier noch einmal zu erörtern: was enthalten die verse 114, 5 — 116, 4 und wann wurden sie abgefasst?

Kein zweifel im allgemeinen dass wir es mit einer verteidigungsrede Wolframs zu tun haben. wie schon gesagt, deutete Lachmann dieselbe auf den eingang des folgenden buches. Haupt aao. erinnerte dass es sich ausserdem auch noch um scheltlieder in ihr handele, die Wolfram gegen eine ungetreue gesungen habe. das letztere ist der fall (nur ob es eines oder mehrere lieder waren, steht nicht geschrieben); 2 von einer tendenz jedoch daneben auf das dritte buch werden wir absehen müssen. denn was Wolfram dort (116, 5 ff. 22 ff) von den frauen und der weltlust beider geschlechter sagt, wenn es ja einer misliebigen auslegung fähig war, ist doch an keine bestimmte adresse gerichtet, es konnte ihm also auch nicht als eine persönliche beleidigung angerechnet werden. eine solche aber und zwar nur eine solche kommt in dem uns vorliegenden abschnitte (114, 7 ft) zur sprache:

ich vriesche gerne ir freude breit.
wan einer bin ich unbereit

dienstlicher triuwe: i die untersuchung Sprengers ist Bötticher überhaupt unbekannt geblieben, sonst würde er auch nicht so zuversichtlich behaupten dass Wolfram sich keine andere art der publication habe angelegen sein lassen, als das vorlesen der einzelnen abschnitte des gedichtes gleich nach ihrer entstehung.'

2 dieselbe erklärung gibt auch Bartsch (Parzival? 11 1662): 'der dichter bezieht sich hier auf ein gedicht, worin er eine frau, der er gedient und die sich treulos erwiesen hatte, geschmäht, und das ihm tadel zugezogen hatte.' vgl. auch Scherer Geschichte der deutschen litteratur s. 174.

min zorn ist immer niuwe

gein ir, sît ich se an wanke sach. dass aber das erste verletzende wort (denn das hier stehende widerholt nur, was der verfasser aufrecht erhalten will) nicht im epos sondern im minnesange gefallen sei, lassen die nächsten zeilen erkennen (114, 12 ff):

ich bin Wolfram von Eschenbach
unt kan ein teil mit sange
unt bin ein habendiu 1 zange
minen zorn gein einem wibe:
diu hát mime libe
erboten solhe missetat,

ine han si hazzens keinen rät. das hier angedeutete scheltlied Wolframs ist uns unter den wenigen von ihm überlieferten liedern nicht erhalten. denn die strophe 5, 28 ff, von der wir nachher noch sprechen werden, erwähnt wol den bruch, ist aber nicht an die geliebte selbst, sondern an andere gerichtet.

Weshalb der sänger seine verteidigung dennoch im Parzival einschaltete, weshalb gerade an diesem puncte, nach dem zweiten buche, bleibe einstweilen dahingestellt.

Die situation ist nun folgende: wie wir aus den angeführten zeugnissen sahen, hatte Wolfram schlimme erfahrungen im minnedienste gemacht. die verweigerung dienstlicher triuwe (114,9) deutet auf ein vorangegangenes liebesverhältnis conventioneller art zu einer vornehmen dame. aber die umworbene war ihm untreu geworden, er hatte sie wankelmütig gefunden (114, 11: sit ich se an wanke sach) und ihr in einem scheltliede den abschied gegeben. indem er die geschichte erzählt, motiviert er ebenso sein betragen dabei. er sucht keinen ausgleich mit der geschmähten dame, aber er bedauert es (114, 19 f), durch sein auftreten auch die übrigen gegen sich eingenommen zu haben:

dar umb hân ich der andern haz.
owê war umbe tuont si daz? 2

1

>

zur construction vgl. MSD2 zu xxxiv 5, 10.

2 die frage ist besonders in der minnepoesie formelhaft. vgl. Morungen MF 143, 1. Reinmar MF 175, 24. Walther 112, 33. Neidhart 89, 17. Neifen 13, 8. Ulrich von Winterstetten AMS 1 161*. Walther von Klingen HMS 1 72". von Trostberg HMS 11 73o. Püller HMS 11 69'. Hadlaub HMS 11 278'.

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