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jah dagam bez. dagam jah nahtam überliefert. Die bedeutung ist in allen fällen dieselbe und zwar ohne unterbrechung'. An eine mechanische übersetzung aus dem griech. ist nicht zu denken, da wir im grundtexte ganz andere und dazu wechselnde casusformen antreffen (bald den gen., bald den acc.). Nur die reihenfolge der beiden dative ist beweglich und richtet sich nach dem griech. vorbild.

Folglich haben wir es im got. nahtam jah dagam bez. dagam jah nahtam mit einer stereotypen wortfügung von stereotyper adverbialer bedeutung zu tun. Wenn man auf grund der genannten belegstellen bisher erschlossen hat, dass der dat. pl. von nahts nahtam gelautet habe, so ist diese schlussfolgerung entschieden übereilt gewesen. Auf grund der ahd. adverbialform nahtes hat niemand den gen. nahtes angesetzt, weil der wirkliche gen. naht zufällig belegt ist. So lange wir im got. die form nahtam nur in der oben genannten verbindung vorfinden, müssen wir den in das paradigma von nahts gehörenden dat. pl. als unbelegt betrachten.

J. Schmidts ansetzung eines alten stammes naktan hat also nunmehr keine andere stütze als skr. naktábhis. Aber auch diese stütze ist trüglich, denn wie mein freund Lidén bemerkt, erklärt sich diese form am einfachsten durch annahme von beeinflussung durch das sinnverwante áhabhis.

UPSALA.

HUGO PIPPING.

ZUR HEIMAT DER VOLCAE.

Müllenhoff hat bekanntlich im zweiten teile der Deutschen altertumskunde aus den schon in M. W. Dunckers Origines Germanicae vollständig gesammelten berichten über die wohnsitze der Volcae zu erweisen versucht, dass die heimat dieses volkes bis gegen das 4. jh. 'an der Weser abwärts' und dann im Maintale gelegen habe (2,279). Diese ansicht ist von Much als unrichtig erwiesen, aber noch verfehlter scheint mir seine an ihrer statt aufgestellte hypothese, dass Mähren die heimat der Volcae gewesen sei.

An den zwei ersten Keltenzügen hatten die Volcae keinen anteil; erst der dritte, der galatische, führte sie in den horizont der Griechen und Römer hinein. Nach dessen ablauf finden wir das volk zersplittert in drei oder vier weit auseinander liegenden gegenden wohnhaft. Erstens in Narbonensis zwischen Rhône und Pyrenäen, wo sie zuerst bei Hannibals Alpenzuge erwähnt werden, aber schon anfangs des 3. jh.'s angekommen sein müssen (Duncker s. 33). Dann in Kleinasien, wo ein teil des völkerschwarmes, der seit 281 die thrakischgriechische halbinsel durchzogen hatte, neue wohnsitze gefunden hatte. Und drittens an den Ost-Alpen und (oder) an der Hercynia silva.

...

Justin berichtet (32, 3): Namque Galli bello adversus Delphos infeliciter gesto, pars in Asiam pars in Thraciam extorres fugerant. Inde per eadem vestigia qua venerant antiquam patriam repetivere. Ex his manus quaedam in confluente Danubii et Savi consedit Scordiscosque se appellari voluit. Tectosages autem, cum in antiquam patriam Tolosam venissent. .... Ex gente Tectosagorum non mediocris populus praedae dulcedine Illyricum repetivit spoliatisque Istris in Pannonia consedit

Beiträge zur geschichte der deutschen sprache. XXIV.

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Der letzte teil des berichtes steht vereinzelt da: kein anderer autor weiss etwas von Tectosages in Pannonien. Aber die notiz wird dadurch noch nicht verwerflich. Sowol der geschichtsschreibung wie der sage galt das tolosanische als die heimat des ganzen volkes der Volcae, und zugleich leitete die erstere das tolosanische gold vom Brennuszuge nach Delphi her. Daraus erklärt sich die fassung des berichts Justins, dass der in Pannonien angesiedelte teil erst von Narbonensis nach Griechenland, dann zurück nach Tolosa und dann wider nach Illyrien gezogen sei. Nach ausmerzung dieses augenscheinlichen von der tradition betreffend Tolosa veranlassten irrtumes bleibt die an sich nicht unwahrscheinliche nachricht übrig, dass die Tectosages ausser in Narbonensis und in Galatien, auch zum teil in Pannonien in der nähe der Istri, d. h. im obern Sautale, sich niedergelassen hatten.

Wir finden aber das volk bei Caesar noch an einer vierten stelle, nämlich an der Hercynia silva, ansässig. Dieser sagt (BG. 6, 24): Ac fuit antea tempus, cum Germanos Galli virtute superarent, ultro bella inferrent, propter hominum multitudinem agrique inopiam trans Rhenum colonias mitterent. Itaque ea quae fertilissima Germaniae sunt loca circa Hercyniam silvam, quam Eratostheni et quibusdam Graecis fama notam esse video, quam illi Orcyniam appellant, Volcae Tectosages occupaverunt atque ibi consederunt; quae gens ad hoc tempus his sedibus sese continet summamque habet iustitiae et bellicae laudis opinionem. Schon Ben. Niese hat diese nachricht mit der Justins verbunden (Zs. fda. 42, 142), aber nur um beide gänzlich zu verwerfen. Nach ihm soll durch die Tectosages Caesars und Justins ursprünglich wol nur die herkunft der pannonischen Kelten erklärt werden', und 'diese Volcae am hercynischen walde ganz und gar der fabel zuzuweisen sein'. Es ist aber schwerlich einzusehen, wie 'die wanderungssage' dazu kommen konnte, in Pannonien die existenz eines zweiges der Volcae Tectosages zu fingieren, mit dem zwecke, die herkunft anderer pannonischer Keltenstämme zu erklären.

Müllenhoff meinte mit recht, Caesar habe, der sage und der tradition folgend, die Tectosages an der Hercynia für eine colonie ihrer stammesgenossen an der Cevenna gehalten (2,276). und habe die sage vom Sigovesuszuge im sinne gehabt (204),

wonach zur gleichen zeit, als die Gallier unter Bellovesus über die Alpen in Italien eindrangen, ein anderer teil desselben heeres sich unter Sigovesus ostwärts gewant habe und in die hercynischen wälder ausgezogen sei (261). Aber unberechtigt ist der daraus von Müllenhoff gezogene schluss, dass alles an dem berichte verwerflich sei ausser dem wohnsitze eines teiles der Tectosages an der Hercynia. Beseitigt man Caesars oratorische fassung des berichts, so besagt der kern nichts. anderes, als dass die Tectosages noch zu seiner zeit an der Hercynia wohnten, aber da keine autochthonen waren, sondern aus dem alten Keltenlande stammten. Warum diese offenbar auf gallischer tradition beruhende notiz fabelhaft sein soll, ist nicht einzusehen. Im gegenteil stimmt sie zu allem, was wir übrigens von den wohnsitzen des volkes wissen und zu den resultaten der untersuchungen über die Keltenzüge (Duncker, Müllenhoff, Hirschfeld, Niese u. s. w.).

Nach den Volcae an der Hercynia ist überall herumgesucht worden: den meisten anklang fanden noch Müllenhoffs hypothese, sie hätten im Maintale gewohnt, und die Muchs, ihre heimat sei Mähren. Beide hielten jene gegenden für die, woraus die Volcae zu anfang des 3. jh.'s einerseits nach Narbonensis, andererseits nach der thrakisch-griechischen halbinsel abgezogen seien. Dem widersprechen aber Caesars worte quae gens ad hoc tempus his sedibus sese continet, denn die Volcae von Narbonensis und Galatien können unmöglich aus einem ver sacrum hervorgegangen sein und nur aus dem auszuge des ganzen volkes aus seiner vorigen heimat erklärt werden. Der fehler liegt m. a. n. hierin, dass man bis jetzt nicht erwogen hat, was in Caesars notiz unter Hercynia silva zu verstehen ist.

Die stelle Caesars lag Tacitus vor bei c. 28 der Germania: Validiores olim Gallorum res fuisse summus auctor divus Julius tradit, eoque credibile est etiam Gallos in Germaniam transgressos. Worauf folgt: Igitur inter Hercyniam silvam Rhenumque et Moenum amnes Helvetii, ulteriora Boii, Gallica utraque gens, tenuere. Manet adhuc Boihaemi nomen significatque loci veterem memoriam, quamvis mutatis cultoribus. An dieser stelle ist Hercynia silva natürlich die Rauhe Alb, nicht wie sonst bei Tacitus (Germ. 30. Ann. 2, 40) und den anderen nach

caesarischen autoren, das deutsche mittelgebirge, was andeutet, dass Tacitus die stelle einem ältern autor entnommen, der die gebirge nördlich vom Main noch nicht kannte. Ich vermute, dass seine quelle eben dieselbe stelle Posidonius war, woraus Strabo entnahm (Ζ293): φησὶ δὲ καὶ Βοίους τὸν Ερκύνιον δρυμὸν οἰκεῖν πρότερον, τοὺς δὲ Κίμβρους ὁρμήσαντας ἐπὶ τὸν τόπον τοῦτον, ἀποκρουσθέντας ὑπὸ τῶν Βοίων ἐπὶ τὸν Ἴστρον καὶ τοὺς Σκορδίσκους Γαλάτας καταβῆναι, εἶτ ̓ ἐπὶ Τευρίστας και Ταυρίσκους, καὶ τούτους Γαλάτας, εἶτ ̓ ἐπὶ ἙλουTTίove. Daraus geht nur hervor, dass Posidonius die gebirge Böhmens Hercynia nannte, aber nicht ob er die Rauhe Alb oder die gebirge nördlich vom Main unter dem namen mitbegriff, und in anbetracht seines alters ist das erstere wahrscheinlicher. Jedenfalls aber hatte Tacitus einen autor vor sich, der ihn veranlasste die ihm ebenfalls vorliegende stelle Caesars, welche als keltisches volk an der Hercynia nur die Volcae Tectosages nannte, zu verwerfen, denn sonst hätte er hier ohne zweifel auch diese miterwähnt.

Caesars notiz stammt augenscheinlich aus einer griechischen quelle, aber nicht aus Posidonius, weil sonst Strabo die Tectosages wol auch genannt haben würde. Erwägt man aber, dass die angeführte stelle des Posidonius die älteste uns bekannte ist, worin der name Epxvvia von den Alpen1) auf die Rauhe Alb und die nordöstlich anschliessenden gebirge übertragen war (DA. 1, 432), und dass Caesar in seiner vorlage noch die ältere form Oozéria vorfand, dann liegt die vermutung nahe, dass diese unter dem namen noch die Alpen verstand, was Caesar natürlich entgehen musste. Und hält man nun die stelle, so gedeutet, neben der von Justin aus Trogus ausgezogenen, so zeigt sich sofort, dass beide aus derselben quelle

1) Es scheint mir nicht überflüssig hervorzuheben, dass die anwendung des keltischen namens auf die Alpen natürlich nur von der geographischen unkenntnis der älteren Griechen herrührt. Im keltischen muss Perkunia von anfang an das deutsche mittelgebirge zwischen Rhein und Weichsel bezeichnet haben; denn nur so lässt sich die entlehnung von fairguni im gotischen mit der bedeutung des namens bei den nachcaesarischen autoren vereinigen. Jedenfalls ist es unrichtig, den namen auf das Erzgebirge oder die böhmischen randgebirge zu beschränken, und ist mithin auch der schluss hinfällig, dass die Germanen den namen nur an der grenze Böhmens oder Mährens aus dem keltischen entlehnen konnten.

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