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Der Schimmer seines Namens wird nie untergebn.
Welch Feuergeist, der noch aus seinen Werken spricht!
Und welche Glut in seinen Reden, welches Licht,
Sein Beten, war es nicht wie eines Engels Flehn?

So flammt in Beda Benedicti Andachtsglut,

So blüht im Orden fort ein ewigfrisches Reis

Mit Blüthen, hauchend süssen Paradiesesduft.

Als Wissens Stern glänzt Beda auf der Zeitenfluth,

Die Kirche nennet ihn in ihrer Lehrer Kreis;

Sein Wirken lebt, was sterblich war, umschloss die Gruft.

(17.) Casinos Wiederbau.

Dem Abendstern als Herold in dem Himmelsblau

Folgt alsobald der andern Sterne lichter Chor;
So tauchen neue Klöster nah und fern empor,
Ihr lichter Herold ist Casino's Wiederbau.

Berührt vom Himmelslichte und vom Himmelsthau
Bringt Neu-Casino alte Heiligkeit hervor;
Und wieder zieht das Volk zu Benedict empor,
Und wieder tönet seinen Namen Wald und Au.

In Neu-Casino bildet sich Sanct Willebald,
Der dann als erster Bischof über Eichstätt wacht;
Hier Sturmius, der Siedler in dem Buchenwald,

Der Fuldas Kloster baut, die Gegend urbar macht;
Hier wollten Könige, wie Rachis, Carlmann wohnen,
Als sie die irdische vertauscht für ew'ge Kronen.

(18.) Sanct Bonifaz, der Apostel der Deutschen. Des Glaubens Licht der ersten Heimat mitzutheilen Steht Wynfrid auf dem Kiel, der ihn nach Deutschland trägt, Am Strande winkt noch sein Geleit, das Ruder schlägt, Ihn drängt es auf der Liebe Flügeln fortzueilen,

Fort, wo die Hessen, Thüringer, die Sachsen weilen,
Für die er der Bekehrung Glut im Busen hegt;
Die Donnereiche sinkt, dran er die Axt gelegt,
Und taufend kann er nun von Stamm zu Stamme eilen.

Sein Wirken schaut der Rhein, die Donau und der Main
Er sollt' ja der Apostel von ganz Deutschland sein,
Der Oberhirt, der Primas in den deutschen Landen,

Wo Bischofssitze, Klosterstiftungen entstanden.
Welch Name wär in Deutschlands Gauen so bekannt
Als der von Wynfrid, nachmals Bonifaz genannt ?

(19.) Fulda, sein Heim und Grab.

Stift Fulda, in dem lichten Buchenwald erbaut,
Du Heim und Mittelpunkt all seiner Missionen,
Dich hat er auserwählt, um bleibend da zu wohnen,
Wenn er im Dienst des Herrn gebrochen und ergraut.

Doch zieht er nochmal hin, wo Frieslands Himmel blaut,
Noch will der Greis, noch der Apostel sich nicht schonen:
Da ward die Palme ihm, die herrlichste der Kronen,
Mit Perlen, den Rubinen eig'nen Bluts bethaut.

«O Fulda, Perle deutscher Erde heilighehr
Dein Bonifaz, er bracht Germanien viel Mehr
Als ganze Reih'n von seinen Königen und Kaisern,

Die, wenn sie doch gebaut und nicht zerstöret haben,
Am Grund nur fortgebaut, den Bonifaz gegraben,
Dess theures Haupt in Fulda ruht auf Lorberreisern.» 1)

1) Aus Leo in seiner Universalgeschichte II. Bd. S. 178.

II. Abtheilung: Mittheilungen.

Wichrammi, monachi S. Galli, opusculum de computo, hucusque ineditum.

er Cod. lat. Monac. 14221 enthält des Abtes Rhaban Buch de computo. Der Ostercyclus beginnt darin mit dem Jahre 874 und endet mit 1058; somit dürfte die Abschrift, welche wohl für St. Emmeram in Regensburg gefertigt wurde, um das Jahr 874 hergestellt worden sein. Dies scheint um so sicherer, als Fol. 17 zum Jahre 880 notirt ist: ob. Karlomannus rex, und zum Jahre 894: Job venit in monasterium S. Emmerami. Tuto in eodem anno eps fuit. Da sonst keine historischen Notizen mehr folgen, obgleich Platz genug vorhanden war, so ist anzunehmen, dass eben diese Einträge gleichzeitig gemacht wurden und das Buch damals im Kloster bereits vorlag. Wer der bezeichnete Job gewesen, lässt sich einstweilen nicht genauer bestimmen; doch dürfte jener Priester gemeint sein, welcher dem Könige Karolomann recht gute Dienste leistete und dafür im J. 878 zwei Huben in Samutespah (Sandsbach) erhielt, die nach seinem Tode an S. Emmeram gelangen sollten. Cf. Ried. cod. dipl. p. 57. Der Codex bringt dann mitten im Texte Rhaban's (Fol. 54 f) die Fundatio Wessofontana, wie sie Pez (Anecd. I. Isag. pag. XVIII) und neuestens besser die histor. polit. Blätter (Bd. 89, S. 858 f) reproduciren; und ausserdem (Fol. 20-22a) das im Titel oben angezeigte Werkchen eines Mönches Wichramm. das unten zum Abdrucke kommen soll. Dasselbe ist offenbar ein Schulbüchlein gewesen und hat an der Schule von St. Gallen gedient,

die studirende Jugend in die Kenntniss des Kalenders einzuführen. Es wurde nach den Werken Beda's de temporibus (Migne. XC. 278 ff) und de ratione computi (ib. 579 ff) gefertigt, aber durchaus nicht sklavisch nachgeschrieben, sondern frei behandelt, was schon die einfachste Vergleichung zeigt. Die Abschrift geht kaum über das 11. Jahrhundert herauf: somit dürfte Wichramm ein Lehrer zur Zeit der berühmten Notger gewesen sein. Näheres ist jedoch über ihn bis jetzt nicht bekannt. Ein Mönch Wichramm von St. Gallen wird in einem dortigen Codex (Beda in actus apostol.) erwähnt. Es heisst nämlich dort (cod. 260, S. 390): Monachi Wichrammni monitis Hartpertus ecce diaconus ornavit thecam hanc.

Te precor o lector cum scripseris ipse libellum hunc.
Tunc tu his ambobus dic miserere Deus.

Der Codex, der also auf Veranlassung des Mönches Wichramm geschrieben worden, gehört dem 9. Jahrhunderte an. Nun schrieb ein levita Hartpertus die Urkunde des J. 866-67 (im Urkundenbuch von St. G. II, 135); von einem monachus Wichramm ist die Urkunde von 860–61 (ib. II, 91). Die Annahme ist nun wohl berechtigt, eben dieser Wichramm sei auch der Verfasser des folgenden Fragmentes. So ergibt sich wieder, dass er vermuthlich zwischen 850 und 870 Lehrer an der Schule von St. Gallen gewesen sei, und für seine Schüler ein Compendium verfasst habe, von dem dieses Bruchstück erhalten ist. Andere Forscher mögen so glücklich sein, das Ganze zu entdecken und über den St. Galler Mönch als Verfasser mehr ans Tageslicht zu bringen.1)

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IN XPI NOMINE INCIPIVNT INTERROGATIONES ET | RESPONSIONES WICHRA | MI CENOBIOTE SCI GALLI ¦ DE COMPOTO BEDE PRESPITERI INTERROGATIO QVIS PRIMVS INVENIT

menses apud latinos? RESPONS

Noch möchte ich aufmerksam machen auf die im Codex angewendeten Fragezeichen, für welche der jetzige Druck nur eine ähnliche Type hat. Ihre Form scheint entstanden zu sein aus N und dieses aus INT (interrogatio), so dass das abgerundete Zeichen, welches jetzt gebraucht wird, geradezu „Fragehiesse. Salvo meliore.

P. Bened. Braunmüller.

Romani auctore romulo agebant annum decem mensibus hoc est diebus trecentis quatuor. INTER. Vnde initium mensium caepit (sic)? RES. A prima luna usque ad primam. INT. Cur tam diversae longitudinis sunt? R. Quia cum ex certis causis luna modo tardius apparuit; praecedenti mensi plures dies, cum celerius pauciores dabat. et ita singulis quibusque mensibus perpetui numeri legem primus casus adduxit. ut alii triginta unum alii triginta sortirentur dies. INTER. Quomodo appellauit illos menses? R. Primum martium a marte. cuius se filium credi voluit. nuncupauit. Secundum aprilem. eo quod in illo remotis hibernis tempestatibus caelum horoscopis, id est horarum inspectoribus. ac terra se in germen aperiat; Tertium maium a maia matre mercurii: Quartum iunium a iunone. Rectius tamen est illos nomen accepisse a maioribus ac iunioribus in quos (21) populum divisit. ut altera pars armis, altera consilio rempublicam tuaeretur (sic); Deinde quintilem quia quintus est a martio. qui post ea a nativitate iulii cesaris iulius dictus est. Sextilem quia sextus est a martio. qui post ea a triumpho augusti augustus dictus est: Ceteris quatuor a numero nomen imposuit Septembrem appellans quia septimus est a martio. Octobrem quia octavus est. Novembrem quia nonus est. Decembrem quia decimus est a Martio. Illis quatuor videlicet martio Maio. quintili, octobri dies triginta unum. sex vero reliquis dies triginta deputavit. I. Quomodo horum initia nominavit? R. Kalendas quia tunc kalata. id est vocata in capitolium plebe. dicto quinquies verbo kalo. id est voco. in his mensibus qui triginta dierum fuere. vel septies in his qui triginta et unum fuere. quot dies superessent ad nonas pronuntiabantur; INT. Vnde nonę dictae sunt? R. Ab initio nonae1) observationis, vel quod nono die ante idus ex agris cuncti confluerent in vrbem a rege sacrorum sciscitaturi. quid esset eo mense faciendum. 1. Cur tam diverse pronuntiatum est? R. Ad praecavendas latronum insidias. Ne illis vrbem aduentantibus vel exinde redeuntibus aliquid in desertis locis nocerent. INT. Vnde idus dictae sunt? R. A dividendo porro idus uocari placuit diem qui diuidit mensem, eo quod exhine ad

1) Bei Beda und seinen hauptsächlichsten Gewährsmännern Festus und Macrobius steht richtiger novae observationis; allein dieses scheint unserm Auctor oder dem Abschreiber kein Erklärungsmittel für Nonae gewesen zu sein.

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