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den dialect hin zu untersuchen. eine solche untersuchung werde ich demnächst in grösserem zusammenhang veröffentlichen, glaube aber derselben einen bescheidenen vorläufer voraussenden zu dürfen, wenn ich auf eine reihe bisher unbeachteter zusätze und änderungen Konrads gegenüber seiner quelle hinweise, die uns die entscheidung der heimatfrage wesentlich erleichtern.

Als einen solchen zusatz hat man schon früher (s. Roediger Anz. I 87 anm., Wald s. XII) die nachricht über den schmied Madelger von Regensburg 58, 14 ff hervorgehoben, nächstdem die häufige einfügung und sichtbare auszeichnung der Baiern (Wald s. iff). in der auffassung der erstern stelle wird man sich wol RvMuth Anz. v 226 anschliessen (vgl. Vogt zu Morolf 730), der darin eine anspielung auf die heldensage (Heime, Madelgers sohn, ist besitzer des berühmten schwertes Nagelrinc) erblickt. einen Madelger hat Müllenhoff in bairischen urkunden nicht aufgefunden, und auch meine nachsuche hat nichts gefruchtet. als weitere anspielungen auf die heldensage und zwar auf die in Baiern besonders heimische Kudrundichtung sind die ableitung Ogiers von Waten chunne (266, 19) und die einreihung eines Sigebant unter die christlichen helden (175, 1) zu nennen. bairische belege für diese namen gibt Müllenhoff Zs. 12, 317. ob schliesslich auch darin ein einfluss der heldensage steckt, dass gerade Tierris als Dierrich der starche 41, 16 an einer stelle erscheint, wo er sowie uone Beieren der herzoge (41, 14) nur eingeschaltet ist (vgl. Chanson de Roland v. 170 ff), das lasse ich dahingestellt.

Einen festeren boden gewinnen wir von der betrachtung jener zusätze aus, in denen die kämpfe der Baiern geschildert werden. die tat, um derentwillen Roland bei Konrad 38, 24 ff auf die Baiern eifersüchtig ist, hat Wald s. II wol mit recht in der zurückweisung des ausfalls der heiden aus Korderes 28, 11 ff durch Diepolt, Anseis, Otto, Gergers, Gotfrit, Ivo und Ingram gesehen, wobei Roland erst eingreift (29, 12 ff), nachdem die hauptarbeit getan ist. von jenen 7 helden kennt die Chanson de Roland 1 den Anseis (Ansgis) li fiers (v. 105. 796. 1281. 1556.

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i ich citiere nach der zweiten ausgabe von Theodor Müller, Göttingen 1878, die Venetianer hs. iv, deren text bekanntlich unserem gedicht verhältnismässig am nächsten steht, wo nötig nach Kölbings abdruck, Heilbronn 1877. bei aufsuchung der belege habe ich mich mehrfach des glossaire

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2188. 2408), den indessen erst Konrad 282, 23 zu einem Baiern macht, ferner Otun (daneben ein Otes, s. u.), Gergers, Gefreis, lvun; für den Ivories, der neben Ivun beständig erscheint (797. 2186. 2406), bei K. aber ganz fehlt, ist hier 28, 22 ein Ingram eingetreten: offenbar einer der träger der gelehrten bairischen stammsage (Boemunt und Ingram), die wir zuerst und auf lange zeit hinaus einzig in der zu Regensburg entstandenen Kaiserchronik (Diem. 10, 15 f) finden. dass der name in Baiern sonst nicht heimisch ist, bemerkt Riezler Geschichte Baierns i 48. an der spitze der kämpfer aber begegnet uns 28, 18 Diepolt der marchgrdve, ein ganz neuer name. denn die Chanson kennt nur einen Tedbalz de Reins (v. 173. 2433. 3058), aber ohne den titel marchis, und so treffen wir ibn auch 41, 21 als Diebalt von Remis (vgl. 261, 4). für den taufpathen des neu ein

. geführten Diepold (vielleicht verdient schon der unterschied in der namensform in P beachtung) sehe ich den markgrafen des nordgaus Diepold il von Cham und Vohburg 1 an. D. war ein reicher und mächtiger fürst, der ein halbes jahrhundert lang eine bemerkenswerte rolle in den oberdeutschen angelegenheiten gespielt hat Giesebrecht iv 217. anfangs entschieden staufisch gesinnt trat er 1128 mit der verlobung seines sohnes Diepolds in mit Mathilde, der dritten schwester Heinrichs des stolzen, zur partei Lothars über und erscheint fortan als Diepoldus marchio (= Diepolt der marchgrave) häufig im gefolge des königs (s. Bernhardi Lothar von Supplinburg s. 196. 221 f. 264. 508. 546. 566); noch öfter treffen wir ibn natürlich in urkunden seiner engern heimat, s. Ried Codex diplomaticus episcopatus Ratisbonensis i 176 (1116). 180 (1122). 188 (1129). 196 (1135). er starb im jahre 1146 (Riezler s. 875), und sein urenkel ist jener Diepold iv markgraf von Vohburg und Hohenburg, der feldherr Heinrichs vi und statthalter von Italien, der auch als minnesänger bekannt ist (vdHagen i 33 f. iv 68f).

Die frage, wie Konrad zur einfügung derartiger anspielungen kam, durch die er offenbar die person oder das geschlecht des betreffenden ehren wollte (der name Diepold ist bei den Vohburgern herkömmlich, s. Riezler 1 875), ist, glaube ich, leicht

in Gautiers édition classique bedient. eine vollständige liste der im frz. gedichte auftretenden pairs findet sich v. 2402 ff.

1 über das geschlecht s. Riezler Geschichte Baierns i 874 ff.

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zu beantworten. der übersetzer fand in seiner vorlage eine reihe von namen deutscher herkunft, die auch in seiner umgebung oft vorkamen: so Gualtiers, Girarz, Hermans, Gefreis, Otun, Henris, Berengers, Tierris, "ja Rollanz selbst (vgl. zb. Peringer, Dietrich, Rutlant de Lenginvelt Ried 1 200 aus d. j. 1136), und er sah darin eine aufmunterung, die zahl derartiger anspielungen noch zu vermehren. ja die quelle kam ihm mehrfach noch weiter entgegen: so fand er in ihr 795. 1304. 1581. 2405 einen Berengiers, der an der letztern stelle den zusatz li quens führt (nicht so Ven. 2565, aber li dux B. Ven. 734). Konrad führt ihn uns gleich 4, 21 als Peringer der gravel vor und begünstigt ihn ersichtlich; es stösst ihm auch zu dass er ihn 210, 28 wider auftreten lässt, nachdem er bereits 189, 8 gefallen ist. Seine zeitgenossen und landsleute mochten sich leicht an den grafen Berengar von Sulzbach (+ 3 dec. 1125) erinnert fühlen, einen der einflussreichsten räte kaiser Heinrichs v, der auch 1125 wider das einladungsschreiben zur wahl unterzeichnet, Bernhardi s. 8. noch im nov. 1125 ist er mit Lothar in Regensburg und bezeugt mit Diepold von Vohburg eine urkunde des neuen königs (Bernhardi s. 54). er erscheint ferner in frühern urkunden Regensburgs öfter neben Diepold einfach als Beringarius comes, so Ried 1 176 (v. j. 1116), Mon. Boica xxix 241 (1121). über sein geschlecht, das mächtigste des bairischen nordgaus nächst den Vohburgern, handelt Riezler 1 876.

268, 1 ff hat Konrad einer aufzählung der heerscharen ausser den Almannen (267, 12) und den Swaben (268, 5), welche aber keinen eigenen führer besitzen, die chủnen Rînfranken hinzugefügt (vgl. Chanson de R. 3044 ff) und an ihre spitze Otten den marcgraven 267, 33 gestellt (le marchis Otun 3058). diese zusammenstellung erinnert unwillkürlich an Otto von Rineck, den schwager Richinzas und somit oheim von Heinrichs des stolzen gemahlin Gertrud, der bei Lothar in hohem ansehen stand und nach Giesebrecht iv 93 im jahre 1133 die pfalzgrafschaft am Rheine erhielt (s. dagegen Bernhardi s. 522 anm. 29).

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1 in P, dem hier keine andere alte hs. zur seite steht, lesen wir freilich wernes der graue, aber die übereinstimmung des Karlmeinet 396, 7 und des Stricker 497 hat schon Bartsch Über Karlmeinet s. 89 veranlasst, hier den Beringer einzusetzen. ein Wernes oder Werner findet sich sonst nirgends.

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Einen Rabel, der im original 3014 unter dem gefolge Karls erscheint, gibt der deutsche dichter 265, 18 durch Rapoto wider. Rapoto ist besonders um jene zeit ein bairischer lieblingsname. es führen ihn gegen die mitte des jahrhunderts in Regensburger urkunden ein graf von Abenberg und ein graf von Ortenberg sowie zahlreiche angehörige des niedern adels und der geistlichkeit. das geschlecht der markgrafen von Cham, dessen erbschaft die Vohburger um 1100 antreten, ist durch zwei Rapotonen vertreten, s. Riezler 1 874 f. in einer zu Regensburg ausgestellten vertragsurkunde v. j. 1129 (Ried i 188) finden sich unter den zeugen zwei träger dieses namens, darunter ein Rapoto de Ritenburch, also aus dem geschlechte der Regensburger burggrafen.

In und um Regensburg lassen sich denn auch fast alle andern deutschen namen nachweisen, welche in das Rolandslied ganz neu eingefügt sind. 173, 27 kämpft ein Regenfrit von Tagespurc, 4, 28 ff Anshelm, ein helt chủne unde snel, von Môringen. die vornamen freilich trifft man in jener gegend und zeit nicht an, möglich dass der erste eine localpatriotische erfindung, der zweite jener Anselmus comes palatiï ist, den Einhard c. 9 unter den gefallenen der Roncevalschlacht nennt (vgl. auch Ch. de R. 3008 Antelme de Mayence). aber zu den ortsnamen (den einzigen deutschen des gedichtes ausser Regensburg !) stimmt trefflich eine urkunde vom j. 1130 bei Ried 1 191 und in den Quellen und erörterungen zur bairischen und deutschen geschichte i 174: Adelheid von Hohenburg schenkt dem stifte Obermünster zu Regensburg duos mansos Moringen 1 sitos, als zeugen dieser schenkung unterzeichnen sich ua. Hartlieb, Otto, Charl de Dachesberch. wie willkürlich man in älterer zeit mit dem -berc und -burc der ortsnamen umsprang, ist hinlänglich bekannt. der ort ist natürlich nicht das heutige Darsberg, wie der neueste herausgeber des diploms meint, sondern Dachsberg im bezirksamt Bogen.

Es bleiben noch eine reihe von namen übrig, die der dichter ohne nähere bestimmung einreiht und bei denen nur die bairische heimatsberechtigung hier nachgewiesen werden kann. für

1 in dem abdruck bei Ried steht Moeringen, die urkunde kann also ebenso wenig wie die nächstfolgende mit ihrem Laeutwin 'ex diplomatario coaevo' sein. ein Heinricus de Moringen im Berchtesgadener schenkungsbuch des 12 jhs. (Quellen u. erörterungen i 338).

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The Otnant 174, 27 gibt Förstemann i 174 nur drei belege: zwei da

von Mon. Boica xxix 1, 131 v. j. 1056 und Ried i 156 v. j. 1061 att betreffen einen Otnandus, der von kaiser Heinrich iv als 'serviens

noster bezeichnet wird und schenkungen in der nächsten um-
i gegend von Regensburg erhält. anreihen lässt sich ihnen ein

Otnant, der als vogt von SEmmeram 883 erscheint (Ried 1 63),
und aus des dichters zeit ein Otnant, de familia sancti Petri et
Georii zu Regensburg i. j. 1114 (zeuge bei Ried i 173).

Einen Ekkerich 116, 1. 189, 6 finde ich ausser Ried 1 23 stalas (822). 50 (865) als zeugen in einer traditionsurkunde von SEmColomeram aus der ersten hälfte des 12 jhs., Quellen und erörte

rungen 155 (einen andern in Berchtesgaden vor 1150 ebenda HD 1338).

Dem Witel 145, 27 könnte entsprechen ein Witilo de Anneno Be migdorf in einer urkunde bischof Hartwigs von Regensburg (1105 majd bis 1126), die der herausgeber Ried i 171 'circa annum 1107' jep ansetzt. vgl. Förstemann i 1280.

Pillunc 175, 1 und Hillunc 174, 5 finden sich zunächst in in ortsnamen jener gegend: Pillungesriut Ried 1 152 (1040) und he Dirt 214 (1145) und Hillungesriut Quellen und erörterungen i 164

in einer traditionsurkunde von Obermünster, die sich durch die
zeugen der zweiten hälfte des 12 jhs. zuweisen lässt. sonst ist

der zweite name (bei Förstemann 1 684 nur einmal als Hilling od deren belegt) nicht nachweisbar. bei Pillunc mag man sich erinnern

dass Heinrichs des stolzen mutter eine Billungerin war. aber
der name findet sich in Baiern noch öfter, so in älterer zeit
Ried i 10. 15. 18. 22. 23. 25. 33 (808—834), vgl. 151 (866),
im 12 jh. im schenkungsbuch von Obermünster Quellen und
erört. i 159.

Bei dem Hatte (oder Atto), den Konrad an die stelle des
Otes seiner quelle (V hat Astolfo) gesetzt hat und sichtbar be-
günstigt (116, 12. 171, 6 ff vgl. Ch. de R. 1297. 172, 18 ff.
175, 8 ff. 181, 21), möchte man gern ein vorbild vermuten, aber
weder in der zeitgeschichte noch in den urkunden habe ich einen
anhalt gefunden. erinnern darf man vielleicht an Hatto von
Mainz, von dem noch Otto von Freising vi 15 sagt: ... itaque
ut non solum in regum gestis invenitur, sed etiam ex vulgari
traditione in compitis et curiis hactenus auditur. den namen kenne
ich in Regensburg nur aus älterer zeit, so erscheint bei Ried 1 44

zu der

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