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Begunde vaste gahen her,
Do was der Kŷnich Malfer,
Er sprach la mich erwerben,
Daz die niht verderben,
Die noch sint hie lebende,
Tote ich pin dir gebende,
Swes dein leip niht wil enbern,
Des wil ich allez dich gewern,
Wan daz dv mich beschaiden můst,
In welhem sinne dv ez tůst,
Daz sag ich dir vil lieber Tote,

Da waiz ich wol daz si van gote,
Und alle menschen worden sint,
Swie doch ist ein vnderbint,
Vnder hayden iuden vnd christen,
Ob dev zwai leben wisten,
Wie sûzze leben christen ist,
Si gelaubten alle gern an christ,
Tôte la mich versuchen,
Ob der Kvnich des chinn gerüchen,
Daz er sich welle tauffen lan,

Bl. 3, sp. 1 (Pal. bl. 242b, sp. 1, 56-sp. 2, 26; Germ. 16, s. 56, 74-91).

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Daz ir ist chainer tot gelegen,
Daz merchet all geleiche,
Der arme vnd der reiche,
Die haizzen Sarrazzeine,
Wie wol Got hat die seine,
Vor dem tode hat behût,
Ist ev liep vnd duucht ev gůt,
So hat ein ende dirre streit,
Dev wal an ev selber leit,
Welt ir tot sein oder genesen,
Der můz daz aine schiere wesen,
Kvnich van Marroch deinev wort,
Han ich vil gerne gehort,
Mir ist getailt zwai spil,

Ich wil so losen mein leben,
Daz ich wil Malfern geben,
Aigenleichen meinev lant,
Vnd wider enphahen van seiner
hant,

Ich waene herr des ist genůch,
Nie chainen mach ich im erslůch,
Noch raubte noch enprande,
In chainem seinem lande,
Vnd pin doch hie zv gedigen,
Man siht hie manigen toten ligen,
Vnd dannoch mer der wunden,
Nv wil ich den gesunden,

sp. 2 (Pal. bl. 242", sp. 2, 44 —bl. 243a, sp. 1, 15).
Niht lenger er die gab behielt,
Wan als ich waene drei tag,
Gelaube mir waz ich dir sag,
Ez geleichet niht seiner milte,
Den der gabe niht bevilte,
Gen dem vogte van Baldach,
Nie chain gab so hoch gewach,
Vnd gen Faufaserat,
Der paider lant er hat,
Iegleichez in seiner hant,

Als mir der tauf so wart bechant,
Do gab er mir ze lone,
Mit alle lant vnd chrone,
Dev het der Kynich Faufaserat,
Der gehaizzen ist der Attmerat,
Daz ist der Kvnich Terramer,
Dem gab er dannoch lande mer,
Dann mir sein milte taete,
Sein hertz daz ist so staete,
Daz sein vil wol gerainter mût,

An dir nimmer misse tût,
Var mit gutem willen dan,
Nv chomen die gepreysten man,
Paide da hin da Malfer,

Sånt in streitleicher ger,
Er enweste vmbe waz,
Nv was Kvnich Tachalaz,
Herre habt her ewer hant,
sp. 1, 35 — sp. 2, 4).
Der aine Kinich Terramere,
Der gehaizzen ist der Atmerat,
Der ander Kvnich Faufaserat,
Wes wir zwen engulten,
Daz wir vngenad da dulten,
Ich vnd der Kvnich van Marroch,
Daz ist dir verporgen noch,
Ewr Ane Terramer,
Der hat vil hertzen ser,
Gefüget her der christenhait,
Daz ist ev ze rehte lait,
schamen, Da mit wil ich sweigen,
Vnd ewrn hulden neigen,

Bl. 4a, sp. 1 (Pal. bl. 243a,
Sage lieber saelich man,
Ob deins hertzen sin dir gar,
Daz dir niht chan versmahen,
Dv růchest van mir enphahen,
Wider deiner lande gût,
Swaz ir mir herr genaden tût,
Van ev mich des genüget,
Ez hat sich also gefüget,
Daz ich ew trewe laisten můz,
Vnd dienen vmb ewr hulde grůz,
Vnd wil mich nimmer des ge-

Ir habt zwen hohe namen,
Van gûte der ere,

sp. 2 (Pal. bl. 243, sp. 2, 24-49).

Des waiz ich niht man zoch im Do sprach der Kŷnich Gamelerot, mite, Herre ir soltet fragen,

Wol dreizzich harte starchev Vnd niht ev des lan vertragen, Rosz, Den Kvnich hie van dem lande,

Vber berge vnd vber mos,
Giench er da pei vil dicke,
Wie sich sein vart nu schicke,
Daz werdent sůzzev maere,
Sein hertzen gerndev swaere,
Begund in sere twingen,
Wan daz in liebes gedingen,
An sendem mût enthabte,
Vnd im 2 daz hertze labte,

War ewr vart sich wande,
Daz waer an eile vns gewin,
Er sprach der engel Chervbin,
Der chan wol weisen vns die wege,
Got hat vns in seiner phlege,
Daz vns vil chlaine wirret,
Ich pin des vnuerirret,

Ich chým mit seiner helfe dar,
Daz ich nimmer irr gevar,

So waer er chomen in grozzev not, Do sprach der Kŷnich Tachalaz, Bl. 4, sp. 1 (Pal. bl. 243, sp. 1, 13-38).

Vnd aller meiner saelden trost, Mich entröste dev werde raine,

Ich pin laides vnerlost,

1 verwischt.

2 loch im pergament.

Die ich mit trewen maine,

Als den liehten tag sterne,

Dev haizzet Pentesyleye,

Dev sûzze valsches vreie,

Die wahter die da friuset,

Swenn die sol mein auge sehen, Niement sei ze frevnt verliuset,
So chan mir lieber niht geschehen, Ahey waz si frauden phligt,
Wer hat ev van der schönen magt, Ir schon für alle schône wigt,
Lieber herre mein nu sagt, Die weibes pilde ie getrûch,
Ir schöne der geleichet niht, Ich waen des lobes sei genůch,
Swie vil man sei pei frawen siht, Ich darf sei niht loben mer,
Die doch vil wol geschônet sint, Si hat vil lop vnd er.
So dunchet gar ir schône plint, WIzze Kvnich Tachalaz,
Man sihet sei als gerne,
Ich gehort nie weip geloben paz,
2—26).

sp. 2 (Pal. bl. 243o, sp. 2,
Da wirt ev van erst erchant,
Waz ist angestleicher streit,
Nie chain man pei seiner zeit,
Herter streit nie gestrait,
Dann der Kvnich Befamarait,
Er waltet grozzer sterche,
Ez get seins landes gemerche,
Reht piz her an den phlvm,
Er hat gemachet manigen rům,
Swa er in gedrenge was,
Kain munt van Ritter nie gelas,
Der waere paz gepreyset,
Sein hertz in dar an weiset,

Daz er genaden gert an weip,
Ich waiz chains Ritters leip,
Der enphangen hab so hohen lon,
Der Kvnich von Satragon,
Ab garen minne erwarp,
Der leip nach seiner minn erstarp 2,
Daz er so churtz pei ir belaip,
Daz schaiden si van dem leben traip,
Chain weip chan nv so werben,
Daz si van laid iht sterben,
In sint dev hertz erstainet,
Swie vil der leip gewainet,
So wil daz hertze doch genesen,

QUELLENSTUDIEN ZUR MITTELHOCHDEUTSCHEN SPIELMANNSDICHTUNG.

II ZUM ORTNIT.

Die oberdeutsche sage von Ortnit liegt uns in drei fassungen vor: im mhd. Ortnit und Wolfdietrich, in Dietrichs flucht von 2109-22943 und in einer der drei Hertnidsagen der Thidrekssaga c. 417 ff. die erste fassung fällt nach Müllenhoff in die jj. 1225/26, die zweite wird um 1300, die nordische erzählung 1 diese zeile fehlt in der Heidelb. hs.

2 diese und die folgende zeile sind in der Heidelb. hs. umgestellt. 3 DHB п s. 3 ff. I s. 89 ff.

Z. F. D. A. XXXVIII. N. F. XXVI.

5

in die mitte des 13 jhs. gesetzt. den geeignetsten ausgangspunct zur weiteren untersuchung ihres inhalts gewährt die älteste und am reichsten entfaltete überlieferung, aus der ich zunächst den kern der fabel, die brautfahrt k. Ortnits, heraushebe, um darnach ihre ausschmückung ins auge zu fassen.

1. Der kern der fabel: der dichter des Ortnit beginnt mit der versicherung, in der stadt Suders (dh. Tyrus 1) sei ein von den heiden aus bosheit vergrabenes buch aufgefunden, das vom königreich Lamparten singe. in Lamparten wuchs der gewaltige könig Ortnit heran, bis ihm seine edlen rieten, eine frau zu nehmen, und zwar die tochter des mohrenkönigs Machorel, der, in Muntabur geboren, die krone in Jerusalem trage und dessen hauptstadt Suders in Syrien sei. freilich jeder werber habe bis dahin sein leben verloren, schon seien 72 häupter zu Muntabur auf die zinnen gesteckt. denn der vater hoffe auf den baldigen tot seiner gemahlin, um dann selbst seine tochter zum weibe zu nehmen. nachdem Ortnit dies gehört, trifft er umfassende rüstungen zur heerfahrt und gewinnt auch den beistand des von ihm bezwungenen zauberkundigen zwerges Alberich, der sich als seinen vater zu erkennen gibt. diesem ist der könig von Muntabur samt der umgegend der burg schon bekannt (str. 123. 266). unter dem vorgeben, sie seien kaufleute, fahren die christen in den hafen von Suders und erobern die stadt, während Alberich nach Muntabur eilt, um bei Machorel seine werbung anzubringen. Machorel ist aufs tiefste empört, aber da der zwerg sich unsichtbar zu machen weifs, kann er ihm nichts anhaben, so dreist er auch aus nächster nähe von ihm verhöhnt wird. Alberich kehrt zu seinem herrn zurück, um ihn nun zum sturm auf die burg Muntabur aufzufordern, der aber scheitert. denn die aus dem tore mutig den christen entgegenrückenden heiden werden zwar zurückgedrängt, lassen aber ihre feinde, die schwere verluste erleiden, nicht in die burg hinein. doch gelingt es dem listigen zwerg, die jungfrau zu bewegen, durch ihn dem könig Ortnit ihren ring als zeichen des eheversprechens zu übermitteln. nun bläst Ortnit zum rückzug, Alberich lockt die jungfrau aus der burg, sein herr entführt sie trotz der verfolgung der heiden

Tyrus, das im mhd. Surs oder Suders hiefs, wie DHB III s. xxx nachgewiesen ist, wird schon in den Schlettstädter glossen (Zs. 5, 368) Súris genannt. Sur ist die arabische bezeichnung.

glücklich nach Suders. heimfahrt zu seinem weibe.

unten betrachtet werden.

nach ihrer taufe macht er sie auf der der schluss der fabel wird weiter

Ortnits meerfahrt gegen Muntabur spiegelt einige der wichtigsten begebenheiten des kreuzzugs königs Andreas von Ungarn im j. 1217 wider, an dem viele Österreicher, Baiern und auch die landsleute des Ortnitdichters, die Tiroler, teilnahmen. sie berannten das von Malek-al-Adel (Machorel), dem sultan von Syrien und Aegypten, 1212 gebaute und 1218 schon wider geschleifte schloss auf dem berge Tabor vergeblich, bei der kräftigen gegenwehr der aus dem tor hervordringenden Saracenen. diese und einige andere übereinstimmungen der geschichte mit der dichtung haben Müllenhoff und Amelung eingehend dargelegt 1. erinnert man sich meiner Orendeluntersuchung (Zs. 37, 348), so ergibt sich, dass jener bruder Saladins, Malek-al-Adel, ein vierteljahrhundert früher auf die ältere spielmannsdichtung einwürkte in ähnlicher weise wie darnach auf die jüngere des Ortnit; aber noch ein anderes bisher übersehenes historisches datum müssen wir erwähnen, weil aus ihm der einfall der einmischung des zwerges Alberich entsprungen zu sein scheint. von den abendländischen darstellern dieses kreuzzugs schildert nämlich Oliverius scholasticus, ein kölnischer domherr, der einer der eifrigsten kreuzprediger in Westfalen und Friesland war und im j. 1218 selber mit nach Damiette fuhr 2, die belagerung des berges Tabor am genauesten, und zwar so, dass deren grundzüge mit der im Ortnit dargestellten im wesentlichen übereinstimmen: nur rücken die belagerer nicht von Tyrus, sondern von Ptolemais (Accon) heran. nach Oliverius 3 taucht nun bei dieser belagerung ein durch seinen kleinen wuchs auffälliger Saracene, 'parvus Sarracenus', auf, der zu den christen überläuft und dieselbe rolle übernimmt, wie der zwerg Alberich. ortskundig wie dieser verrät auch er den christen, dass die festung trotz der steilheit des berges nicht uneinnehmbar sei. aber auch hier mislingt der sturm. dies fremde männchen, das auf den gang des kreuzzugs vom

1 DHB III S. XXVIII ff.

2 Wilken Gesch. d. kreuzzüge vi 98 ff. 178; Wattenbach Deutschlands geschichtsquellen 3 407.

3 Oliver. scholast. Hist. Damiatina c. 2; vgl. Wilken Gesch. d. kreuzzüge vi 149.

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