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August Rudolph Gebser,

Dr. der Philosophie und Licent. der Theologie an der Universität zu Jena,

Berlin, bei August Rücker.

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Vorrede.

So oft ich den Brief des Jakobus in die Hand nahm, des

sanften, ernsten, würdigen Schülers des größten Meisters, so oft bin ich mit immer steigender Bewunderung und Liebe zu demselben erfüllt worden. Denn in der That, herrlicher konnte es kein Apostel bekunden, daß Christi Geist ihn beseele, als Jakobus. Nach dem glanzvoten Tage, den Chriftus, wie eine Alles belebende Sonne, ins Dafeyn rief, zieht Jakobus wie ein milder Mond, an einem erquickenden Abend, in himmlischer Feyer an unsrer Seele vorüber, und läßt uns des Genusses des großen Tages, mit sanften Tönen und lieblichen Bildern noch ein Mal erfreuen. Und wo sie naht diese himmlische Erscheinung, da träufelt aus ihren Worten Wohllaut, Freude, Friede, Geduld, Hoffnung und Segen herab, und erquickt die bedrängte Seele, wie der Thau der Nacht, die von der Schwüle des Tages erschöpften Gefilde. Alles ist hier sanfter Nachklang, Wehen und Walten des Herrn, der aus dem Kreise der Seinen 'geschieden, aber in Jakobus segensreich fortwirkte.

Es konnte nicht fehlen, daß eine Schrift, die dabey soviel Eigenthümliches enthält, deren köstliche Gedanken in das Gewand einer so lieblichen, bilderreichen, oft im Fluge der Begeis sterung hingeworfenen, und deshalb eben so kräftigen und erhabenen Sprache gehüllt sind, eine Schrift die dem Zweifelnden Belehrung, dem Wankenden Muth, dem Bedrängten Troft verleiht, die aber auch den Uebermüthigen ernst zurechtweist, und den Bösen mächtig aus seinem Wahne emporreißt, zahlreiche Freunde, und zahlreiche Erklärer finden mußte. Und wunderbar genug, je mehr ihr ein Theil des Alterthums, und selbst noch die Zeit der Reformation, freylich größtentheils aus falschen dogmatischen Gründen abhold war, je mehr ist sie in der neuern Zeit geschäßt, und in ihrem wahren Werthe anerkannt worden. Aber weit entfernt, daß der mannigfache Streit, der über diese Schrift, über ihre Aechtheit und ihren Verfasser, so wie in der frühesten, so auch in der neuesten Zeit geführt worden ist, durch die zahlreichen und fleißigen Untersuchungen, vorzüglich der neuesten Zeit gehoben, und der Zwiespalt der Meinungen zur endlichen Uebereinstimmung gebracht worden wäre, so ist vielmehr von de Wette (Einl. ins N. T.) die Aechtheit wieder schwankend gemacht, und von Frißsche (zu Matth. 13,

55.), die neuerlichst ziemlich allgemein angenommene Ansicht über den Verfasser, gänzlich umgestoßen worden. So wird es nöthig seyn, mit genauer Abwägung alles Vorhandenen, hierüber aufs Neue eine Untersuchung anzustellen, die ich in einer besonderen, ausführlichen Abhandlung, welche zugleich alle sonst in den Einleitungen zu behandelnden Gegenstände umfassen foll, durchführen werde. Ich bemerke hier var vorläufig, daß ich auf festen Gründen fußend, diese Schrift für eine echtapos stolische halte, und als den Verfasser derselben den Jakobus den Sohn des Alphåus, einen Verwandten und Apostel Jes su anerkenne.

Was den Plan und die Anordnung des Ganzen betrifft, so habe ich Folgendes zu bemerken. Zuerst habe ich eine soviel als möglich, wortgetreue Uebersehung gegeben. Dann ließ ich den griechischen Text, in zusammenhängenden Abschnitten, nach der Griesbachischen, hier und da nach meinen Ansichten geånderten Recension, abdrucen, und knüpfte daran, vor der ausführlichen Erklärung, eine Umschreibung des jedesmaligen Abschnittes, in welcher ich hauptsächlich den Ideengang, Zusammenhang und Sinn berücksichtigte, und so auch für die Bedürfs nisse der praktischen Theologen zu sorgen strebte; denn es wird Zeit, daß wir, nach andern rühmlichen Fortschritten der Wissenschaft, es uns mit zur Hauptaufgabe machen, gerade den praktischen Gehalt der heiligen Schrift, bey der Erklärung der-. felben vorzüglich ins Auge zu fassen. Für die Erklärung selbst, war ich so glücklich, eine ziemlich vollständige Sammlung Alles dessen zu vereinigen, was in Beziehung auf diesen Brief ge= schrieben worden ist, und ich habe mit redlichem Fleiße, die große Reihe der Erklärer des Jakobus, von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten, durchgearbeitet. Es ließ sich erwarten, daß ich hierbey manche unwirthliche Steppe durchwandern mußte, aber ich wurde dabey auch auf freundliche Gefilde ge= führt, wo hier und da manche schöne Blume blühte, die ich in den Kranz, den ich gewunden, verflochten. Obgleich ich nun die mannigfaltigen Verdienste der neuern Ausleger hochschäße, und ihren genau verglichenen Erklärungen gern da folgte, wo sie mir gehörig begründet erschienen, und nichts Wichtiges bey ihnen unberücksichtiget gelassen zu haben glaube, so kann ich doch nicht läugnen, daß das Studium der alten griechischen und Lateinischen Ausleger, mich in noch größerem Grade angezogen. Wie gern hätte ich nun freylich durchgängig die ältesten Ausleger, in ihrer Vollständigkeit und in ihrer Grundsprache, immer selbst reden lassen, wie gern den Dionysius Alex., den sanften, und doch mächtig ergreifenden und unübertroffenen

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Chrysostomus, der höchst wahrscheinlich auch den Jakobus erklärte, den allbewanderten Didymus, den Cyrillus und Methodius Patarensis, und wie sie alle heißen, die Frühern, zum Theil von Dekumenius und Theophylakt, (die Auszüge aus ihnen gaben,) und in den Scholten bey Matthái genannten Ausleger, aber die Unachtsamkeit späterer Jahrhunderte hat uns diese theuren Schäße zum großen Theile verloren gehen lassen, oder uns nur matte und dunkle Uebersetzungen, wie von der Erklärung des Didymus, oder Fragmente, wie die von Oekumenius und Theophylakt, aus den größern Werken der Ausleger gemachten Auszüge, aufbewahrt. So konnte ich also bey Jakobus Erklärung, für die nur noch selten die Sprache des Alterthums, und nicht in so reichem Maaße wie bey andern Schriftstellern des N. T. ertont, nur einen schwachen Nachhall des Alterthums geben. Doch auch dieser Nachhall weht freundlich zu uns herüber. In der Auswahl der Erklärungen, die Oekumenius, und der leider nur fast ganz dasselbe gebende, und hier wohl nur eine hier und da überarbeitete Abschrift des Dekumenius, bildende Theophylakt, und die Scholien bey Matthai, aus den Båtern der alten christlichen Kirche aufbewahrt haben, und in der Uebersehung von Did y mus Auslegung, bewundern wir prächtige Ruinen, einer alten, herrlichen, ehrwürdigen Zeit. Ich habe aus diesen Sammlungen und Fragmenten, aus den Erklärungen die sich hier und da in den Briefen des Isidorus Pelusiota, und bey Augustinus und Hieronymus zerstreut finden, und aus Cassiodor und Beda, der nicht allein frühere Ausl. fleißig benußte, sondern auch oft selbst so sinnreich und treffend erklärt, eine ziemlich vollständige Blumenlese, gegeben. Nicht als ob ich meinte, diese alten Ausleger håtten immer das Rechte getroffen, denn auch sie irrten, wie sich aus den angeführten Beyspielen ergiebt, gar oft, zumal fie häufig von eigenthümlichen dogmatischen Ansichten befangen waren, sondern ich wollte nur, bey dem jest aufs Neue erwachten, und so so fegensreich betriebenen Studium der Våter der christlichen Kirche, auch auf diese Schäße, die des Trefflichen soviel enthalten, aufmerksam machen, wollte zeigen, wie sie, die bis jest so Vernachlässigten, oftmals, wo neuere Erklärer, den Jakobus gar arg mißhandelten, bey ihrem Vertrautseyn mit der Sprache und dem Geiste jener frühesten Zeit des Chris stenthums, schon längst den rechten Weg eingeschlagen hatten, swollte so das richtige Verständniß des Jakobus soviel als môglich zu befördern, zum gründlichen Studium der alten Ausleger mehr und mehr anzuregen, und dasselbe zu erleichtern suchen.

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