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Bekräftigung hinweist. (sed huius firmitas testamenti omni auctoritate suffulta semper inviolata ac inconcussa permaneat cum omni stipulatione subnixa). Es folgen: signum dominae Berthae reginae etc. signum Conradi filii, regis, und die Unterschriften anderer Zeugen.

Nach alledem möchte ich die Siegel der Königin Bertha bis auf weiteres beanstanden.

Aus den vorgetragenen Thatsachen ergiebt es sich mit voller Klarheit, dafs man noch im 9. Jahrhundert die Besiegelung öffentlicher Urkunden als ein Vorrecht der königlichen Würde ansah.

Unter der Regierung des Wahlkönigs Ludwig des Kindes, des letzten Karolingers in Deutschland, hatte das Königtum eine mächtige Einbufse erlitten. Die Herzoge fingen an, wichtige Machtbefugnisse des Königs an sich zu ziehen.

Der erste Herzog, der in das Vorrecht der Besiegelung öffentlicher Urkunden eingriff, scheint Herzog Arnulf I. von Bayern gewesen zu sein. Noch zu Lebzeiten des Königs Ludwig, im Jahre 908, beurkundete er eine Vereinbarung zwischen Bischof Dracolf von Freising und dem Chorbischof Chuno, wobei er die Bekräftigungsformel gebraucht: «et ut per futura tempora melius credatur et firmius observetur, sigilli nostri impressione insigniri fecimus.» Eine ähnliche Urkunde für den Erzbischof Adalbert von Salzburg vom J. 927 enthält die Formel: Et ut complacitationis eius traditio firmam in Dei nomine obtineat stabilitatem, de anulo nostro sigillari et testibus subnotatis per aurem attractis confirmari iussimus ».

Die Zuziehung der Zeugen bekundet immerhin ein gewisses Mafshalten. Es wurde dadurch ein Abstand zu den königlichen Diplomen geschaffen, die der Bekräftigung durch Zeugen nicht bedürfen.

Wir führen nun zunächst die Geschichte der deutschen Königssiegel weiter. Der nach dem Ausgange der Carolinger zum König erwählte fränkische Graf Conrad (911-18) führt in seinem Porträtsiegel sein Brustbild, nach links gewendet, gekrönt, in der Rechten die Lanze schräg vor sich, mit der Linken den Rundschild haltend. (Fig. 13). König Conrad

behielt somit den von seinen Vorgängern geschaffenen Typus bei, ohne ihn schablonenmäfsig nachzuahmen; die Haltung der Figur ist natürlicher und ungezwungener.

König Heinrich I. (919–936) gebrauchte zwei verschiedene Porträtsiegel, Brustbilder links blickend, das eine ohne, das andere mit Schild und Lanze, ganz ähnlich wie König Conrad.

König Otto I. gebrauchte zuerst ein Brustbild, links blickend, mit Schild und Lanze. Als Kaiser (962) schuf er einen für das einseitige Porträtsiegel neuen Typus, das zugewendete Brustbild, in der einen Hand ein Scepter, in der andern den Reichsapfel haltend.

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König Otto III. (983-1002) führt als König das zugewendete Brustbild. Als Kaiser gebraucht er sehr häufig eine Bleibulle, die zu dem Profil-Brustbilde zurückkehrt; die eine Seite enthält das Brustbild mit, die andere das Brustbild ohne Schild und Lanze. Sodann war er aber auch der erste, welcher sich in seinem Siegel in ganzer Figur, auf einer Erhöhung stehend abbilden liefs.

Sein Nachfolger Heinrich II., der letzte König des sächsischen Hauses (König 1002, Kaiser 1014 † 1024) führte 1003 den Typus des Thronsiegels ein, das für das Siegelwesen des späteren Mittelalters Vorbild wurde. Er sitzt in ganzer Figur auf einem Throne ohne Rückenlehne, in der Rechten das Scepter, in der Linken den Reichsapfel haltend.

Zum Schlufs überblicken wir die Entwickelung der Siegeltypen, die mit Heinrich II. einen bedeutsamen Abschlufs erreicht hat:

Karl der Grofse bis zu Karl dem Kahlen 771-877, Gemme, fremdes Brustbild.

Karl der Dicke 881-887 Gemme, fremdes Brustbild; Metallschnitt mit eigenem Portrait-Brustbild (Schild und Lanze).

Arnulf bis zu Otto II. 887--983: Portrait-Brustbild, mit und ohne Schild und Lanze, Metallschnitt. Otto III. (983--1002): ganze Figur, stehend. Heinrich II. (1002-1024) ganze Figur, thronend.

5. Kapitel.

Die Siegel der geistlichen Stände.

Um die Mitte des 10. Jahrhunderts fangen auch die Bischöfe an, ihre öffentlichen Urkunden zu besiegeln.

Wie wir oben gesehen haben, war durch die alten Volksrechte schon unter der Herrschaft der Merowinger den Herzögen und Bischöfen ein beschränkter Gebrauch des Siegels eingeräumt. Auch ist durch einige Beispiele nachgewiesen worden, dafs das Recht thatsächlich in Übung gewesen ist. Dennoch scheint es mir, dafs der Übergang zur Besiegelung öffentlicher Urkunden nicht blos die Bedeutung hat, dem Siegel einen neuen Verwendungskreis zu eröffnen. Vielmehr werden die Herzöge und Bischöfe in der Lage gewesen sein, ihr Siegelwesen den nunmehrigen Aufgaben gemäfs neu zu gestalten.

Die geistlichen Siegel des 10. Jahrhunderts (herzogliche sind aus dieser Zeit nicht erhalten geblieben) sind eine Nachahmung der erst unter den letzten Karolingern geschaffenen Typen. Die runden Siegel enthalten Portrait-Brustbilder und eine den Namen des Inhabers angebende Umschrift.

Erzbischof Luitbert von Mainz soll bereits 888 ein die Exemtion des Stifts Corvey bestätigendes Synodal-Dekret mit seinem Ringe besiegelt haben. Ich möchte jedoch annehmen,

dafs dieses Dekret eine spätere Fälschung der Corveyer Mönche ist. Erzbischof Hatto von Mainz liefs noch 910 einen Schenkungsbrief für das Kloster Fulda mit dem Siegel des Königs besiegeln: Datum palatio Triburiensi, coram rege Ludvico, qui et conscribi et sigillo suo insigniri iussit.

Erzbischof Robert von Trier, der noch 952 seine Urkunde blos mit dem signum bekräftigt hatte, läfst 955 und 959 sein Siegel aufdrücken.

Gleichzeitig gebraucht Erzbischof Friedrich I. von Salzburg (958-991) ein Porträtsiegel. Ich gebe hier (Fig. 14) das Siegel seines Nachfolgers, des Erzbischofs Hartwich von Salzburg (991–1023).

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Fig. 14. Siegel des Erzbischofs Hartwich von Salzburg 991-1(23.

Bild: Brustbild des barhäuptigen Erzbischofs, in der Rechten den Krummstab, in der Linken ein Buch haltend. Umschrift:

HARTVVICUS. ARCHIEPISCP.

Bischof Bernhard von Halberstadt besiegelte eine Urkunde (ohne Siegelformel) vom Juli 965 wodurch er auf Bitten des Kaises Otto I. dem Kloster Gandersheim eine Schenkung macht. Das aufgedrückte Siegel enthält das Brustbild des Bischofs; die Umschrift ist verloren gegangen.

Einer anderen Urkunde aus dem nämlichen Jahre für ein Magdeburger Kloster, mit der Siegelformel meo sigillo firmavi ist auffallender Weise ein anderes Siegel angefügt. Es enthält das Portrait-Brustbild und die Umschrift: Bernardus Eps.

Bischof Bernward von Hildesheim (993-1022) führt ein Siegel mit der Umschrift: Martyris est Romuli Imago Sigilli. Der durch K. Heinrich II. geschaffene Typus der kaiserlichen Thronsiegel wurde sehr bald von den Bischöfen nachgeahmt:

Bischof Arnolf von Halberstadt gebraucht 1018 ein rundes Siegel mit seinem Bilde in ganzer Figur, sitzend, in der Rechten den Stab, in der Linken ein Buch haltend.

Erzbischof Balduin v. Salzburg 1041-1060: das Bild des Erzbischofs, auf einem Sessel sitzend, in der Rechten den Stab, in der Linken ein Buch haltend. Umschrift: Baldevvinus. Archieps.*)

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Fig. 15. Siegel des Erzbischofs Balduin von Salzburg 1041-1060. Sein Nachfolger kehrte zu dem Brustbildsiegel zurück. Bischof Adalbero von Würzburg, der erste, von dem Bildsiegel bekannt sind, führt 1069 in seinem runden Siegel von etwa 48 mm. Durchmesser das Brustbild des hl. Kilian, in einem späteren Siegel sein eigenes Brustbild. Das älteste bischöfliche Thronsiegel kommt 1098 vor.

Bischof Burchard von Basel (1102-1103) führt sein Brustbild im runden Siegel; Bischof Adalbero 1135 ein spitzovales Siegel, mit ganzer Figur, beide ohne Mitra; Bischof

Mitth. der k. k. Centralkommission 1882 S. CXXII.

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