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senkrecht eingeschnitten und ein Pergamentstreifen (parallel der Schrift) hindurchgezogen, dessen Enden den an der Aufsenseite der Urkunde angebrachten Wachsklumpen mit dem Siegelabdrucke festhielten».

Über eine Urkunde des Fürsten Heinrich v. Meklenburg für das Domkapitel zu Lübeck, undatiert, auf ca. 1200 bestimmt, sagt Lisch: «Ferner hat diese Urkunde noch darin eine alte Eigentümlichkeit, dafs sie nicht an einer anhangenden Schnur, sondern auf der Rückseite der Urkunde mit einem aufgedrückten Siegel besiegelt ist. Mitten durch den Text der Urkunde über den Worten stabili firmitate (in der Roborationsformel) ist nämlich ein Pergamentstreifen der Quere nach durch das Pergament gezogen und auf die Enden dieses Streifens das lose liegende

Siegel auf der Rückseite der Urkunde dicht aufgedrückt. Dies ist das einzige Beispiel dieser alten Art der Besiegelung, welches im Archiv zu Schwerin vorkommt und überhaupt in Meklenburg beobachtet ist».

Gegen die Mitte des 12. Jahrhundert treten die angehängten Siegel auf. In den durch Umschlagen verstärkten Rand des Pergamentes werden Einschnitte oder Löcher gemacht; durch die Öffnungen werden Schnüre oder Bänder, Pergamentstreifen, Lederriemen gezogen, deren Enden mit dem Siegelkörper vereinigt werden.

Es scheint mir nicht überflüssig zu bemerken, dafs die Siegelformel auf die Art der Besiegelung Rücksicht nicht zu nehmen pflegt, es heifst auch dann «sigilli nostri impressione», wenn das Siegel angehängt ist. Erst im 13. Jahrhundert gebrauchte man allgemeinere Angaben, wie «sigillo nostro fecimus communiri».

Selbstverständlich ist es, dafs an dieser Stelle auf Bleiund Goldbullen nicht, sondern nur auf Wachssiegel Rücksicht genommen wird.

Von K. Lothar II. sind Urkunden vorhanden (1129, 1136) welchen das Wachssiegel in modum bullae angehängt ist. Im Jahre 1136 hängt das Siegel an roten Bändchen und roten Fäden von Seide.

Einer Urkunde der Gräfin Clementia v. Glizberg von 1141 hängt (nach v. Gudenus) das Siegel an.

Urkunde des Bischofs Walther von Augsburg vom Jahre 1143: <an grün und rot seidener Schnur ist das runde bischöfliche Wachssigill verkehrt angehängt.>>

Erzbischof Heinrich v. Mainz läfst einer Urkunde von 1149 das Siegel anhängen.

Ein angehängtes Siegel befindet sich an einer Urkunde Heinrichs des Löwen, Herzogs v. Sachsen und Bayern vom Jahre 1158: an den 13 mm breiten Umschlag ist das Siegel einer durch fünf Löcher sternförmig gezogenen grünen Schnur, welche am unteren Ende hervortritt, angehängt.

In der kaiserlichen Kanzlei wurden die angehängten Siegel unter Friedrich I. gebräuchlicher, sie haben jedoch, wie die nachfolgende Übersicht ergiebt, die aufgedrückten Siegel keineswegs verdrängt :

1161 29. Jan. Cumae: aufgedrücktes Siegel.

1163 13. Febr. Wirzeburc: angehängtes Siegel. 1171 7. Mai apud Werdam: angehängtes Siegel (ex filis sericis rubri coloris).

1172 19. April Wirzeburc: angehängtes Siegel (dependet ex fragmento membranaceo eius

dem crassitudinis, cuius est ipsa instrumenti membrana).

1172 22. April Wirceburg: aufgedrücktes Siegel. 1173 (ohne Ort und Siegelformel): angehängtes Siegel. (appensum et ex segmento membranaceo chartae adhaerens).

1179 22. Jan. Worms: angehängtes Siegel. (grüne

1180

1181

Seidenschnur).

Jan. Wirceburg aufgedrücktes Siegel.

12. Mai Ulm: angehängtes Siegel. (rote Seiden

schnur).

18. Mai Esslingen: angehängtes Siegel. (rote Sei

denschnur).

25. Mai Burg Staufen: aufgedrücktes Siegel.

Und nochmals 1186 (Urkunde für das Kloster Herrenalb) ein aufgedrücktes Siege!.

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Man sieht aus dieser Übersicht, dafs die Wahl der Befestigungsmittel nach Stoff und Farbe ganz willkürlich war. Eine in doppelter Ausfertigung vorhandene Urkunde des Abtes Heinrich v. Sinsheim v. J. 1170 für das Kloster Herrenalb trägt das Siegel an einem Pergamentriemchen.

An einer Urkunde, welche von den Brüdern der Hauptkirche in Speier 1178 für das Kloster Maulbronn ausgestellt wurde, hängt das Siegel derselben an einem Pergamentriemen verkehrt (mit der Rückseite nach vorn) an.

Die Befestigung eines Siegels des Erzbischofs Johann v. Trier an einer Urkunde von 1194 (Archiv Coblenz) wird beschrieben: <<Ein bis zu lederartiger Dichtheit und Glätte zusammengewebtes, sehr breites weifsleinenes Band ist 1/2 Zoll unter dem oberen Ende der Länge nach geteilt, die beiden Enden durch Einschnitte in dem umgeschlagenen Rande des Pergaments und dann durch das feste Kopfende gezogen und nun erst das Siegel an diese freien Bänder befestigt.»

Die Besiegelung einer Urkunde des Fürsten Borwin I. von Meklenburg von 1220 beschreibt Lisch wie folgt:

«In der Mitte hängt an einem schmalen gewebten. Bande von roter Seide mit gelben hammer- oder mäanderförmigen Verzierungen, welche stark an die Verzierungen der jüngsten heidnischen Grab-Urnen erinnern, das grofse runde Siegel des Fürsten Borwin I. Rechts davon, also an erster Stelle hängt an roten seidenen Fäden das schildförmige Siegel des Fürsten Heinrich (iuvenis), links davon, also an dritter Stelle hängt an einem schmalen gewebten Bande von roter Seide mit gelben Verzierungen in kleinen Mustern das schildförmige Siegel des Fürsten Nicolaus ».

An einer Urkunde derselben Fürsten vom nämlichen Jahr und Tag, hängen dieselben Siegel in derselben Reihenfolge, an schmalen gewebten Bändern von roter Seide mit kleinen gelben Mustern, welche jedoch unter sich und von den Mustern der Siegelbänder an der vorigen Urkunde verschieden sind.

Als König Otto IV. im Jahre 1208 dem Herzog Ludwig das Herzogtum Bayern bestätigte, liefs er auf den Wunsch.

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desselben die Urkunde von 10 weltlichen und geistlichen Fürsten mitbesiegeln. Jetzt hängen nur noch fünf Siegel an und zwar die folgenden:

3. Reitersiegel des Markgrafen Dietrich v. Meissen;

4. Reitersiegel, zerbrochen;

7. Thron-Siegel des Königs;

10. Siegel des Bischofs Conrad von Speier.

11. Siegel des Bischofs Hartbert von Hildesheim. Man sieht also, dafs das Siegel des Königs in der Mitte hing; rechts waren die Siegel von 6 weltlichen, links die von 4 geistlichen Fürsten angehängt.

Dem Vertrage des Grafen Heinrich von Schwerin mit Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn, König Heinrich, wegen Auslieferung des Königs Waldemar von Dänemark, dd. Nordhausen 24. Sept. 1223 sind 7 Siegelschnüre eingefügt, die erste von roter und gelber Seide, die andern 6 von roter Seide. Die 7 angehängten Siegel aus weissem Wachs sind so geordnet, dass das Königl. Siegel in der Mitte hängt und die übrigen immer der Reihe nach rechts und links von der Mitte aus folgen. (6 4 2 1 3 5 7)

An einer Urkunde von 1248, wodurch sich Bischof und Domcapitel zu Schwerin mit dem Kloster Neukloster vergleichen, hängen an Schnüren

Fürst

1. von grüner Seide, das Siegel des Bischofs Wilhelm, 2. von roter Seide, das Siegel des Domcapitels,

3. von gelber Seide, das Siegel des Fürsten Johann von Meklenburg.

4. von grüner Seide, das Siegel des Propstes von

Neukloster.

5. von roter Seide, das Siegel des Klosters Sonnenkamp oder Neukloster.

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Die Prälaten grün, die Capitel rot, der weltliche gelb. Lisch ist der Meinung, dafs die Wahl der Farben der Siegelschnüre, absichtlich getroffen sei.

Ein Sendschreiben des Abtes Reginar v. Eldena (um 1264) an die Gräfin Audacia d. Ä. von Schwerin, worin gemeldet wird, dafs ein versprochener Kelch noch nicht angelangt sei (Schluss: Valetein domino Jesu Christo), ohne

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