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Kaiser Ludwig der Fromme (814-840) folgt dem Siegelgebrauche seines Vaters. Die Gemme zeigt das nach links gewendete Brustbild mit Lorbeerkranz. Umschrift:

† XPE. PROTEGE. HLUDOVICUM. IMPERATORE. Er benutzte jedoch auch ein anderes Siegel (Kopf mit Lorbeerkranz) mit der Umschrift:

HLUDOVICUS. IMP.

Kaiser Lothar I. († 855) ändert die Umschrift des Gemmensiegels

† XRE. ADIUVA. HLOTHARIUM.

AUG.

Sein Sohn Kaiser Ludwig II. († 875) Gemme und Umschrift ähnlich wie Karl der Grofse.

Karl der Kahle, 843 König von Neustrien, 869 von Lothringen, 875 von Italien und Kaiser († 877) gebraucht als König die Umschrift:

als Kaiser:

KAROLUS. GRATIA. DI. REX.

+ KAROLUS. MISERICORDIA. DI. IMPERATOR. AUG. König Ludwig der Deutsche (König von Bayern 826 von Ostfranken 843, † 876) gebrauchte verschiedene Siegel

Das erste Siegel, 48 mm. lang, wurde nach der wahrscheinlichen Annahme des Herausgebers der Monumenta boica (Band 28) mit zwei Formen gepresst, zuerst die Gemme (Imperatorenkopf), sodann die Umschrift. Die Gemme liegt sehr tief, die Linien der Einfassung sind unregelmässig, was sich durch die Behandlung der Siegel mit zwei Stempeln leicht erklären läfst. Die Umschrift lautet:

XRE. PROTEGE.
PROTEGE. HLUDOVICUM. REGEM

Dieses Siegel kommt zwischen 848-875 häufig vor.

Ausserdem benutzte er eine in den Umschriftrand gefafste Gemme mit einem Kopfe, der sich im Profil und der Haartracht von dem Bilde des vorigen Siegels scharf unterscheidet. Die Gemme hat einen Sprung in schräger Richtung nach. links. Die Umschrift ist die nämliche (Vergl. Fig. 11).

Sodann kommt an einer Urkunde des Klosters Metten vom Jahre 837 eine höchst interessante antike Gemme ohne Umschrift als Siegel vor. Es sind zwei auf besonderen

Postamenten stehende Figuren, die eine Kugel emporheben und sich gegenseitig entreifsen zu wollen scheinen.

Die Herausgeber der Mon. boica wollten in der Darstellung eine Anspielung auf die Entsetzung des Kaisers Ludwig des Frommen erkennen und glaubten daher, dafs das Siegel im J. 833 geschnitten sei!

Das an zweiter Stelle erwähnte Siegel benutzte (z. B. 880) Ludwigs des Deutschen gleichnamiger Sohn, König Ludwig der Jüngere (Fig. 11).

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Fig. 11. Siegel Ludwigs des Deutschen und seines Sohnes Ludwigs
des Jüngeren.

Auffallend ist es, dafs man die Gemme trotz des Sprunges weiterverwendete..

Kaiser Karl der Dicke (881-887) gebraucht gleichzeitig (882) eine Gemme (Kopf mit Lorbeerkranz) mit der Umschritt KAROLUS. IMP. AGS.

und ein in Metallschnitt ausgeführtes Siegel mit einem Brust. bild, das mutmafslich erste wirkliche Porträtsiegel eines karolingischen Herrschers: links gekehrter Kopf, ohne Bart, mit reichem Haupthaar, mit einem Bande gebunden, dessen Enden am Hinterkopfe flattern. Das Überkleid ist auf der rechten Schulter zusammengeheftet. Vor der Brust einen kleinen runden Buckelschild mit senkrecht gestellter, bewimpelter Lanze haltend. Umschrift:

KAROLUS IMPERATOR.

Seit diesem Kaiser sind auch die zweiseitigen Bullen, über die ich später eingehend handeln werde, mit Sicherheit nachzuweisen.

Arnulf, seit 887 König des ostfränkischen Reichs, 896 zum Kaiser gekrönt, † 899 führt zunächst als König zwei Siegel mit gleicher Umschrift

ARNOLFUS REX

beide in Metallschnitt ausgeführt, das eine mit, das andere ohne Schild und Lanze. Das letztere lasse ich nach einer von dem Archivar Beyer ausgeführten Steinzeichnung

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hier folgen, (Fig. 12) wohl von der Urkunde für den Erzbischof Ratbod von Trier (Beyer's U.-B. I. 136) in der die Formel lautet: . . . et anuli nostri impressione iussimus sigillare.

Obwohl die Siegelformel von einem Ringe spricht, möchte ich doch glaubun, dafs der Abdruck von einer zum Anhängen bestimmten Stempelplatte genommen ist. Die von Beyer mit grofser Genauigkeit ausgeführte Zeichnung läfst ein Glied der Kette deutlich erkennen.

Ein anderes Siegel hat die Umschrift: Arnulfus Pius Die kaiserlichen Siegel haben die entsprechenden Umschriften.

Rex.

Mit Arnulf war das Kaisertum der Karolinger erloschen Sein Sohn Ludwig das Kind (geb. 893, zum König gewählt 900, † 911) führte das Brustbild mit Schild und Lanze.

Auch Arnulfs Bastard, Zwentebold, 895--900 König von Lothringen und Ober-Burgund, führte ein Brustbild, anscheinend ohne Schild und Lanze, in seinem Siegel mit der Umschritt ZWENTEBOLDUS REX.

4. Kapitel.

Neuerungen beim Ausgange der Karolinger.

Es waren starke Zeichen des Verfalls, dafs sich zu Ende des 9. Jahrhunderts ehrgeizige Männer bedeutender Teile des karolingischen Gesamtreiches ungestraft bemächtigen konnten.

Graf Boso von Vienne, Schwager des Kaisers Karl des Kahlen, und von diesem zum Herzog eingesetzt, machte 879 Burgund zum unabhängigen Königreich. Dadurch war ein böses Beispiel gegeben. Nach der Absetzung des Kaisers Karl des Dicken (887) entstand in Italien ein langjähriger Streit um Königtum und Kaiserkrone. Herzog Guido von Spoleto und Berengar von Friaul stritten mit wechselndem Glück. Guido's Sohn Lambert wurde 892 vom Papst Formosus zum Kaiser gekrönt; er verglich sich 894 mit Berengar wegen Teilung Italiens, behielt sich aber die Kaiserwürde vor. Nach Lamberts Ermordung (898) riefen die Gegner Berengars den König Ludwig von Burgund (des obengenannten Boso Sohn) nach Italien; Ludwig wurde 901 zum Kaiser gekrönt, 905 von Berengar gefangen und geblendet. Berengar selbst erlangte die Kaiserkrönung und wurde 924

ermordet.

Diese Herrscher nahmen, sobald sie zur Macht gelangt waren, Siegel in Gebrauch, die den Siegeln der Karolinger nachgebildet sind. Der Bosonide Ludwig gebrauchte eine Bulle, deren Vorderseite ein Brustbild mit zugewendetem Gesichte zeigt. Die Umschrift scheint zu lauten: Ludovicus. Imp. Aug.

Berengar hatte zwei königliche Siegel (kaiserliche kenne ich nicht) das eine mit, das andere ohne Schild und Lanze. Das eine Brustbild-Siegel, 890 vorkommend, deutet durch die ovale Form auf Benutzung einer Gemme. Die Umschrift im abgegrenzten Rand beginnt links oben:

† BERENGARIUS REX.

Das andere Siegel (906) ist sicher ein Metallschnitt. Die Umschrift ohne Schriftrand, gleichlautend, beginnt links unten.

Werfen wir nun noch einen Blick nach Burgund. Dort hatte nach dem Tode des ersten Königs Boso (887), der mit der Absetzung des Kaisers Karl des Dicken zeitlich zusammenfiel, der Welfe Rudolf, Sohn des Grafen Konrad von Paris, durch seine Grossmutter ein Abkömmling des Kaisers Ludwig des Frommen, das transjuranische Burgund an sich gerissen und sich als König etablirt (888). Sein Urkundenwesen ist dem karolingischen nachgebildet. Er lässt seine Diplome anuli nostri impressione» und mit seinem Monogramme bekräftigen.

Sein Sohn Rudolf II., seit 921 König von Italien, erlangte 930 auch das cisjuranische Königreich Burgund. Sein Siegel (924) enthält ein Brustbild. Umschrift:

†RODULFUS. GRA. DEI. PIUS. REX.

Auch seine zweite Gemahlin Bertha, Tochter des Herzogs Burchard von Schwaben, soll Siegel geführt haben. Sie stiftete 960 das Kloster Payerne und beurkundete die Stiftung 961 in zwei Ausfertigungen, von denen die eine im Archive des Cantons Freiburg, die andere im Archive des Kantons Waadt beruht. Die Urkunden tragen verschiedene Siegel; beide sind spitzoval, beide enthalten das ganze Bild der Königin, in dem einen sitzend, in dem andern stehend; die sitzende Königin trägt deutlich eine Bügelkrone, die stehende eine unbestimmbare Kopfbedeckung. Die nicht sehr deutliche Umschrift lautet übereinstimmend:

BERTA. DEI. GRACIA. HUMILIS. REGINA.

Die Urkunde ist mit dem Datum 962 in den Orig. Guelph. (II 125) abgedruckt. Auffallend ist es, dafs der Herausgeber von der Besiegelung nichts erwähnt und dafs auch der Text der Urkunde auf eine andere Art der

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