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v. 1308, die sogar Wappenbilder in das spitzovale Siegel überträgt.

Von der nachfolgenden Dynastie der Wittelsbacher mag das Siegel Ludwigs des Römers, Markgrafen zu Brandenburg von 1350 folgen. (Fig. 21) Umschrift:

S. LUDWICI. ROMANI. DEI. GRACIA. MARCHIONIS.
BRANDENBURGENSIS.

Ein spitzovales Reitersiegel führt 1141Graf Wilhelm von Gleiberg. Der in der Rechten eine bewimpelte Lanze,

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am linken Arme einen Schild tragende Reiter ist nach links gewendet. Die nicht abgegrenzte Umschrift lautet: † COMES. WILLEHELMUS. D. GLIZB'

Otto von Wittelsbach, Pfalzgraf von Bayern (1180 Herzog von Bayern) gebraucht 1171 ein spitzovales Siegel mit einem linksblickenden Adler.

Sein Neffe Otto von Wittelsbach, Pfalzgraf von Bayern, führt 1207 das als Figur 22 folgende Siegel mit einem nach rechts blickenden Adler.

Graf Boppo von Wertheim führt 1185 ein spitzovales Siegel mit seinem Bilde in ganzer Figur zu Fufs, gewaffnet, Lanze und Schild haltend. (Vergl. Fig. 20 S. 78).

Markgraf Otto der Reiche von Meifsen († 1190) führt ein spitzovales Siegel mit seinem Reiterbilde, nach rechts reitend. Umschrift:

† OTTO. DI. GRA. MARCHIO. MISINENSIS

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Fig. 22. Siegel des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach.

Seine Witwe Hedwig, Tochter des Markgrafen Albrecht des Bären von Brandenburg, führt im Jahre 1197 das folgende Witwen-Siegel (Fig. 23). Umschrift:

SIG. HEDEWIGIS. QUONDAM. MISSINENS. MARCHIONISSE. Auch die Burggrafen von Meifsen führten spitzovale Siegel.

Fig. 24. Spitzovales Siegel des Burggrafen Meinher III. von Meissen (1254-1308), Porträt, ganze Figur, zu Fufs,

mit Lanze und Schild. Die Umschrift lautet:

SIGILLUM. MEINERI. BURCRAVII. MISNESIS.

Die Grafen von Froburg in der Schweiz führten spitzovale Siegel, zuerst Hermann 1206, dann dessen beide weltliche Söhne: Ludwig und Hermann 1226.

Fig. 25: Spitzovales Siegel des Burggrafen Walther von Giebichenstein an einer Urkunde vom Jahre 1209. Wappen

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SIGILL'. WOLTERI. BURGVII. DE. GEVEKENSTEN. Gottfried II. Graf von Arnsberg führt zwischen 1202-1235 spitzovale Siegel mit einem Adler frei im Siegelfelde; desgleichen sein Sohn Gottfried III. in den Jahren 1245, 1253, 1279.

Ein spitzovales Siegel mit ganzem Wappen (Schild und Helm führt 1261 Konrad von Gundelfingen.

Fig. 26: Spitzovales Siegel des Johann von Blankenburg vom Jahre 1317 (Archiv zu Schwerin). Schild, entwurzelter Eichbaum. Umschrift:

von

S. IOHANNIS. MILITIS. DE. BLANKENBORCH.

Figur 27: Spitzovales Siegel des Dietrich von Kerkɔw 1324. Zwei Schilde mit der breiten Seite zuge

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Fig. 25. Siegel d. Burggrafen Walther v. Giebichenstein. Fig. 27. Siegel d. Dietr. v. Kerko w

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Siegelform, wo sie von Herren weltlichen Standes gebraucht werde, durch ein besonderes Devotions-Verhältnis zu irgend einem Heiligen erkläre, und dafs namentlich der «konstante Gebrauch parabolischer Fufssiegel bei den Markgrafen von Brandenburg, sowohl aus dem askanischen, wie aus dem bayerischen Hause auf das Lehens-Verhältnis zu dem als unüberwindlichen Vorkämpfer der Marken bezeichneten heiligen Mauritius von Magdeburg» zurückzuführen sei.

Es stehen dem zwei Thatsachen entgegen: einmal ist der Gebrauch spitzovaler Siegel seitens der Markgrafen älter, als das Lehensverhältnis zum heil. Mauritius. Sodann hat Mitte des 12. Jahrhunderts das spitzovale Siegel noch nicht den Charakter einer kirchlichen Form,

gerade das Siegel des heiligen Mauritius, das wir später abbilden, ist nicht spitzoval, sondern rund!

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Die Bevorzugung der spitzovalen Form dürfte sich aus praktischen Erwägungen erklären: während ein Reiterbild alle Teile eines runden Siegels fast in gleichem Masse in Anspruch nimmt, füllt das Porträt eines Bischofs mit der hohen Kopfbedeckung nur die Länge aus. Das Portrait pafst daher unendlich besser in die spitzovale Form. In gleicher Lage befanden sich diejenigen weltlichen Herren, welche dem Typus der sogenannten <<Fufssiegel» den Vorzug vor dem Reiterbilde gegeben hatten. Es kommen aber gleichwohl, wie wir gesehen haben, spitzovale Reitersiegel vor.

Fig, 28. Spitzovales Siegel des
Lorenz von Greifenberg.

Durch solche «Raimrücksichten» sind dann auch die quer spitzovalen Siegel entstanden. Dieselben enthalten stets Darstellungen, welche in gewöhnlicher Stellung des Siegels nicht unterzubringen waren.

Fig. 29: Siegel des Züricher Chorherren Konrad von Mure an eine Urkunde des Jahres 1245. Siegelbild: die Mantelteilung des hl. Martin in Querdarstellung. Umschrift:

S. MAGRI. CHONRADI DE MURE.

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