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der Gothen, von den Hunnen gedrängt, ergossen sich unter Athaparich, welcher dem entrückten Frithigern gefolgt war (Zosim. 4, 25. Jorn. 28), über die Donau (Jorn. 26. Zof. 4, 25. Eunap. exc.). Da lud Theodosius Jenen im J. 387 zum Bündnisse nach Constantinopel ein (Themist. orat. 16, Socrat. Scholiast. 5, 10) und gieng ihm einige Meilen vor der Stadt entgegen. Athanarich, von der Grösse alles dessen, was er sah Völker, Soldaten, Schiffe, Gebäude, Mauern u. f. w. sichtbar und tief ergriffen (Jorn. 28) und von kaiserlichen Ehrenzeichen überhäuft, starb daselbst plötzlich im Januar des J. 381 (Oros. 7, 34. Zosim. 4, 34. Amm. Marc. 27, 5. Marcell. Com. Chron. Roncall. 2, 268. Themist. or. 15) und ward mit königlicher Pracht („nostro more“: Marcell.) bestattet: der Kaiser selbst schritt seiner Bahre voran (Amm. Marc. 27, 5 etc.). Fortan aber erscheinen Frithigern's und Athanarich's Gothen in Thrakien (jure hofpitii) angesiedelt und wie unter Constantin (Jorn. 28) als Verbündete der Römer (Þoidepätoi: Jorn. 21. 28. Zosim. 4, 30. Themist. or. 16. Procop. b. g. 4, 5. 3, 31. 33, 6; b. v. 1, 11 etc.; später Báoayyoı d. i. nord. Vaeringar) unter vereinzelten Führern, die oft darüber stritten, ob das mit den Römern geschlossene Bündniss gehalten werden müsse oder nicht (Zofim. 4, 56). Von Theodosius freigebigst und auf jede Weise begünstigt, bildeten sie eine treffliche Vormauer gegen die durch Verrath des Promotus erneut unter Eudothius oder Edotheus (Idathius?) über die Donau drängenden Ostgothen (Zosim. 4, 35. 38. Claudian de 4. consul Honor. 6, 3); nicht minder verschafften sie ihm, 40,000 Mann stark, im J. 388 auch gegen Maximus rasch den Sieg.

Während aber Kaiser Theodosius in Thessalonich krank gelegen, war er selbst Christ geworden, hatte, getauft vom dortigen Bischofe Afcholius, das nicäische Glaubensbekenntniss angenommen und war nun fortan dasselbe zum herrschenden zu machen bemüht. Als er daher genesen und im Noveňber 380 nach Constantinopel gekommen war, musste der arianische Bischof Demophilos, weil er jenes Bekenntniss nicht unterzeichnen wollte, mit allen Arianern die Kirche, die sie feit dem J. 367 inne gehabt, räumen und durften ihren Gottesdienst nur ausserhalb der Hauptstadt halten; im J. 381 aber schrieb der Kaiser eine allgemeine Kirchenversammlung aus, an welcher von Seiten der Arianer nur Makedonios Theil nehmen durfte. Hier ward das nicäische Glaubensbekenntniss verkündet, ein neuer Patriarch von Constantinopel eingesetzt und überall strenge Maassregeln gegen die Arianer ergriffen, wie gleichmässig im Abendlande durch den h. Ambrofius vou Mailand auf der Kirchenversammlung zu Aquileja, wo die arianischen Bischöfe Palladius und Secundianus entsetzt wurden. Jene Maassregeln riefen lebhafte Unruhen im Lande hervor, so dass der Kaiser für gut hielt, schon auf den 17. Januar des J. 383 abermals eine Kirchenversammlung nach_Constantinopel zu berufen, welche alle Parteien, auch die Gothen, mit denen der Kaiser gerade damals unter Athanarich ein erneutes Bündniss abgeschlossen hatte (Socrat. 5, 10), besuchen sollten, um sich über eine gemeinsame Formel zu einigen. Sie erschienen wirklich in reicher Menge; aber auch hier unterlagen die Arianer, gaben sich jedoch nicht zur Ruhe und zwar um so weniger, als sich im Abendlande Kaiser Valentinian der Jüngere auf Antrieb seiner arianischen Mutter Justina fowie gothischer Geistlichen im J. 386 in einem besondern Edicte zu Gunsten der Arianer ausgesprochen hatte.

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Da gieng auch der greise Ulfilas im J. 388 noch einmal nach Constantinopel, um für sein Glaubensbekenntniss and seine Mitbekenner, sein Volk, zu kämpfen und mit seinen Genossen wie Palladius, Auxentius etc. den Kaiser erneut um eine gerechtere Kirchenversammlung zu bitten, die ihnen von demselben auch verheissen vard. Aber die Anbänger des nicäischen Bekenntnisses oder die „Katholischen" wussten die Ausführung zu verhindern, so dass der Kaiser, der sich auf dem Marsche gegen Maximus befand, ron Stobi in Macedonien aus unterm 16. Juni (388) ein Gesetz erliefs, das alle Erörterungen religiöser Dinge (disceptus de religione) und das Predigen darüber (tractare) verbot (Cod. Theod. 16, 4). Inzwischen nämlich hatten die Arianer der Hauptstadt, irregeleitet und ermuthigt durch falsche Gerüchte über des Kaisers Heer, das geschlagen sein sollte, sowie durch einen untergeschobenen kaiserlichen Befehl zu ihren Gunsten, den der Kaiser im Juli, 18 Tage vor Beliegung des Maximus, für falsch erklärte, ihr Haupt erhoben und das Haus des nicäischen Bischof Nectarius niedergebrannt (Socrat. 5, 13. Sozom. 7, 14. Ambros. ep. 29 oder 17), so dass, wie schon erwähnt, der Kaiser nicht nur jede Verhandlung, sondern auch die Kirchenversammlung selbst (concilio aliquid deferre) verbot. Damit waren die Arianer und die Gothen abermals ungehört verurtheilt und diess schmerzte ihren treuen Seelenhirten fo tief, dass er vor Bekümmerniss erkrankte und noch in Mitte desselben Jahres (388), vielleicht im August, in seinem fiebenzigsten Lebensjahre (f. oben S. XIII) verschied. Unter grösster Theilnahme der gegenwärtigen Bischöfe und vieler Laien, die ihn insgesammt hoch verehrt hatten, ward er bestattet, nachdem er in den letzten Tagen noch ein Glaubensbekenntniss niedergeschrieben und seinem Volke hinterlassen hatte, in dessen Eingange er ausdrücklich betont, dass er so zu allen Zeiten geglaubt habe. (Sieh S. XXI).

Diess ift, was wir von dem äusseren Leben des gothischen Bischofs wissen, dellen schönstes Liebeszeugniss, wenn auch nur in Trümmern noch, ein Ehrendenkmal seiner Treue, beffer und dauernder als Erz, hier vor uns liegt. Von dem Stillleben des Mannes aber konnte und kann nicht berichtet werden, ohne dasselbe mit den ungeheuren Wogungen der Zeit und Welt zu umbrämen, in denen es sich bevegte, aus welchen Stürmen es wie friedlicher Sonnenschein hervorleuchtet. Vierzig Jahre unablässiger Seelsorge und Sittenbildung durch Rede, Schrift und Fürbitte, ungeirrt durch den Lärm der Schlachten und die Ströme Blutes, war er der geiftige Führer seines Volkes durch die Wirren der Zeit, weshalb ihn Kaiser Valens (ebrendes Anerkenntniss des fremden weltlichen Machthabers!) den Mofes feines Volkes (Philostorg. 2, 5) nannte. Er ist seinem Volke aber mehr geworden, ein Friedefürst und Glaubensbote, der die Gothen aus dem kriegslustigen Heidenthume zum Herrn des Friedens und aus dem Streitfüchtigen Christenthume der Griechenwelt zur untrüglichen Quelle der heiligen Schrift führte, die er ihnen in ihrem ganzen Umfange verdeutschte.

Die griechischen Kirchenschriftsteller, selbst die besten, haben den Arianern gegenüber vielfach die Thatsachen getrübt. Theodoret z. B. ist offenbar einseitig und ungerecht gegen Audius, der zur syrischen Kirche hielt und, wie wir fahen, bei den Gothen für ein reines unbescholtenes Leben wirkte (S. XIV). Nicht minder

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ist Theodoret eingenommen und leidenschaftlich gegen den Patriarchen Eudoxius von Constantinopel (389—370), den er sogar verabscheuungswürdig nennt, weil er den Ulfilas durch Vorspiegelungen bewogen hätte, den rechten reinen Glauben zu verlassen und fich und sein Volk dem Arianismus in die Arme zu werfen (Theodoret 4, 35. 37. vgl. Jorn. 26), während doch, als die Gothen im J. 375 über die Donau giengen, Eudoxius bereits fünf Jahre todt war. Sokrates dagegen (Hist. eccl. 2, 41. 4, 27) behauptet, Ulfilas habe erst auf der Kirchenversammlung des J. 360, welcher die Partei des Eudoxius und Acacius beiwohnte, dem Arianismus sich hin. gegeben ; Sozomenus wiederum (Hist. eccl. 4, 26. 6, 36. 37) berichtet, Ulfilas habe zwar unvorsichtiger · Weise (per inscitiam) an jener Versammlung Theil genommen, Sei aber damals und noch länger mit den nicäischen Bischöfen und Priestern in Gemeinschaft geblieben und sei (léyetai) erst später, als er zu Kaiser Valens nach Constantinopel gieng, um für seine Gothen Wohnsitze in Thracien zu erbitten, von den Versprechungen der Arianer gewonnen vom rechten Glauben abgefallen, dem die Gothen zuerst angehangen und angehört hätten; was auch Theodoret (4, 33) behauptet, während Philoftorgius, welchem Photius (Biblioth. 40) freilich Lügenhaftigkeit vorwirft, aussagt, dass Ulfilas von Anfang an Arianer gewesen sei, wie er selbst. Wenn derselbe Philoftorgius aber behauptet, dass Ulfilas schon unter Constantinus nach Constantinopel gekommen sei, um durch Eusebius von Nikodemien geweiht zu werden, so beruht diese allzugrosse Altersausdehnung für den schon siebenzigjährigen Bischof der Gothen offenbar auf der, vielleicht sogar nur handschriftlichen, Verwechselung des Vaters (Constantinus) mit dem Sohne (Constantius).

Wenn ferner Sokrates (4, 33) und Sozomenus vereint von Frithigem aussagen, dass er zum Danke für die vom Kaiser Valens ihm geleistete Hülfe des Kaisers Glaubensbekenntniss angenommen habe, so klingt das bei dem Fürsten und Volksführer eher möglich, als bei dem Bischofe, und besonders bei Ulfilas, wie dieser uns fonst entgegentritt ; oder wenn Isidorus Hispalensis (Chron.) und Jornandes (25. 26) des Valens Flammentod am Abend der Schlacht (S. XVII) als Strafe dafür darstellen, dass er durch die Verlockung zum Arianismus so viele edle Seelen dem ewigen Feuer zugeführt habe (ähnlich selbst Cochläus noch im Leben Theodorichs des Gr. 1544!), so klingt auch diess zwar ganz verzeihlich; wenn aber Theodoret (4, 37)

! behauptet, Eudoxius habe Ulfilas nicht nur durch die, schon angedeutete, Vorspiegelung, dass der Streit der Meinungen doch eigentlich wenig bedeute oder nur unbedeutende Unterscheidungen betreffe und nur aus Ehrgeiz (sidoriula) hervorgegangen Lei (wie auch Ulfilas seinen Gothen es wieder dargestellt habe), sondern letzterer habe fich von Endoxius sogar durch Geschenke (xenuaoi:, 5, 33) bestechen lassen, somit die Seinigen zu täuschen und zu verführen, — so enthält diese griechische Behauptung nach allen Seiten so viel Unwahrscheinliches, Unerwiesenes und Unwürdiges in sich, dass man daran zu zweifeln um fo volleres Recht bekommt, man Folgendes erwägt.

Einmal nämlich erscheinen die Gothen während ihres ganzen Auftretens in der Weltgeschichte wahrlich nicht so schwachgeistig, dass, während sie für den neuen noch jungen Glauben schon Blutzeugen wurden, fie sich durch einen schlau- oder Schwachkopfigen Bischof sämmtlich hätten sollen verlocken und verleiten lassen,

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wenn schon alle, auch die nicht arianischen Kirchenschriftsteller der Zeit darin über. einstimmen, dass Ulfilas von seinem Volke das höchste Vertrauen geschenkt worden. Was Ulfilas thue, sagten die Gothen, sei gut und müsse zum Heile gereichen: Ulfilas könne nichts Uebles thun (Sozom. 6, 37). Auxentius aber, sein dankbarer Schüler, Dennt ihn sogar fleckenlos und rein, ja heilig. Er (Auxentius), den Ulfilas von Kind auf erzogen habe, sei nicht im Stande ihn gebürend zu loben, vermöge aber auch nicht von ihm zu schweigen. Ganz in derselben Weise, wie die Griechen Ulfilas' Abfall vom rechten Glauben nachsagten, thater sie es auch dem Geiserich in Afrika (Idat. Chron.), und die Beweggründe die Theodoret aufbringt, sind ganz ähnlich denen, wodurch Leo der Ifaurier bewogen worden sein soll, die Bilderver. ehrung zu verbieten: weil er nämlich dafür habe erkenntlich sein wollen, dass zwei Juden in seiner Jugend ihm geweisfagt hätten, er würde Kaiser werden.

Von den Gothen urtheilt Sokrates (4, 33) am Unbefangensten, wenn er sagt „In Einfalt haben sie das Christenthum empfangen und schon verachten sie für den jungen Glauben ihr gesundes Siegerleben.“ Und von ihrem Glauben fagt Theodoret, dass sie sich am Wenigsten von den Catholicis entfernt hätten, nur den Sohn hielten fie für eine creatura, rom Vater einst 25 oủx örtwv geschaffen, daher sie auch Εξουκονιται oder (entftelle) Εξακονιται genannt würden.

Auch Kaiser Constantin hatte schon im J. 324 in seinem an Arius selbst und an dessen Gegner Alexander gerichteten Schreiben, das uns Eusebius von Nikome. dien aufbewahrt hat, geurtheilt, dass die ganze Schwebende Streitfrage zu geringfügig und von nur wenigem Belange fei, und wir werden weiter sehen, wie Ulfilas and seine gothischen Glaubensgenosfen aus dem ursprünglichen Wesen der Lehre des Arius selbst sich die Beharrlichkeit nehmen mussten oder nehmen durften, von der Auxentius oder vielmehr Ulfilas selbst am Ende seines thatenreichen und treuen Lebens an der Spitze seines hinterlassenen Glaubensbekenntnisses, vielleicht im Hinblicke auf vielfach ihm begegnete Verleumdung oder Verkleinerung, sagen-konnte: „So habe ich, Ulfilas, zu allen Zeiten geglaubt.“

Dieses Glaubensbekenntniss, das Auxentius uns lateinisch überliefert hat und das von Ulfilas ohne Zweifel gothisch niedergeschrieben, zugleich aber auch wohl griechisch und lateinisch hinterlassen worden war, lautet in seiner bezeichnenden Kürze Förtlich allo:

„J Wulfila, Bischof und Bekenner, babe alle Beit so geglaubt und bekenne diesen allein wahren Glauben vor meinem Gott und Herrn:

„Ich glaube an einen einigen ungebornen und unsichtbaren (oder untheilbaren) Gott Vater, und an seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn und Gott, den Schöpfer alles Gedönfes, dem Keiner gleich ist, sondern der Gott if Aller, auch über die Unsrigen; und an den heiligen Geift, die Araft, welche erleuchtet und beiligt (wie Christus zur Belehrung zu den Apofteln sagt: „Sich, ich werde die Verbeißung meines Vaters zu Euch senden; Ihr aber weilet in der Stadt Jerusalem, bis Ihr anziehen werdet die Graft aus der Höhe" (lu. 24, 49); desgleichen „Und Ihr werdet empfangen die Kraft, welche Euch überkenmen wird, den heiligen Grif“ (Ap.Gesch. 1, 8]), der felbft weder Golt noch Herr, sondern ein Diener Chrifti und dem Sobne in Alem untergeben und gehorsam ift, wie der Sohn in Allem untergeben und gehorsam ift Gott dem Vater, der immerdar beilig ift..... durch Chriftum Iefum und den beiligen Geist. Amen!“

Hier ist keine Spur von dem Streite über ouoouoios und Quocoúolos, der im griechischen Reiche bis in die Dörfer und auf die Märkte gedrungen war und in den Hütten wie am Hofe verhandelt wurde. Ja Auxentius, welcher den Inhalt jenes durch ihn aufbewahrten Glaubensbekenntnisses umständlich als die Lehre ausführt, welche sein Lehrer die vierzig Jahre seines Bischofsamtes unwandelbar gelehrt habe, zeigt uns in dieser ausführ’ichen Erörterung, wie Jener sowohl die Homooulianer als die Homoioufianer als beklagenswerthe, ja verabscheuungswürdige, gottlose Zersplitterer der Einen ewigen Kirche, als Verkehrer der heiligen Schrift, nicht minder aber auch alle und jede andere Sekten, die er namhaft macht (Manichäer, Marcioniten, Montanisten, Paulinianer, Sabellianer, Anthropianer, Patripassianer, Photinianer, Donatianer, Macedonianer u. f. w.) für un- und antichristlich verwor. fen, und wie ein trener Hirte die Wölfe und Hunde von seinen Gothen abgewehrt habe; nicht also ein feiger Miethling oder gleichgültiger Ueberläufer, wie Theodoret ihn schildert, sondern gerade ein rechter Eiferer für das Haus des Herrn, ein Feind aller Ketzerei, ein Nachfolger (imitator) der Apostel und Blutzeugen mit aller Klugheit und allem Fleisse bemüht, sein Volk zu erbauen, streng nach der Lehre der Evangelisten und der Ueberlieferung der Apostel, mit andern Worten, lediglich und streng nach der heiligen Schrift. Nach dieser habe Ulfilas die vierzig Jahre seines Bischofthumes in gothischer, griechischer und lateinischer Sprache, welche drei Sprachen auch die vandalischen Geistlichen in Afrika verstanden (Victor de perfec. Vand. 2, 5. 13. 4, 2) nur die Eine untheilbare Kirche Christi, die Säule und Feste der Wahrheit, die Eine jungfräuliche Braut, die Eine Königin, den Einen Weinberg, das Eine Haus des Herrn gepredigt, wogegen alle Sonderkirchen „Synagogen des Satans“ seien. Für solche Lehre habe er in jenen dreien Sprachen mancherlei und viele Abhandlungen und Auslegungen zum Nutzen und Frommen der Seinen, zur Erbauung aller Christen, sich selbst aber zum ewigen Gedächtniss and Lohne hinterlassen.

Nach solcher Ansicht lag natürlich nahe, die eigene Auffassung als aus der Schrift genommen auch für die alleinrichtige und somit jede andre Kirche, auch die griechische und römische, für irrgläubig oder abgeirrt zu halten, und es fehlt auch nicht an Beweisstellen, dass die Gothen ihre Kirche („gothicae legis“) geradezu die rechtgläubige (catholica) und das arianische Bekenntniss öfter fides catholica (Mai Fragm. 3, 233) genannt haben, so dass daher auch, wenigstens zum Theil, die Verwirrung der Kirchenschriftsteller gekommen sein mag, nach welcher z. B. die gothiSchen Märtyrer unter Frithigern als katholische bezeichnet werden (Augustin de civ. dei 18, 52. Ambros. zu Luk. 2), während Calliodor (8, 13) fie arianische nennt. Ganz richtig aber sagt demnach Salvianus von Marseille von den Gothen, Vandalen etc.: „Sie sind nur bei uns Ketzer, bei sich nicht; im Gegentheil, weil sie sich für rechtgläubig (catholici) halten, so sind wir ihnen Ketzer (haeretici)", und ernst setzt er (B. 7) hinzu: „Wir Römer sind Ketzer in unserem Wandel, während die Gothen und Vandalen ein katholisches d. i. keusches Leben führen."

Es war aber aller Wahrscheinlichkeit und der ganzen persönlichen Erscheinung

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