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die Echtheit der Urkunde, welchen Römer-Büchner anführt, ist der, dafs Adelheid in einem Diplom, von 1193 als Gemahlin des Pfalzgrafen Heinrich erscheint.. Der scheinbare Widerspruch löst sich sehr einfach durch die Thatsache, dafs die Dame dreimal verheiratet gewesen ist: 1) mit dem Grafen Adalbert von Ballenstedt, † 1070; 2) mit dem Pfalzgrafen bei Rhein Hermann, † 1088; 3) mit dem Pfalzgrafen Heinrich, † 1095. Es ist gewiss nicht auffallend, dafs die

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Pfalzgräfin, zum drittenmal Witwe, eine Stiftung zum Seelenheil ihres zweiten Gemahls macht.

Auch die Besonderheiten in Zeichnung und Schnitt des Siegels sind leicht erklärlich, sie sind eine aus den Umständen sich ergebende Nothwendigkeit. Der Goldschmied, welcher die Aufgabe zu lösen hatte, scheint nach einem Gemmensiegel gearbeitet zu haben, da er das Siegelfeld in Gemmen-Manier

zurichtete.

Friedrich Herzog der Schwaben und Franken siegelte 1102: hanc privilegii cartam nostro sigillo insigniri iussimus.

Heinrich II. von Eilenburg, Markgraf von Meissen siegelt 1106: sigilli mei impressione corroboravi. Das Siegel ist nicht erhalten.

Eine Urkunde von 1127 (Schenkung für die Heiligen Felix und Regula in Zürich) bestärkt Graf Werner von Baden wie folgt: Ad huius autem rei confirmationem ego Werinherus comes de Baden subscripsi et anulo meo sigillavi».

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Daneben ein Monogramm aus den Buchstaben des Namens Werinherus, in der Weise der Kaisermonogramme konstruirt. Das Siegelbild ist eine antike Gemme, jedoch der Gegenstand der Darstellung nicht deutlich erkennbar. Umschrift in Kapitalen:

SIGILLV. CHOMITIS. WARERI.

Der Hallgraf (Hallensium comes) Engelbert bekräftigt die im J 1137 vollzogene (wohl etwas später beurkundete) Stiftung des Klosters Attel "sigilli nostri impressione».

Die Gräfin Clementia von Glizberg besiegelt 1141 eine Urkunde für das Kloster Schiffenberg; Graf Wilhelm von Glizberg siegelt 1152.

Siegel des Grafen Rudolf von Ramsberg in einer Pergamenturkunde von 1163 (Grofsherz. Gen.-Landesarchiv in Karlsruhe). Umschrift: † Ruodolf'. Comes. De. Rames... (Fig. 19).

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Fig. 20. Siegel Boppo's Graf von Wertheim 1185,

Graf Chuno von Lenzburg (Schweiz) siegelt 1167; sein Bruder, Graf Arnold 1168, 1172.

Boppo, Graf von Wertheim 1185 (Archiv zu Darmstadt) spitzovales Portraitsiegel (Fig. 20) mit der Umschrift:

† COMES. BOPPO DE WERTHEIM.

Es ist der erste Graf von Wertheim, von dem selbständige Beurkundungen vorhanden sind.

7. Kapitel.

Neue Typen und Formen.

In zwei bedeutsamen Zeitabschnitten hatte das deutsche Kaiser- und Königssiegel der Entwicklung der Sphragistik die Bahn vorgezeichnet. Kaiser Karl der Dicke ging zum Metallschnitt über und erneuerte das wirkliche Portraitsiegel. Kaiser Heinrich II. schuf den Typus des Thronsiegels. In diesen Neuerungen war zugleich die Norm für die äussere Form der Siegel enthalten.

Die älteste Siegelform ist das durch die Form der benutzten Gemme indicirte Oval. Die meisten Gemmen haben diese Form; vielfach ist jedoch durch die Fassung eine Ergänzung des Siegelfeldes bis zum reinen Rund eingetreten.

Das erste in Metallschnitt ausgeführte deutsche Kaisersiegel, dasjenige des Kaisers Karl des Dicken ist rund. Diese Form bleibt fortan die in der gesammten Sphragistik überwiegende.

Zu dem Zeitpunkte, den wir in vorigem Kapitel erreicht haben, hatte das Kaisersiegel seine führende Stellung verloren. Die weltlichen und geistlichen Stände hatten nunmehr ihre eigenen in selbständiger Entwickelung sich fortbildenden Siegeltypen. Auch war eine ganz neue Siegelform zur Aufnahme gelangt, deren Ursprung aus anderen Quellen abzuleiten ist.

Ich meine das spitzovale Siegel, von welchem ich im vorigen Kapitel bereits Beispiele beigebracht habe: das Siegel des Domkapitels zu Münster aus dem 11. Jahrhundert (Fig. 16) und das Siegel des Grafen Boppo von Wertheim vom Jahre 1185 (Fig. 20).

Diese Form ist, wie Freiherr L. von Ledebur bemerkt hat, der Gestalt der ältesten Salvatorbilder entlehnt: man pflegte nämlich die Abbildungen des verherrlichten Erlösers << mit einer ovalen oder parabolisch gespitzten » Einfassung żu umgeben.

Das älteste mir bekannte spitzovale Siegel, ist das des Königs Robert von Frankreich v. 997; es enthält das nach vorn gewendete Brustbild des Königs und hat eine ähn

liche Einfassung, wie das S. 77 abgebildete spitzovale Siegel des Domkapitels zu Münster (Stäbe und Perlen). Das älteste deutsche spitzovale Siegel scheint hiernach das Siegel des Königs Robert zum Vorbild zu haben!

Die spitzovale Siegelform kam seit dem 12. Jahrhundert bei den Kirchensiegeln stark in Aufnahme. Zu gleicher Zeit aber ist diese Form bei weltlichen Siegeln durchaus keine Seltenheit, wie ein exemplifikativer Überblick zeigen mag.

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Sämtliche Markgrafen von Brandenburg askanischen Stammes, von Albrecht dem Bären an (siegelte 1155 zuerst) und nach ihnen die Markgrafen aus dem Hause Wittelsbach führen spitzovale Regentensiegel, mit dem Bilde des jeweiligen Markgrafen in ganzer Figur zu Fufs. Eines der Siegel des Markgrafen Albrecht des Bären folgt später. An dieser Stelle gebe ich das Siegel der Markgräfin Anna,

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