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1) und 2) Das Majestät- und das Insigl, der beider sein Gnad gebrauchet hat, da er Röm. König was;

3) zween messen Stämpfel zu gülden Bullen, die auch. dem Röm. Königreich zugehören,

4) u. 5) zwei Stück der Kaiserl. Maj. (Formen für das

Münzsiegel) und auch den klein Insigl, die sein Gnad gebraucht hat, nach der Kayserlichen Krönung (Ersatz für 1 u. 2),

6 das silbere Zeichen, das man in die Privilegien drucket. Das Kloster Rotenmann in der Steiermark (gegründet 1455) hatte zwei authentische Siegel.

1) Spitzoval, unter einem gothischen Baldachin ein Heiliger in Bischofskleidung, in der Linken ein Buch mit drei Äpfeln haltend (S. Nicolaus), vor dem ein Mönch kniet. Über dessen Kopf die Zahl 1481. Umschrift in deut

scher Minuskel:

s. prepositi. monasterii. sancti. nicolai. in. rotenman. Gröfse 74 mm.

2) Spitzoval; gothischer Thronhimmel, in dessen mittleren. Theil der heil. Nicolaus erhöht sitzend, im bischöflichen Ornat, in den Seitentheilen je drei kniende Mönche. Unten quer ein gerolltes Band mit der Zahl 1482. Umschrift in gothischer Minuskel:

s. conventus. monasterij. sancti. nicolai. in rotenmann. Gröfse 90 mm.

Im Codex 113 des steierischen Landesarchivs finden sich folgende auf diese beiden Siegel bezüglichen Eintragungen:

Item sculptura sigilli prepositare facta circa festum sancti Laurency anno domini 1481, constat XII talenta denariorum.

Item sculptura sigilli conventus expleta anno domini 1482, circa festum s. Michaelis, constat XVI tal. den.

Nach der nämlichen Aufzeichnung hatte das Kloster aufserdem noch folgende Siegel:

3) sigillum fundi, → labor sive

sculptura circa aurifa

brum constat III talenta, V ẞl anno domini 1480 in. adventu domini.

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4) Item labor secreti majoris constat X 81 XII anno 1482 circa festum Pasce.

5) Item minoris secreti sive anuli mit dem puffl constat labor IIII Banno domini 1482.

Für die kleinsten, nicht authentischen Siegel, namentlich Ringsiegel, welche man nur zu Versiegelung von Sendschreiben zu verwenden pflegte, kommen zu Ende des 14. Jahrhundert die Bezeichnungen Petschaft und Petschier, Pitschier, in Gebrauch. Beide Worte sind slavischen Mundarten entlehnt. Petschaft entspricht dem böhmischen pecet; Petschier ist das slavische petsch oder pitsch mit romanisierender Endung.

Als Figur 80 folgt das Petschaft ohne Umschrift, des Herzogs Albrecht IV. von Österreich, 1396 als Rücksiegel verwendet. Das Abzeichen des Drachenordens um

schliefst den österreichischen Balkenschild.

Fig. 80. Petschaft des Herzogs Albrecht IV. v. Österreich.

Im nämlichen Jahre besiegelt Herzog Albrecht eine Verleihung von Wein-Umgelt mit einem winzigen Gemmensiegel. Die Siegelformel lautet: Under unser Pettschafft wan wir unser Insigl nuezemal bei uns nicht nicht hetten.

Die Herzöge Ernst und Friedrich von Österreich versiegeln 1402 eine Urkunde mit ihrem Petschaft, da sie noch nicht eigenes Insiegel haben. Das Petschaft des Herzogs Ernst hat ein Durchmesser von 17 mm und enthält den Schild Österreich umgeben von einem Drachen, ohne Umschrift. Das Petschaft des Herzogs Friedrich zeigt ebenfalls den Schild Oesterreich, von einem Kranze umgeben ohne Umschrift.

Elisabeth. seit 1422 Gemahlin des Herzogs Albrecht von Österreich (später römischer König) besiegelt 1423 einen Verzichtbrief mit unserm angehangen Petschafd, wann wir

noch nicht aigen Insigel haben». Dieses Petschaft, 30 mm grofs, ist ein schöngeschnittenes Wappensiegel ohne Umschrift.

Junker Ulrich zu Aurich erhält 1448 von Udo Riekena zu Barstede 500 Goldgulden und 4 am Schlofsgarten zu Aurich gelegene Grundstücke und gewährt ihm dafür adelige Freiheiten. Die Siegelformel lautet: «Oerkond hebben wy

desen breff mit unsern rinckpitsch verseegelt».

Die Siegel sind entweder ein- oder zweiseitig bedruckt. Als zweiseitige Siegel gelten nur diejenigen, welche mit zwei gleichgrofsen, bestimmungsgemäss zusammengehörigen Stempeln bedruckt sind. Es sind namentlich die auf der Rückseite mit einem Gegen- oder Geheimsiegel versehenen Sigille nicht als zweiseitige anzusehen.

Die einseitigen Siegel wurden aus Wachs, die zweiseitigen aus Wachs, Blei und Gold hergestellt.

Die zweiseitigen Siegel aus Wachs nennt man Münzoder Doppelsiegel, die aus Metall: Bullen. (Kap. 3).

Die uralte Bezeichnung Bulle ist dem römischen Alterthum entlehnt. Bulle war im alten Rom eine amuletartige Figur, die man Kindern an den Hals hängte. Die Bulle der freigeborenen Kinder bestand aus edlen Metallen. Juvenalis nennt einen kindischen Menschen dignus bullae, würdig eine Bulle zu tragen.

Von den angehängten Siegeln rühren die Bezeichnungen gewisser Urkunden her: päpstliche Bulle, kaiserliche Goldene Bulle. Das von Kaiser Karl IV. erlassene Reichsgrundgesetz wird vorzugsweise «Goldene Bulle» genannt. *)

Es kommt nicht selten vor, dafs in einem Siegelkörper zwei verschiedene selbständige Siegel abgedruckt werden.

Der als Fig. 117 folgende Siegelkörper an einer Urkunde aus dem Ende des 12. Jahrhunderts enthält auf der einen Seite das Siegel des Abtes Rudolf v. Admont, auf der anderen das des Herrand von Wildon, der beiden Aussteller der Urkunde.

In ähnlicher Weise werden in Schottland gewisse von den Stadtbehörden ertheilte Urkunden (z. B. Zunftprivilegien) «Seal of cause» genannt.

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An einer Urkunde von 1231 (Königl. Archiv in Würzburg) hangt an blau und gelber Seidenschnur ein Doppel--siegel; die Hauptseite zeigt das auf S. 91 als Fig. 41 abgebildete 57 mm. lange schildtörmige Siegel des Grafen Otto von Botenlauben (so im Text der Urkunde) mit der Umschrift:

† Otto. Dei. Gratia. Comes. De. (Henne)nberg. Die Rückseite enthält das schildförmige Siegel seiner Gemahlin, 45 mm lang, mit genau demselben Wappen. Umschrift: Beatrix. Di. Gra. Commitissa. In. Hennenb'.

Fürst Borwin von Rostock verleiht 1237 der Abtei Doberan gewisse Privilegien und bekräftigt die Urkunde "sigilli nostri impressione». Das anhängende Siegel ist auf beiden Seiten bedruckt. Die Hauptseite enthält das runde Siegel Borwins von 72 mm Durchmesser (Greif im Siegelfelde) Umschrift:

Sigillum. Domini. Borwini. De. Rozstok.

Die Rückseite trägt das Siegel der Fürstin Sophie geb... Prinzessin von Dänemark, Gemahlin des Fürsten Borwin. (57 mm Durchmesser) das in Blumenranken stehende gekrönte Bild der Fürstin zwischen zwei Schilden, rechts der Rostocker,. links der Dänische. Umschrift:

Sigillum. Domine. Sophie. De. Roztok.

Die Fürstin wird in der Urkunde nicht erwähnt, sie kann daher als Mitsieglerin nicht bezeichnet werden. Fürst Borwin. scheint die Absicht gehabt zu haben, den Typus der Münz-siegel nachzuahmen. Propst Konrad von Rehna in Meklenburg stellt 1216 eine Urkunde unter seinem Namen aus :: C. dei gracia Renensis ecclesie prepositus etc. Nach der Siegelformel sollen zwei Siegel anhängen: ordinationem. ratam habentes ipsam presentibus protestamur et sigilli nostro et capituli roboramus. Die thatsächliche: Besiegelung ist nach Lisch folgende:

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An einer Schnur von violetter Seide hängt ein parabolisches Siegel, welches ein Rücksiegels hat:

a) Auf der vorderen Seite das Siegel des Klosters Rehna mit der Umschrift: † S. Sancte. Marie. Virginis. Et. Beate. Helizabeth. In. Rene.

b) Auf der Rückseite das kleine Siegel des Propstes Konrad v. Rehna: unter einer doppelten rundbogigen Nische links Adam und Eva, rechts ein Engel mit Flügeln und einem Schwert in der Hand (die Vertreibung aus dem Paradiese). Die Umschrift lautet: † S'. Prepositi. Conradi. In. Rene.

Im 13. Jahrhundert werden gewöhnliche einseitige Wachssiegel in den Siegelformeln ziemlich häufig im uneigentlichen Sinne als Bullen bezeichnet:

1214, Graf Friedrich von Brena: sigilli nostri munimine sed et bulla domini predicti marchionis orientalis.

1220, Heinrich Graf von Regenstein: bulle nostre impressione.

1226, Johann, Nicolaus und Heinrich, Gebrüder, Herren von Rostock: bullam nostram (angehängt ist das Siegel ihres Vaters).

1228, 1233, Herzog Otto von Braunschweig: bullam

nostram.

1241, Gottschalk der Ältere, Ludolf der Jüngere von Plesse, Bodo von Adelevefsen: quod bullarum nostrarum probamus appensione.

Die wesentlichen Bestandtheile des authentischen Siegels sind:

1) Das Siegelbild.

2) Der Name des Inhabers.

Zur Aufnahme des Siegelbildes dient das Siegelfeld, zur Aufnahme des in Buchstabenschrift geschriebenen Namen der das Siegelfeld einfassende Schriftrand.

Die den Schriftrand ausfüllende Schrift ist die Umschrift.

Buchstaben, Worte und Sätze die im Siegelfelde angebracht sind, heifsen Inschrift.

Siegel, die nur ein Siegelbild ohne Umschrift, oder nur den Namen des Inhabers ohne Siegelbild enthalten, kommen äufserst selten vor.

Siegel des Swigerus de Gundelvingen, liberae conditionis homo, an einer Urkunde von 1236. (Fig. 81). Dasselbe hat wohl einen Schriftrand aber keine Umschrift.

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