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weitige Rücksichten abgehalten hätten; weshalb ich mir mit gegenseitigen Klammern (eckigen und runden) beim gothischen und griechischen Texte genügen liess, alles Uebrige und Befondre aber bei dieser Schulausgabe in die Anmerkungen verwies. In diese ist, beide Zwecke dieser Auf- und Ausgabe im Auge behaltend, in aller Kürze Vieles, was die Lesung der gothischen wie griechischen Handschriften und auch, was den Geist der gothischen Sprache betrifft, hineingelegt worden, weshalb auch stets hinlänglich viel Gleichstellen beigebracht worden sind.

In der geschichtlichen Einleitung habe ich, nach Darstellung von Ulfilas Leben und Lebenswerke für alle Stäm der gothischen Sprache (ana gutthiudái), ausführlicher von der Sicherheit oder treuen Ueberlieferung ihrer auf uns gekommenen Handschriften, als worauf die ganze Werthung der gothischen Bibelübersetzung beruht, gesprochen und bin hier, die ganze Fülle der vereinzelten Lesarten und Fehler mehr, als in der seiner Zeit auch darin verdienstlichen Ausgabe von Gabelentz und Löbe geschehen ist und geschehen konnte, unter Einen Gesichtspunkt zu bringen, aus Einem Gesetze der Schrift zu erklären bemüht gewesen; wozu mir Uppström's Abdruck der silbernen Handschrift besonders durch genaue Einhaltung der handschriftlichen Zeilen sehr dienlich gewesen ist: weniger war er mir dies in seinen sanskritanischen Wörtererklärungen (wie zu vituths : Mc. 10, 38) oder griechischen (zu tharihis: Mt. 9, 16) oder gar gothischen (wie zu manvitho: L. 14, 28; naisvor: Mc. 6, 19; managans láun: Mc. 10, 45; gananthida: L. 5, 4; gabadáuthnith: J. 11, 25 u. f. w.), wie im Latein seiner Anmerkungen, worin wir die Abmessungen der Wortlücken in der Handschrift nach dem Decimalmasse oder die mühselige Beschreibung eines N (J. 9, 4) gegen eine erträgliche lichtbildliche Abspiegelung zweifelhafter Stellen ihm gerne erlassen hätten. Dagegen danken wir ihm die Abänderung mancher auch bei Löbe noch altvererbten Lesart (wie baírabagms: L. 17, 6; attivhats : Mc. 11, 2; galiugachristjus : Mo. 13, 22; innatgahts: L. 1, 29; gafkóki: L. 10, 4. 15, 22; lukarnastathin u. garda: Mt. 5, 15; alabrunsts: Mc. 12, 33 und auch die Bestätigung des von Löbe erst nach der Heimkehr er

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rathenen vulthrizans: Mt. 6, 26; u. f. w.); obgleich er uns auch neue Räthfel bietet (wie ibdalja: L. 19, 37 u. bimampjan: L. 16, 14 etc.) und alte wieder vorlegt (wie áibr : Mt. 5, 63; plapja: Mt. 6, 5; gistradagis: Mt. 6, 30; tharihis: Mt. 9, 16; unsibjana: Mt. 7, 23; Joséz : Mt. 27, 56; suns sa ahma: Mc. 1, 12; .. aisvor: Mc. 5, 16; balsagga: Mc. 9, 42; hvairneins staths Mc. 10, 22; afar: L. 1, 15; tvalibvintrus: L. 2, 42; du vigana: L. 4, 31; bnáuan : L. 6, 2; gananthida ; L. 5, 4; frét: L. 15, 30; juna guth; J. 17, 3; gabadáuthnith: J. 11, 25 etc.); woran sich die Lesarten aus Mailand reihen: jah ráisida: R. 9, 17; liubona unliubóna : R. 9, 25; inuhthiudôm: R. 10, 19; alláizê runố8 : 1 C. 13, 2; all b3ko ... thaúrflos : 2 Tm. 3, 16; huhjands: 1 C. 16, 2; uhtiugs: 1 C. 16, 12; munth unfar: 2 C. 6, 11; arbjos unfaris: E. 1, 14; gavalisa: C. 3, 12; andáugi izvara: 1 Th. 2, 11; hvai:68: 1 Th. 4, 2; sutja lôs: 1 Tm. 2, 2; háunitha: 1 Tm. 2, 11; gaman 2 C. 13, 13 (vgl. G. 2, 8); munafidáu : 2 Tm. 3, 10; ubila biarja: Tit. 1, 11; bijandzuh: Philem. 22; guitsa: N. 5, 18; aufôna: N. 6, 16 u. f. w.; über welche sämmtlich in den Anmerkungen Rechenschaft gegeben, Vermuthung gehegt, Besserung gewagt worden ist. Gáits . a . hat Löbe seiner Zeit schon anerkannt, in allen Wörterbüchern und Sprachlehren steht aber lautwidrig immer noch gáitsa, was schon zu gáitein(s) gar nicht passte. Ob sich váisvör (Mc. 5, 16) durch seine geringe Aenderung und tiefe Bedeutung empfehlen werde, wollen wir erwarten; die Erklärung von managein seinamma (R. 11, 1) wird sich Anerkennung erwerben. Andre Besserungen sprechen für sich selbst.

Den gothischen Text habe ich gänzlich in lateinischer Schrift durchgeführt. Hätte ich gothische gewählt, wozu mich der Besitz dreier schöner, abgestufter ABC, die ich der Güte des sel. Endlicher danke, sehr reizte, so würde weder „Germanologen“ noch Theologen damit gedient gewesen sein. Freilich hab' ich drum auch das angelsächsische th (P) gemieden; noch mehr die unglücklichen w st. hv und q für qu oder kv (gleich dem ags. cv, das Verelius schon anwendete), wodurch die ganze Reihe der h, hn, hr, hv u. kv zur Anschauung kommt. Ein gothisches o mitten in lateinische Schrift aufnehmen, hiesse allem Geschmack absagen. Für eine

Schulausgabe lag nahe, durchweg die langen Selbstlaute (é u. ó neben a u. u) so wie ái u. aí, die áu u. zu bezeichnen; vaila liess ich wohlweislich offen; gabaúrjaba u. baúrjóthus wird mir J. Grimm nach dem, was er in seinem deutschen Wörterbuche Sp. 1175 unter Bauer gesagt, nicht gelten lassen, so wenig wie ihre Stellung unter bairan (s. 675). Eben so wenig wohl áihtrôn, áihts, áihta, als zu digan gehörig (S. 667).

Das Wörterbuch habe ich, den Zweck streng im Auge, auch streng nach dem ABC und dennoch wiederum wurzelhaft (beides lässt sich gar wohl vereinigen), übrigens auch streng nach der Folge des lateinischen ABC (also g nach h, th unter t, wie hv unter und nach hkv nur k), geordnet.

Leider musste aus äusseren Gründen die Sprachlehre mit der Formen. lehre abbrechen. Noch leider aber thun mir manche Druckfehler, die bei wei. ter Entfernung des Druckortes, oft nach und während der Verbesserung noch eindrangen (man vgl. z. B. 5 Mof. 32, 21 u. 1 Th. 5, 5) und die ich in einigen besondern Fällen schon in den Anmerkungen berichtigt habe.

Das nachfolgende Inhaltsverzeichniss besagt von selber, dass nicht nur die „Skeireins,“ sondern auch der gothische Kalender (oder das Martyrologium), die gothischen Urkunden, das gothische Distichon ihres Ortes aufgenommen, somit sämmtliche der Zeit uns zuständige gothische Sprachdenkmäler hier wieder vereinigt worden sind. S. LVIII—LIX aber lässt überblicken, was aus dem Alten Bunde uns wirklich erhalten, was aus den Anführungsstellen des N. B. daraus entnommen und nicht unlehrreich zurück aufgestellt worden ist.

Es ist mir in dieser Ausgabe des Ulfilas ein Lieblingsgedanke und langjähriger Wunsch meines Lebens erfüllt. Schon vor Jahren, in München Doch, trug ich den Plan mit mir, wie früher zu den gothischen Ueber- . resten nach Mailand, Rom und Neapel (1833), so auch zu erneuter Vergleichung des Codex argenteus nach Upsala zu reisen; und hier in meiner Vaterstadt dem Aufbewahrungsorte der filbernen Handschrift um so viel näher gerückt, durfte ich mich der Hoffnung einer baldigen Verwirklichung

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meines Planes hingeben. Eben im Begriffe die Reise dorthin anzutreten, erschien Uppströms mit diplomatischer Genauigkeit besorgter, zeilengetreuer Abdruck, der mich der Mühe einer weitern Vergleichung überhob, und gleichzeitig ergieng an mich von Seiten der Verlagshandlung die Aufforderung zu Besorgung einer neuen, dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechenden und zugleich wohlfeilen Ausgabe. Die Vereinigung dieser Umstände war zu günstig und ich war so hinlänglich darauf vorbereitet, als dass ich länger hätte zögern dürfen, meinen Lieblingswunsch zur Ausführung zu bringen. Von der Verlagshandlung aufs bereitwilligste unterstützt, habe ich Alles gethan, um durch Hinzufügung des griechischen und lateinischen Textes der heiligen Schriften, des Wörterbuchs, der Sprachlehre und historischen Einleitung der Ausgabe diejenige practische Brauchbarkeit zu geben, die zu einem erfolg- und segensreichen Studium der ältesten Denkmäler unserer Sprache durchaus erforderlich ist.

So möge denn das geliebte Buch hinausgehen und der Sache wie der Sprache in Schulen und bei Gottesgelehrten neue Freunde und Jünger gewinnen.

Berlin, am 10. October 1856.

H. F. Massmann.

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