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Wer sofort Eines löset aus. diefen mindesten Geboten und so die Menschenlehret, wird ein Mindester genannt werden in dem Himmelreiche; wer aber vollzieht und lehret, dieser wird groß genannt werden in dem Himmelreich e 224.

Kaum daß der ewigen Wahrheit hohepriesterliche 225 Stimme verklungen, rüstet, von Liebe durchglüht und getrieben von Sehnsucht nach Anbetung und Gemeinschaft 226, die Braut das Opfer. Denn sogleich sieht sie ihren Gerechten, ihren Weisheitslehrer im Lichte jenes Gotteswortes sich sonnen, wie die Fürstin unter den Bäumen der Ebene, wie die fruchtherrliche majestätische Dattelpalme, welche ihren schlanken starken Stamm, einer Säule gleich, hoch, frei und gerade in die Lüfte hebt, ihr stolzes Blätterdiadem wie andachtsvoll gen Himmel breitet und mit hundertästigen Blüthentrauben und Centnern von Früchten sich schmückt; sieht ihn in der Kraft jenes Gotteswortes hochragen, wie die Königin des Gebirges, wie Libanons Ceder, die in mächtig treibender, aus der Wurzel sich verjüngender Kraft bis zu hohem Wipfel ihr Gezweige mit dem immergrünen Nadellaub ausweitet, riesenmäßig, schier unzerstörbar, alles überdauernd und die Lüfte rings mit ihres Harzes balsamischem Wohlgeruch würzend 227. Horch, wie von den Lippen der Gottesbraut that- und opferfertig die kurze Strophe fließt:

Der Gerechte, wie die Palme sprosset er, wächst wie die Ceder auf dem Libanon 228

Und schon hat sie im Fruchtbezirk dieser Palme, im Schutz und Schatten dieser Ceder mit ihren Kindern das Opferzelt aufgeschlagen, ringsum stehen weisheitsdurstig, heilsbegierig 229 ihre Söhne, die Abfolgen der gläubigen Geschlechter, in deren Arbeiten und Fortschritten der h. Lehrer sich gewissermaßen ,vervielfältigt, lebensvoll rasch vollzieht sie das geheimnißvolle geistbeherrschte Opfer, sie weiß, der Opferact des Herrn ist die ewige Himmelsblüthe aller göttlichen Weisheit und Kunst 230. Mit wahrster Ehre denn 231, mit Christus, ehrt sie Thomas, mit Christus dankt sie dem Vater für Thomas, sühnt und fleht mit ihm 232 um Sieg der Wahrheit und giebt in ihres

Heiligen: cherubische. Hände das Kleinod der Welterlösung, auf daß ers zu reicherem Segen dem Vater bringe.

Aber Christus ward Opfergabe aus Opfergeist, darum ist er als Opfergabe mit Einem auch Opferspeise, das lebendige Brot, das genossen sein und eingehen und sich umwandeln will in den Genießenden; die ewige Weisheit, höchst mittheilsam, weil lauterster Geist, bricht und bietet sich sogleich dar als unser gottmenschliches Lebensbrot und kredenzt sich als geistlichen Wonnewein in der Opfercommunion 238. Der Geopferte selbst demnach neigt sich als solcher in innigster Lebensvertraulichkeit zu seinen Weisheitsjüngern nieder, im Schleier des Opferbrotes giebt er ihnen täglich den Gotteskuß übernatürlicher Erleuchtung, Kräftigung und Ermuthigung zum Erfolg geistlichen Wachsthums und Wahrheitsfriedens 234.

Wenn aber das Wort Gottes in gnädiger Selbsthingabe wie des Thomas, so auch unser Geistesbrot geworden, sollte das Wort, das sich uns wesenhaft mitgetheilt, seine Gnadenhuld nicht krönen, indem es zu uns spricht, sich aussprechend über Thomas wie auch über uns in uns? Er, der da kommt vom Erbfeind Edom, den er durch Opfer überwand, in liebegerötheten Kleidern von Bosra, er, prangend im Gewande seiner auferstandenen heiligsten Menschheit, die mit den Trophäen seines Sieges, mit Purpur und den Malen der Wunden bezeichnet bleibt für ewig, und einherschreitend in der Fülle seiner Kraft, ist er nicht der, welcher Gerechtigkeit redet und heldenkräftig ist, um zu helfen 285? Nie von Anfang an hat Er doch im Verborgenen geredet 236, Ursprung bin ich", sagt Christus, der ich auch rede zu euch 237.

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Sprich denn, Herr, weil deine Knechte hören 238. Hören wollen wir, was in uns Gott der Herr spricht! Denn er wird Frieden sprechen zu seinem Volke, und über seine Heiligen und über die, welche Einkehr halten in das Herz 239.

Beten Sie an sein gutes und liebliches, gütiges und schöpferisches, verlässiges und aufrichtendes Wort, das mächtige, zarte Heilandswort, aus dem Seligkeiten des Himmels auf Thomas thauen, Licht, Kraft und Trost auf uns 240:

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Getreuer und kluger Knecht, welchen der Herr gesezt hat über seine Hausgenossenschaft, damit er ihnen zu rechter Zeit gebe die Gebühr an Weizen 241.

Da haben Sie ihn denn in Christus gefunden, besitzen und halten ihn fest, Christi getreuen und klugen Knecht Thomas. Heiligen Jubels, seliger Anbetung voll sehen Sie und erleben in sich, wie der Glorienkönig, der aus ewigen Pforten in Jhre Seelen Einzug gehalten 242, die substantiale Weisheit, ihn sett auch über Sie als seine Hausgenossen 23 im Wahrheitstempel. Wenn aber Christus Ihnen Thomas als Diener giebt, werden Sie ihn wirklich haben. Und in der Fülle des lebendigen Brotes Christus, der selbst die Weizenähre der Welterlösung ist, auf daß Sie in ihn als viele Körner zu Wachsthum und Reife eingegliedert werden244, überweiset Ihnen dieser,Haushälter' der christlichen Weisheit nach Art und Forderung der Jeztzeit das gebührliche Maß an ächtem, nahrungskräftigen Weizenkorn: Sie sind in Christus berufen und befähigt, hieraus Brot zu bereiten, gutes schmackhaftes Brot der gesunden Lehre 245, und es dem Volke Christi zu brechen 246; damit auch Sie, jezt schon, mehr noch später im höchst verantwortlichen Amte des Wahrheitsdienstes, aus Zeugniß guten Gewissens 247 und gewirkter Liebe 248 jene beruhigende und muthhauchende Stimme des sacramentalen Christus vernehmen dürfen 249.

Aber wer sind wir, daß wir so Kühnes und Großes, sei's noch so nothwendig und pflichtschuldig, entgegneten Ihm und wechseln wollten Worte mit Ihm 250? Kleine, geringe, unnüße Knechte 251 immerhin, denen nichts übrig bleibt, als im Bereich des Brautzeltes der Kirche 252 des Herrn Stellung zu nehmen und von hier aus mit ihr, welche ist die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Grundveste der Wahrheit 253, zu wagen, den Weltenkönig und Selbstwirklichen, unseren Vater, der im Himmel ist, durch den Heilsgott25 also anzusprechen:

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, Gott, der du deine Kirche durch die wunderbare Lehrkraft deines seligen Bekenners Thomas verherrlichst und durch dessen heilige

Wirksamkeit befruchtest: gieb uns, wir bitten; daß wir, was er lehrte, verstandesmäßig einsehen, und was er that, nachahmend vollenden. Herr, nicht fehle uns sein mildes Gebet: das unsere Amts mühen 256 weihe und deine Gnadenhuld uns immerdar erhalte. Auf daß uns, o Herr, dein Opfer Heil spende: möge, wir bitten, der große Lehrer als Fürsprecher bei dir walten. Durch unsern Herrn Jesus Christus deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einheit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen.257.

Literatur und Bemerkungen.

1) Leonis Papae XIII. Epist. Encycl. Freiburg. 1887. 1. Samml. S. 84-87.

2) Leo P. XIII. a. a. . 81.

3) Bulla Triumphantis: Leo P. XIII. a. a. D. 83.

4) Bulla Mirabilis: Leo P. XIII. a. a. D. 89.

5) Serm. de S. Tho. Leo P. XIII. a. a. D. 89.

6) Leo P. XIII. a. a. D. 94-98.

7) Leo P. XIII. a. a. O. 95.

Nur

8) Providete. Leo P. XIII. a. a. D. 101. secundär ist,aus Bächen zu schöpfen, welche nach dem gewissen, einstimmigen Urtheil der Gelehrten aus den Quellen selbst geflossen, daher rein und lauter geflossen sind.' Vgl. hiemit Leo's XIII. Brief an Satolli vom 19. Juni 1886 (Satolli, in Summ. theol. D. Tho. Aq. de Trinit. praelect. V): In iis vehementer consilium tuum laudamus, quod commentaria exhibes in ipsam S. Thomae Aquinatis Summam, ea mente ut auditores tui textum Angelici Doctoris e suis manibus excidere non patiantur. Sic enim et non aliter fiet, ut genuina S. Thomae doctrina in scholis floreat, quod Nobis maxime cordi est'.

9) Leo P. XIII. a. a. O. 87.

10) Vgl. das Wort Eichhorns bei Heinr. von Treitschke, Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert 5, 124.

11) An der Spite das Römische Priesterseminar, in Deutschland u. A. Luxemburg. Papst Leo XIII. an Card. De Luca, Accad. Rom. I 1, 28-29:,Quamobrem, Venerabilis Frater Noster, illud Nobis est magnopere in optatis, ut S. Thomae doctrina, fidei veritati apprime conformis, cum in omnibus catholicis

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