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Zahlreiche Urkunden dieses Kaisers aus den Jahren 1015, 16, 18, 20, 21 für das Bistum Paderborn trugen meist an Lederriemen eine Bulle, wahrscheinlich die Bleibulle; wir sind auf Vermutungen beschränkt, weil die Siegel nicht mehr an den Urkunden hängen.

In der Siegelformel einer dieser Urkunden vom Jahre 1021 wird die Bulle als sigillum repercussum bezeichnet. Heinecius (S. 169) hat somit Unrecht, wenn er gegen Mabillon behauptet, dafs sich die Bezeichnung auf die durchgedrückten Wachssiegel beziehe.

Konrad II. der Salier (König 1024, Kaiser 1027, worauf sein Sohn Heinrich III. 1028 zum König gewählt wurde) gebraucht Gold- und Bleibullen mit verschiedenen Bildern. Eine Bleibulle von 1029 beschreibt Cl. Christian Knauth:

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«An dieser Confirmation hangt ein bleiern Siegel, in welchem auf der einen Seiten des Kaysers Bild, halb mit der Brust zu sehen, mit dieser Ueberscrifft: CHUONRADUS DEI GRATIA ROMANORUM IMPERAT. AUGUSTUS. auff der anderen Seite stehet ein Bild mit dem ganzen Leibe, in der rechten Hand einen drey zinckischen Spiefs, in der linken Hand aber ein Schild haltend mit dieser Ueberschrifft: HEINRICUS SPES IMPERII».

In den Jahren 1033 und 1034 kommt die oben als Fig. 108 nach Meichelbeck abgebildete Bulle in Blei und Gold mehrfach vor. Vorderseite: Zwei stehende Königsgestalten, sich zugewendet, getrennt durch eine senkrechte Reihe einzelner

Buchstaben welche das Wort HEINRICUS bilden, darunter REX.
Umschritt:

† CHUONRADUS. DI. GRA. ROMANORUM IMP. AUG. Rückseite: Thorgebäude mit einem gröfseren und zwei kleineren Thürmen, daran zu den beiden Seiten AU—REA. RO-MA. Umschrift:

ROMA. CAPUT. MUNDI. REGIT. ORBIS. FRENA. ROTUNDI.

Heinrich III. König 1028, (Kaiser 1047, † 29. Juni 1056) erneuerte für die Gold- und Bleibullen den Typus des karolingischen Zeitraumes. Die Vorderseite zeigt ein rechtsgewendetes gekröntes Brustbild, in der Rechten den Reichsapfel tragend. Umschrift:

+ XRE. PROTEGE HEINRICUM IMPRM.

Rückseite: Ein Thorgebäude mit drei Thürmen, von einer kreisrunden Mauer umgeben, zu beiden Seiten: Au-rea Roma.

Unter den späteren Kaisern und Königen kommen Bleibullen nicht mehr vor.*)

Die Bulle des Kaisers Lothar II. scheint nur in einem defecten Exemplor bei Muratori bekannt zu sein, der Typus wird jedoch durch die Bulle K. Friedrich I. bestätigt. Die Vorderseite enthält das gekrönte Brustbild des Kaisers innerhalb einer Mauer mit zwei Thürmen. Umschrift:

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Rückseite: Thorgebäude mit fünf Thürmen, im Thore in einzelnen Buchstaben untereinander R-O—M—A. Von der Umschrift (Roma caput mundi etc.) ist nur der Schluss noch vorhanden.

Die Bulle des Königs Konrad III. gekrönt 13. März 1138 15. Febr. 1152) wird 1160 in einer Urkunde für das Bistum Havelberg erwähnt: hanc cartam regali aurea bulla insigniri fecimus.

Friedrich I. (gewählt 5. März 1152 zu Frankfurt, gekrönt 9. März zu Aachen, als Kaiser gekrönt 18. Juni 1155

Das in einem Briefe des Abtes Wibald v. Corvey und Stablo von 1152 erwähnte sigillum stagneum, diligenter expressum ad formam argentei, war nach dem genauen Wortlaut ein Zinnabdruck des silbernen Siegelstempels zum königl. Thronsiegel des K. Friedrich I., jedenfalls ein Probeabdruck. Das einseitige Thronsiegel war für Wachsabdrücke bestimmt.

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zu Rom, † 10 Juni 1190) beauftragte alsbald nach seiner königlichen Krönung den Abt Wibald von Corvey und Stablo, welcher seinen drei nächsten Vorfahren als Rat gedient hatte, mit der Anordnung und Beschaffung der erforderlichen Siegelstempel. Schon am 27. März konnte der Abt den Apparat zur Herstellung der goldenen Bullen dem inzwischen nach Utrecht abgereisten König nachsenden. Man darf annehmen, dafs Abt Wibald die Siegel des letztverstorbenen Königs Konrad III. als Muster genommen hat.

Die königliche Bulle*) hat auf der Hauptseite das Bild des Königs, aus einer Mauer mit drei Thürmen hervorragend, Scepter und Reichsapfel haltend, mit der Umschrift!

† FREDERICUS. DEI. GRA. ROMANOR. REX,

auf der Rückseite in einer runden Mauer mit 4 Thürmen, von denen zwei gezinnt, die beiden anderen spitz bedacht. sind, sieht man einen grofsen runden gezinnten Thurm; in dessen oberen Räumen steht AUREA und im Thor ROMA. Die Umschrift ist:

ROMA. CAPUT. MUNDI. REGIT. ORBIS. FRENA. ROTUNDI.

Nach der Kaiserkrönung führte Friedrich I. eine ganz ähnliche Bulle, von der wahrscheinlich nur die Hauptseite, welche die Umschrift:

† FREDERIC9 DEI. GRA. ROMANOR. IMPERAtor. Augs. trägt, erneuert wurde.

Im 13. Jahrhundert wird statt des Brustbildes, das thronende Bild des Kaisers oder Königs auf die Hauptseite der Bulle gesetzt. Damit ist die Entwickelung der goldenen Bulle bis zu Ende des Mittelalters im wesentlichen abgeschlossen.

Zur Herstellung der Goldbullen war ein eigener Apparat erforderlich, der in einem Briefe des Abtes Wibald von von Corvey und Stablo vom Jahre 1152 <ferramenta ad bullandum de auro, in den Kaiserurkunden (z. B. Kaiser Friedrich II. vom Jahre 1230 «bullae aureae typarium » genannt wird.

Mekl. U. B. I. S. 46 f.

Die Abdrücke wurden aus dünnem Goldblech hergestellt, und in der Mitte mit Wachs ausgefüllt.

Andere Bullen.

Bleibullen führten der König und der Patriarch von Jerusalem, sowie die dortigen Ordenshäuser des Deutschen und des Johanniterordens.

An einer Urkunde von 1172, mittels welcher Herzog Heinrich der Löwe in die Auferstehungskirche zu Jerusalem drei ewige Lampen stiftete, hängen die Bleibullen der Kanoniker zum heiligen Grabe, des Patriarchen Amalrich und des Königs Amalrich. Die letztere zeigt auf der Hauptseite das Bild des Königs mit Krone, Scepter und Reichsapfel. Umschrift:

† Amalricus. Dei. Gracia. Rex. Ierusalem. Die Rückseite zeigt eine Kirche mit einem Thurm zwischen zwei Kuppeln. Umschrift:

† Civitas. Regis. Regum. Omnium.

Als Fig. 109 gebe ich die Convents-Bulle (bulla capituli) des Ritterordens vom St. Marienhospitale der Deutschen in Jerusalem (d. i. des deutschen Ordens), vorkommend bereits an einer 1289 zu Accon ausgestellten Urkunde (Archiv zu Lübeck). Spätere Abdrücke sind aus Wachs geformt.

Einen Abdruck von 1525 beschreibt von Toll als einen 6/8 Zoll hohen Cylinder von gelbem Wachs, der oben mit dem Stempel a, unten mit dem Stempel b versehen ist und an einer schwarz und weifs seidenen Schnur in einerHolz kapsel hängt.

Auch die Könige von Ungarn fingen im 13. Jahrhundert an, mit Goldbullen zu siegeln.

König Andreas II. von Ungarn läfst an eine die Landesprivilegien betreffende Urkunde vom Jahre 1233 seine hohle Goldbulle hängen.

Avers: Thronbild des Königs, dessen Kopf von Sonne und Halbmond mit Stern beseitet ist. Umschrift:

† Andreas. Di. Gra. Ungie. Croac. Rame. Svie. Galic. Lodomerie. Que. Rex.

Revers (Fig. 110). Schild. Umschrift:

† Sigillum. Secundi. Andree. Tercii Bele. Regis. Filii.

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Fig. 110. Rückseite der Goldbulle des Königs Andreas II. v. Ungarn. Das deutsche Reich des Mittelalters gewährt für Bleibullen nur eine geringe Ausbeute. Sie erscheinen in einzelnen

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