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Secret (Helmsiegel) des Herrn Nikolaus v. Rostock, genannt das Kind, v. 1309 (Fig. 100). Umschrift: † Secretum. Domini. Nicolai. De. Roztoc.

Herzog Ludwig von Bayern besiegelt 1310 eine Bauerlaubnis mit seinem «heimlichen Insigel», schild förmig mit

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Fig. 103. Secret des Fürsten Heinrich von Meklenburg u. Rostock.

den bayerischen Rauten.

Duc. Lud.

Umschrift: Serva. Secretum

Herzog Heinrich von Bayern siegelt 1311 mit einem Secret. Bild: Löwe, dessen Leib mit dem Rautenschild bedeckt ist. Umschrift: † S. Credencie. H. Duc. Bawe.

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Das Secret des Herzogs Heinrich von Braunschweig, den die Geschichte den Wunderlichen nennt, an einer Urkunde von 1316, (Löwenkopf) trägt die Umschrift:

Est. Ex. Henrico. Secretum. Quod. Tibi. Dico.

Secret des königl. Kanzlers Hermann von Lichtenberg (Fig. 101), hängend an einem Schuldbriefe über vier Pfund

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Fig. 105. Secret des Herzogs Rudolf IV. von Österreich.

Turnesen dd. Coblenz 2. Januar 1318: Brustbild eines Kriegers mit Schild und Lanze. (Fig. 101). Umschrift:

† Sec(re)tum. Meum. Semp(er). Serva.

Rücksiegel des Reitersiegels des Grafen Otto v. Ravensberg vom J. 1324. (Fig. 102). Das Reitersiegel mifst 77,

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das Secret 55 mm. Umschrift:

† Galea. Et. Clippeus. De Ravensberg.

Ein anderes Rücksiegel desselben Grafen ist in Bild und Umschrift gleichförmig, hat jedoch einen Durchmesser von 77 mm.

Secret des Fürsten Heinrich von Meklenburg und Rostock von 1328. (Fig. 103). Umschrift:

† Sect. Hirici. Di. Gra. Magnop. Starg. Et. Rozstock. Dni Secret des Grafen Johann v. Hoya um 1340. Die Bärentatzen sind das Stammwappen der Grafen von Hoya, das zwischen denselben angebrachte Schildchen repräsentiert das Wappen der erkauften Herrschaft Alten-Bruchhausen (Fig. 104.) Umschrift: † Secretum. Iohannis. Comitis. D. Hoya.

Secret des Herzogs Rudolf IV. von Österreich, 1359 als Gegensiegel des Reitersiegels, 1360 als selbständiges Siegel verwendet. (Fig. 105). Bild: Das Wappen Österreich, beseitet von je zwei Löwen, die unteren aufgerichtet, die anderen schreitend, je einen Wappenschild tragend. Umschrift: Ruodolfus. Dux. Austrie. Styrie. Karinthie. Swevie. Et. Alsacie.

3. Kapitel.

Die Bullen und Münzsiegel.

Die zweiseitigen Metallsiegel oder Bullen sind auf dem. Boden Griechenlands, von den byzantinischen Kaisern und Patriarchen von Constantinopel, zuerst gebraucht worden. Die Päpste siegelten seit dem achten Jahrhundert mit Bleibullen, bald darauf auch die Bischöfe Frankreichs.

Die ältesten Bullen der Päpste sind reine Namenbullen, erst im 11. Jahrhundert kam ein bildlicher Schmuck hinzu. Der bekannte Typus der päpstlichen Bullen entwickelte sich nach mannigfachen Versuchen im 12. Jahrhundert. Nachfolgende Übersicht zeichnet den Gang dieser Entwickelung:

Bleibulle des Papstes Benedict VIII. (1012-1024): Hauptseite in der Mitte eine sechsblätterige Rosette.

Umschrift: Benedicti.
† Benedicti.

P

PA

Rückseite: in drei Zeilen

PAE

Ähnlich ist die Bleibulle des Papstes Clemens II.. (1046—1047).

Bulle des Papstes Leo IX. (1049-54) Hauptseite: innerhalb eines Kranzes in zwei Zeilen die Zahlen IIII-V. Umschrift, in einzelnen Buchstaben, mit sechs Lilien abwechselnd: L-E-O-N-I-S. Rückseite: Rosette in kreisrunder Einfassung; Umschrift in einzelnen Buchstaben, mit fünf Lilien abwechselnd: P-A-P—A—E.

Die von Heineccius an zweiter Stelle abgebildete Bulle dieses Papstes an einer Goslarer Urkunde (mit Apostelköpfen. in Perleneinfassung) ist zweifellos gefälscht.

Bulle des Papstes Victor II. (1055-1057). Hauptseite nach rechts gewendetes Brustbild, die rechte Hand nach vorne ausgestreckt, verhüllt im Bausche des Mantels, die linke flach seitwärts haltend; rechts oben aus Wolken eine Hand, die einen Schlüssel darreicht. Umschrift:

TU. PRO. ME. NAVEM. LIQISTI. SUSCIPE. CLAVEM. Rückseite: ein Kirchengebäude mit drei Türmen, grofsem Portale und Säule, darüber in kleiner Schrift: AU-REA, darunter ROMA. Umschrift:

+ VICTORIS. PAPAE. II.

Bulle des Papstes Alexander II. (1061–1073). Hauptseite: in der Mitte das Brustbild einer nach links gewendeten Person, der zwei Hände aus den Wolken den Schlüssel reichen. Umschrift:

† QUOD. NECTIS. NECTAM. QUOD. SOLVIS. PETRE.

RESOLVAM.

Rückseite: in der Mitte freistehend I. I. Umschrift: † ALEXANDRI. PAPAE.

Bulle des Papstes Urban II. (1088-1099), nach einem Exemplar von 1093, an seidener Schnur hängend; Hauptseite: ein breitendiges Hochkreuz, daneben rechts in drei Zeilen S. PE-TRUS, links S.-PAU-LUS. Rückseite: im Siegelfelde in drei Zeilen VRBA-NVS. II. – . PP.

Papst Paschalis II. (1099-1118); Hauptseite: ein Hochkreuz zwischen zwei sich zugewendeten Apostelköpfen

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über welchen die Inschriften S.PA S. PE. Rückseite im Siegelfelde in drei Zeilen: PAS-CHALIS—PP . II

Papst Innocenz II. (1124-1130). Hauptseite: die Apostelköpfe sind mit einem Halbbogen von Perlen eingefafst, sonst wie Paschalis II. Rückseite: in drei Zeilen: INNO-CENTIVS-PP. II.

Damit war der Typus der päpstlichen Bullen für Jahrhunderte gefunden.

Ich beschränke mich auf die Abbildung einer einzigen Bulle (Fig. 106), derjenigen des Papstes Gregor IX. an einer Urkunde von 1234.

Gänzlich abweichend von dem herkömmlichen Typus ist die Bulle des Papstes Paulus II. an einer Urkunde von 1467,

SPASPĚ

༠༠༠༠༠༠༠

GRE GORIVS!! •PP.VIIIL

Fig. 106. Bulle des Papstes Gregor IX.

gerichtet an Bischof Ulrich von Passau. Die Hauptseite zeigt die Bilder der Apostel Paulus und Petrus in ganzer Figur sitzend, mit ihren Attributen (Schwert und Schlüssel), die Rückseite das thronende Bild des Papstes, zu dessen Füssen die Figuren mehrerer Personen, welche die Hände bittend erheben.

Die gewählten Päpste gebrauchten vor der Consecretion nur die halbe Bulle mit den Apostelbildern.. Papst Innocenz III., dessen Weihe sich vom 8. Januar bis zum 22. Februar 1198 verzögerte, war der erste, der apostolische Schreiben unter der halben Bulle in entferntere Provinzen erliefs, um wichtige Geschäfte nicht in der Schwebe zu lassen.

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