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Verhagen zwei Monate lang, bis er ihnen endlich die Schlacht bot. Ein wahrer Held stand Tejas den ganzen Tag vor der geschlossenen Schaar der Seinen, geschützt vom hohen Schilde, in dem er alle Speere der Feinde auffieng, bis derselbe davon zu schwer ward, worauf er je eines anderen begehrte. Bei einem solchen Schildwechfel aber ward er tödtlich in die Brust getroffen. Seine Gothen kämpften unverzagt fort bis zur Nacht und wieder am anderen Morgen. Da endlich hielten sie um freien Abzug zu andern freien Deutschen an, den ihnen auch Narfes gern gewährte. Es waren nur noch 1000 Mann übrig, die unter Indulfus nach Ticinum über den Po giengen. Hier gesellten sich zu ihnen die übrigen Gothen (Procop., Agathias), denen die Franken die Nothhülfe verweigerten, nicht so die beiden alamannischen Brūder Lentharis and Butilin: diese durchzogen mit 75000 Mann (Alamannen, Franken und Gothen) in den Jahren 553, 554 Italien, unterlagen aber. Es fiel Phul. karis der Heruler, es fiel Ragnaris der Gothe; und 7000 Gothen, die von allen denen, welche zwanzig Jahre lang um ihre Erhaltung und Rettung gekämpft hatten, allein noch übrig geblieben waren, wurden nun nach Constantinopel abgeführt (Agathias). Wenige andre gelangten nach Rhätien und Noricum (nicht nach Gothland in Schweden, wie Nicolaus Petrejus in S. Origg. Cimbr. et Goth. S. 100 träumte). –

So ist denn auch dieses grosse oftgothische Reich (wie einst Ermanarich's) vor unfern Augen in Trümmer gegangen, und aus all den ungeheuern Anstrengungen, welche unter Blatströmen gemacht worden varen, um auf welschem Boden künstliche Staatenbaue aufzurichten und zu erhalten, sind nicht einmal die Liederklänge auf uns gelangt, in welchen die Gothen und übrigen deutschen Stämme „pene historico ritu“ (f. S. XVII. XXXI.) die Thaten ihrer Könige fangen.

Auch vom ganzen grossen Vandalenreiche in Afrika ist nichts übrig geblieben, als ein meslingenes Gewicht (oder Töpferstempel?) mit dem Namen RAGNARI und die svei, obenein noch schwierigen Anfangsworte eines Gebetes „Sihora armè [n],“ Felche der h. Augustinus aufbewabrt hat und welche „Miserere (d. i. armái) domine“ bedeuten sollen. Fast fünfhundert Jahre haben deutsche Männer gegen den römischen Kolofs angekämpft, bis er sie in seinen Sturz mit hineinzog. Auf seinem Schutte hatten sie gehofft ein frisches Leben zu wecken, neue Staaten zu gründen oder das alte , morsche Gebäude zu stützen: ein grosser Irrthum. Romanisch und Germanisch sind nie eine echte Wahlverwandtschaft eingegangen; Mittelmeer und Ostlee konnten sich nie mischen; römische Rechthaberei und schlichtes deutsches Wesen wurden nie Geschwister.

Diejenigen Gothen, welche früher als andre deutsche Stämme schon in den Donanländern durch ihren treuen Bischof Urfilas Christen geworden waren, hatten diefen ihren neuen und jungen Glauben, wie sie ihn mit deutscher Tiefe ergriffen, auf allen ihren rauhen blutgetränkten Bahnen unerschütterlich fortgetragen und selbst die ferpentrückten Vandalen befassen ihre wohlgeordnete Kirche, und ihre Bischöfe begleiteten sie selbst in die Schlachten (Hieronym. epist. ad Heliodor.). Den Frieden und die Frische, welche fie, als ursprüngliche Morgengabe vom Bade der Nerthus, zu dem neuen verklärten Glauben mit herüber gebracht hatten, trugen Sie nun auch durch die erstorbene alte Welt weiter. Der in Köln oder Trier geborne Bischof Salvianus von Marseille rühmt in seiner Schrift De gubernatione Dei an den Gɔ. then und Vandalen, die er sonst eben nicht, mag, die wunderbare Liebe und Einigkeit (affectum et charitatem). Mit Gebet giengen sie in den Kampf. Ihr König, sagen die Geschichtschreiber, bete auf seinem Lager bis zum Morgen der Schlacht. Als Totila im J. 533 zu seiner eigenen Ueberraschung Rom nächtlich überrumpelt und eingenommen hatte, gieng er am Morgen zuerst in die Peterskirche, um anzubeten. In den Schlachten, selbst in Spanien noch, trugen lie die heiligen Schriften („librum divinae legis, facri voluminis scripta“: Salvian 7, 9—13) vor sich her, ohne Zweifel in Ulfilas Uebersetzung, die auf solche Weise aus den Donauländern mit nach Italien, Gallien und Spaniev, ja bis nach Afrika wanderte. Die Vandalen leisteten den von ihnen Besiegten auf das Evangelium den Eid und hielten ihn unverbrüchlich (Oros. 3, 20). In Zeltkirchen hielten sie ihren Gottesdienst (Hieronym. ad Heliodor ), ihre Priester ehrten sie aufrichtig, denen der Andersglaubenden erwiesen sie gleich tiefe Verehrung (Salvian. 7). Als Alarich 543 in Rom eingezogen war, empfieng er die katholische Geistlichkeit, an ihrer Spitze den Diakonus Pelagius (der im J. 558 Bischof ward), mit vieler Achtung und Ehrfurcht. Feletheus der Rugier und Odoaker der Heruler fragten den h. Severin um Rath (Vita S. Severini) und die westgothischen Könige liessen sich von ihren Bischöfen an ihre Pflicht mahnen (Concil. Tolet. 475).

Als Alarich zum dritten Male zur ewigen Stadt zog, sagte er zu einem Mönche, welcher ihn auf dem Zuge vom Blutvergiessen abmahnte, er ziehe nicht aus eignem Willen hin, sondern es treibe und beunruhige ihn beständig Jemand mit den Worten: „Mache dich auf und zerstöre die Stadt“ (Socrat. 7, 10. Sozom. 9, 6). Er zerstörte sie aber nicht (Oros. 7, 37), sondern schonte ihrer, besonders der Kirchen (Oros. 7, 39. Augustin. de civ. Dei 1, 1. 7), schenkte den fürbittenden Geistlichen Gehör (Zosim. 5, 45. 50), schützte sie, gab ihnen Geleit und liess das Zufluchtsrecht der unverletzten Kirchen, namentlich der Apostel Petri und Pauli (also weder Kephisten noch Paulisten!) laut verkünden, wohin sich denn auch viele retteten. Der h. Augustinus (de civ. Dei 1, 1. 2–4. 7. 34. 3, 29. 5, 23. Sozom. 9, 9. Jorn. 30) kann nicht genug die Milde der Barbaren preisen, welche, wie sie vorher sich gelobt (Ifidor Chron. aer. 447), der Kirchen und der Senatoren geschont hätten.

Ein Gothe kam bei jener Eroberung in einem Kloster zu einer Jungfrau und forderte von ihr ohne Ungebühr Gold und Silber. Da brachte sie grosse, schwere und schöne Schätze dar, dass der Gothe erstaunte. Als aber jene sagte, dass es Gefässe des h. Petrus seien, da liess er davon ab und eilte mit der Nachricht zu Alarich, welcher die Gefäfse alsbald unter Bedeckung seiner Gothen und von ihnen selbst getra-. gen zur Kirche des Apostels bringen liess. Staunenerregend wuchs in den Strassen der Zug je mehr und mehr an: Gothen und Römer, Christen und Heiden, welche Loblieder fangen (Iridor. Chron. Oros. 7, 39. Calliodor 12, 20). Andre Gothen führten die Wittwe Marcella mit ihrer Tochter Principia zur Kirche des h. Paulus (Augustin. ad Principiam ep. 96. 154, ad Demetriad. ep. 97, ad Gaudentiam ep. 98. Vgl. Sozom. 9, 10). Ein andrer Gothe, schon wilder, wollte einem schönen Weibe Gewalt anthun und hatte sie bei ihrem kräftigen Widerstande am Halle verwundet. Da sie ihm nun, vom Blute übergossen, ruhig ihren Nacken darbot, staunte der Gothe

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und führte sie zar Peterskirche, übergab sie daselbst den Hütern und hinterliefs obendrein fechs Goldstücke zu ihrer Pflege und Kost (Sozom. 9, 10).

Als die Gothen im J. 456 Bordeaux verheerten, ward die Züchtigkeit und Schamhaftigkeit der weiblichen Gefangenen auf keine Weile verletzt („Illusae penitus nullo adtendente pudore“: Paulin. vita 321). Totila liess einen seiner LeibFächter, der eines Bürgers Tochter gemisbraucht hatte, sogleich tödten (Procop.). Auch er selbst, als er im J. 546 bei seiner zweiten Belagerung Roms von der ostischen Seite her stürmend in die ausgehungerte Stadt eindrang, liess die ganze Nacht bindurch die Kriegshörner erschallen, damit die Bürger sich in die Kirchen retten oder Ferborgen halten konnten. Er wehrte der Mordlust auf jede Weise 'und liess besonders der Weiber schonen (Procop. 3, 20. Hist. misc.). Am andern Morgen gieng auch er zuerlt zur Peterskirche beten, ermahnte seine Gothen zur Gerechtigkeit und strafte die römischen Sepatoren in harter Rede wegen ihrer Undankbarkeit. Als aber Pelagius vermittelnd sprach, vergab Totila und war gegen die Römer fortan leutselig wie ein Vater (Paul. Diac. Hist. misc. 15. Aimoni. 2, 33). Es bedurfte dazu aber nicht erst der brieflichen Mahnung, die Königin der Städte zu schonen, Fon Seiten Belisars, welcher als er im J. 536 Neapel einuahm, gegen alle Alter und Geschlechter entsetzlich gewüthet und weder der Paläste noch der Kirchen geschont hatte. Rom dagegen konnte durch Alarichs und Geiserichs EinDahmen noch lange nicht so arg gelitten haben, da es auch bei Totilas vierzehntägiger Plünderung, die er den Seinen gestatten musste, noch reich zu nennen war (Procop. 4, 21).

Der h. Augustinus hielt alle die Uebel, welche Rom damals erleiden musste, wie folche mit jeder Belagerung, Erstürmung und Plünderung grosser Städte unvermeidlich verbunden sind (Procop. 6. 4. 1; Oros. 7, 39) und dort die Christen so gut wie die Heiden trafen, für eine barmherzige und hoffentlich bessernde Züchtigung Gottes, der aber die Römer bald wieder vergassen (Oros. 1, 6). Zugleich gesteht auch Jener, dass Rom bei diesem schrecklichen Einbruche der Gotben lange nicht fo viel gelitten habe wie durch Marius und Sulla (Augustin. de civ. Dei 3, 29), Cäfar and Pompejas (3, 29), wie Gallien (Oros. 6, 12) und Spanien (Oros. 4, 6) unter den Römern oder wie das römische Reich durch die Christenverfolgungen (Oros. 7, 8. 15).

Gleich Augustinus hielt auch Salvianus den Einbruch der Germanen in das rómische Reich, den Tacitus schon geahnt hatte (,,urgentibus jam imperii fatis“), für das Strafgericht Gottes über die ganz verdorbene römische Welt, deren sittlicher Verfall fich rom ersten Falle Karthago's herschrieb (Augustin. de cir. Dei 2, 18. 1, 30), und schon Pabst Leo, der im J. 452 dem Attila, 455 dem Geiserich entgegentrat, letzte auf die Berufung der Heiden seine Hoffnung für eine geistige Erneuung der Menschheit (serm. 8). Dasselbe behauptete der Verfasser der Schrift De vocatione gentium.

Die Barbaren, sagt Orolius (7, 40. 41), kamen ins Land, um Christum zu erkennen (S. XII). Mit klarem Blicke wandten die unverdorbenen Söhne des Nor. dens fich zur ursprünglichen Quelle des Heils, zur heiligen Schrift zurück. Wie sie aber auf ihren Zügen durch Griechenland etc., der christlichen . Kirchen schonend, vorzugsweise die heidnischen Tempel zerstörten (Augustin. de civ. Dei 5, 30. serm. 105, 10. Socrat. 7, 10), so wandten sie sich auch von den römischen Rechtgläubigen ab, die, weil ihnen ihre unchristliche Feigheit nicht half, stets wieder zu den heidnischen Götter ihre Zuflucht nahmen (S. XXX). Ihr Christenthum selbst athmete eben immer noch den „ fpiritus paganitatis“, so dass Pabst Leo lagen musste , Sic vitiati sunt omnes, ut pene nihil fit, quod absque idololatria transigatur“ (Serm. 7). Den Heiden aber macht der h. Augustinus den Vorwurf, dass sie dem Christenthume die Heimsuchung Gottes schuld gäben, während sie doch in den christlichen Kirchen und an den Gräbern der Märtyrer durch die Barbaren verschont worden seien (Augustin. de civ. Dei 1, 1-7). Als Alarich zum dritten Male in Rom einzog udd Alles zu den Kirchen seine Zuflucht nahm, wurden thatsächlich auch viele Heiden gerettet, sobald sie nur Christi Namen aus ihrem Munde hören liessen.

Die Wehen und Wunden der hier in ihren Anfängen geschilderten Wiedergeburt europäischer Menschheit sind längst verharscht und verschmerzt; mit der Herrlichkeit Rom's sind auch die auf seinen Trümmern errichteten gothischen, fuevischen, vandalischen Reiche in Afrika, Spanien, Italien wieder untergegangen, scheinbar ohne Nachwirkung, obgleich keine grosse Weltbewegung spurlos vorüberzieht. Aber ein grosses Denkmal jener stürmischen Zeit, zugleich des reinsten friedlichsten Geistes, der hinter allen jenen Greueln der Verwüstung sein stilles Wesen und Wirken geltend machte, ist auf uns in Ulfilas Bibelübersetzung , freilich auch vor trümmerhaft, vererbt, ein Zeugniss ungefärbter christlicher Auffassung und Erkenntniss, zugleich die älteste Urkunde unserer Muttersprache, die daraus auf eine Weise hervorleuchtet, dass jene der Stern und Kern einer ganz neuen Wissenschaft geworden ist (S. IX). Dieser gothischen Uebersetzung der heiligen Schrift unfre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden ist hiernach noch unsere Hauptaufgabe.

Nach natürlichem Drange und Rechte hatten schon früh die um das Mittelmeer gesessenen Völker, bei denen die lateinische Sprache angeboren herrschte oder sonst zur Herrschaft gelangt war, und zwar fast früher in Afrika als in Italien, bald aber auch die fyrischen und chaldäischen, die ägyptischen and äthiopischen ChriSten die heiligen Schriften, den Geist festhaltend, aus dem griechischen Texte in ihre Landessprachen übersetzt. Gleichzeitig mit diesen, ja zum Theil schon früher, jedenfalls noch vor der lateinischen Uebersetzung des h. Hieronymus, gieng aus demselben Triebe und Drange die Arbeit des gothischen Bischofs hervor.

Alle Kirchenschriftsteller sprechen ihm diefe bedeutsame Arbeit zu (vgl. oben S. XXIII), und während Socrates (4, 33) und Sozomenus (6, 37) dieselbe nur im Allgemeinen bezeichnen, sagt Philoftorgius (2, 5) und später Isidorus (chron, ad. aer. 576. u. chron. goth.) auf das Bestimmteste, dass Ulfilas sümmtliche Bücher der h. Schrift, sowohl des Alten als des Neuen Bundes über setzt habe, mit der einzigen Ausnahme, wie Philoftorgius wissen will, dass jener die Bücher der Könige unübersetzt gelassen habe, weil er gefürchtet, dass sein Volk, welches aus seinem Heidenglanben so schon das del učxeojai (selbst in Walhalla droben bei Wodan) mit herübergenommen, durch jene kampferfüllten Bücher noch kriegerischer werden würde. Das

oft genug

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klingt wie gut unterrichtet, und dennoch wird theils durch den Hinblick auf die unfreien und ungevauen Angaben jener Griechen über den Arianismus der Gothen (f. S. XIX-XXI), theils durch die Betrachtung, dass die Bücher der Makkabäer, von denen Philoftorgius nichts fagt, mit ihren Troft- und Trutzworten eine weit reichere Quelle fowohl für kriegerische Begeisterung als für königliche, volksthümliche und staatliche Weisheit bilden, die Richtigkeit jener Nachricht wieder zweifelhaft. Freilich sind diefs nur apokryphische Bücher, aber im Kirchenkalender gerade der fraglichen Jahrhunderte werden doch auch functi Maccavaei aufgeführt, und wir werden sehen, dass für Uebersetzung der Makkabčer nicht wenig Wahrscheinlichkeit spricht. Hatte übrigens Ulfilas die Bücher der Könige in der That nicht übersetzt, so würde er damit wohl auch die Bücher der Chroniken baben fallen lassen, auf welche sich jene, wie umgekehrt diese,

beziehen. Eine andre, wohl wichtigere Frage ist, ob Ulfilas im neuen Bunde die Apostelgeschichte, mehr noch die Offenbarung Johannis und vor Allem den Brief Pauli an die Hebräer übersetzt habe, welchen letztren bekanntlich die Arianer nicht liebten und der auch thatsächlich in der einen der mailändischen gothischen Handschriften, Felche in der Reihenfolge der paulinischen Briefe den an Titus enthält, gleich nach diesem fehlt, während an dessen Stelle das Bruchstück eines gothischen Martyrologiums oder Kalenders (S. XV) steht.

Bis zum Jahre 1756, in welchem Abt Knittel in einer Handschrift zu Wolfenbüttel, wohin diefelbe (mit andren) erst 1678 durch Kauf über Mainz aus Weissenburg gekommen war, auf vier abgebimsten Pergamentblättern (überschrieben mit des Ifidorus Hifpal. Origines) einige Bruchstücke gothischer Uebersetzung des Briefes an die Römer (aus den Hptst. 11—15), mit nebenstehender lateinischer Uebersetzung, fand, mit Hülfe des Upsalers Jonas Appelblaed las und 1762 bekannt machte, waren ans der in der zweiten Hälfte des 16. Jhd. zu Werden hervorgezogenen s. g.

Silbernen Handschrift (Codex Argenteus), die nach vielen Schicksalen jetzt zu Upsala bewahrt wird, pur die vier Evangelien und auch diese nur in sehr verstümmeltem Zustande bekannt und zugänglich gewesen. Dazu gesellten sich zwei lateinische Vere kaufsurkunden aus Ravenna, anter deren einer (die jetzt zu Neapel aufbewahrt wird) vier, unter der andern (die einst zu Arezzo war) ein gothischer Geistlicher mitten unter lateinischen Zeugenunterschriften in gothischer Sprache und Schrift Zeugniss ablegen.

So war der Umfang gothischer Sprachdenkmäler bis 1817 beschaffen ; da erkannte der nun auch schon als Cardinal zu Rom verstorbene. Abbate Angelo Mai auf Pergamentblättern zu Mailand, welche Sämmtlich aus dem nahen Kloster Bobbio an der Trebbia stammen und thatsächlich wegen der im achten Jahrbandert etwa drüber geschriebenen lateinischen Schrift schon öfter durch die Hände Felscher Gelehrten gegangen waren, vielfach erloschene Denkmäler gothischer Schrift und Sprache, und zwar fast sämmtliche paulinische Briefe, mehrfach sogar in Doppelhandschriften; welche seitdem durch den mailändischen Grafen C. 0. Castiglione, freilich langsam (1819. 1834. 1835. 1839), doch tüchtig, in gothischen, denen des Franz Junius nachgeschnittenen Lettern, veröffentlicht worden sind.

Trat schon in jenen Doppelhandschriften, einzelne Abweichungen abgerechnet,

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