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Bischof Bernward von Hildesheim (993-1022) führt ein Siegel mit der Umschrift: Martyris est Romuli Imago Sigilli. Der durch K. Heinrich II. geschaffene Typus der kaiserlichen Thronsiegel wurde sehr bald von den Bischöfen nachgeahmt:

Bischof Arnolf von Halberstadt gebraucht 1018 ein rundes Siegel mit seinem Bilde in ganzer Figur, sitzend, in der Rechten den Stab, in der Linken ein Buch haltend.

Erzbischof Balduin v. Salzburg 1041-1060: das Bild des Erzbischofs, auf einem Sessel sitzend, in der Rechten den Stab, in der Linken ein Buch haltend. Umschrift: Baldevvinus. Archieps.*)

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Fig. 15. Siegel des Erzbischofs Balduin von Salzburg 1041-1060.

Sein Nachfolger kehrte zu dem Brustbildsiegel zurück. Bischof Adalbero von Würzburg, der erste, von dem Bildsiegel bekannt sind, führt 1069 in seinem runden Siegel von etwa 48 mm. Durchmesser das Brustbild des hl. Kilian, in einem späteren Siegel sein eigenes Brustbild. Das älteste bischöfliche Thronsiegel kommt 1098 vor.

Bischof Burchard von Basel (1102-1103) führt sein Brustbild im runden Siegel; Bischof Adalbero 1135 ein spitzovales Siegel, mit ganzer Figur, beide ohne Mitra; Bischof *) Mitth. der k. k. Centralkommission 1882 S. CXXII.

Heinrich I. 1185-1190 ein spitzovales Siegel mit dem Bilde eines thronenden Bischofs, mit Mitra.

Im Laufe des 11. Jahrhunders treten die Domkapitel, Stifter und Abteien in den Siegelgebrauch ein.

Abt Rutthard von Hersfeld (1059-72): cartulam . . . sigilli nostri impressione signamus.

Bischof Embrico von Augsburg 1071: cartam non solum nostro sed etiam ut maior sit auctoritas, beatissimi patris nostri Udalrici sigillo signari precepimus.» St. Ulrich ist der Patron des Bisthums; die Siegel der Kapitel benannte man nach den Patronen.

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Fig. 16. Spitzovales Siegel des Domkapitels zu Münster.

Abt Theoderich von St. Maximin (1082-84): . . . sigilli

impressione scilicet St. Maximini iussimus insigniri.

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Der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gehört das spitzovale Siegel des Domkapitels zu Münster (Fig. 16) an: Brustbild des Apostels Paulus mit der Umschrift:

SCS. PAULUS. APLS. v.

Interessant ist die aus Stäben und Punkten zusammengesetzte Einfassung.

Im Laufe des 12. Jahrhunderts nehmen die Wurdenträger der Domkapitel, endlich auch die Domherren Siegel an.

6. Kapitel.

Die Siegel der weltlichen Stände.

In Bezug auf die weltlichen Siegel ist zu sagen, dafs der Gebrauch derselben unter den Herzögen und Fürsten (z. B. Pfalzgrafen) schon im Laufe des 11. Jahrhunderts immer häufiger wird und Mitte des 12. Jahrhunderts allgemein ist; unter den Grafen beginnt der Gebrauch Ende des 11. Jahrhunderts; unter dem unbetitelten hohen Adel, Mitte des 12. Jahrhunderts.

Der Siegelgebrauch der Städte nahm im Rheinlande seinen Anfang. Die Stadt Köln siegelte schon 1149. Trier 1172; gegen das Ende des Jahrhunderts folgen Koblenz, Würzburg, u. A.

Die Ministerialen fangen gegen Ende des 12. Jahrhunderts an, Siegel zu führen; der kleinere Adel und der Bürgerstand schliefst den Reigen im 13. Jahrhundert.

Es finden in dieser Beziehung naturgemäfs grofse Verschiedenheiten statt, da für die Einführung des Siegels stets das lokale Bedürfnis der ausschlaggebende Faktor ist. Eigenartige Verhältnsse bestanden in Schwaben. Das erste dortige herzogliche Siegel habe ich 1102 erwähnt gefunden. Herzog Konrad von Zahringen siegelte zuerst 1140. Die Siegel der Grafen von Württemberg und der von Veringen beginnen erst im 13. Jahrhundert.

In Westfalen fällt der Beginn der gräflichen Siegel zeitlich zusammen mit der Entsetzung des gewaltigen Herzogs Heinrich des Löwen. Ob indess diese beiden Thatsachen in dem Verhältnisse von Wirkung und Ursache zu einander stehen, will ich dahingestellt sein lassen. Analoge Erscheinungen, die den Niedergang der Karolinger begleiteten, haben wir bereits registriert.

Während in Schwaben vom 8.-10. Jahrhundert die mit. den Handzeichen der Zeugen bekräftigte Privaturkunde ziemlich häufig ist, kommt dieselbe im Gebiete des bajuwarischen

Rechtes bis Ende des 12. Jahrhunderts nur ausnahmsweise vor. Die Verkäufe waren Handlungen in Gegenwart der Zeugen, die mit der Zahlung des Kaufpreises und der Uebergabe des Objektes vollendet waren. Die Schenkungen an Klöster oder Kirchen, wurden vor den Altären der Heiligen vollzogen. Die Mönche waren aber vorsichtiger als der Gemeine Mann sie bemerkten die Handlung sowie die Namen der Zeugen sorgfältig in dem sogenannten Traditionsbuche, sodafs, wenn in der Folge Streit entstand, die Zeugen der Handlung leicht zusammenzubringen waren.

Die trüben Erfahrungen aber, welche die Klöster machen mufsten, wenn es den Nachkommen der Schenker bequem war, das geschenkte Gut wieder an sich zu nehmen, wenn die Zeugen gestorben oder nicht gewillt waren, ein Zeugniss zu Gunsten des Klosters zu geben, mufsten selbstverständlich jene Körperschaften geneigt machen, den bisherigen unvollkommenen Gebrauch mit der besiegelten Einzelurkunde zu vertauschen, die sobald sie versiegelt war, eine unwiderrufliche Rechtskraft hatte, für die Handlungen der Lebendigen und Todten ein unbestreitbarer Zeuge war. So gehen denn auch die Traditionsbücher nur selten über den Anfang des 13. Jahrhunderts hinaus. Es kommt auch vor, dafs Schenkungen, die bereits im Traditionsbuch verzeichnet waren, nachträglich noch unter dem Siegel erneuert wurden.

So hatte eine gewisse Alheidis de Runting zu den Zeiten des Abtes Wolfram von Ober-Altaich auf dem Altar des heil. Petrus daselbst in Gegenwart des Schirmvogtes des Klosters, des Grafen Albert von Bogen, ein Gut geschenkt. Die Handlung ist dem Traditionsbuche des Klosters einverleibt. Im J. 1221 erneuerte sie die Schenkung ad firmiorem fidei certitudinem mit einer besonderen Urkunde, welcher das Siegel des Abtes, des Konvents und der Schenkerin angehängt wurden.

Nachdrücklich gefördert wurde das Rechtsinstitut des Siegels durch ein Dekret des Papstes Alexander III. († 1181), welches für alle bei dem päpstlichen Hofe einzureichenden Dokumente die Besiegelung vorschrieb. *)

Scripta vero authentica, si testes inscripti decesserint, nisi forte per

Zum Schlusse füge ich einige Beispiele an, welche den Entwickelungsgang hinreichend erläutern werden.

Markgraf Adalbert von Tuscien soll ca. 935 eine Schenkungsurkunde für das Bistum Lucca besiegelt haben: et ut verius credatur et ab omnibus hominibus observetur sigillum nostrum imprimere iussimus». Da indefs die Urkunden des ganzen folgenden Jahrhunderts unbesiegelt geblieben sind, so möchte ich auf jene undatierte Urkunde nicht bauen. Allem Anschein nach hat erst Herzog Gottfried der Bärtige von Lothringen, der 1054 die Witwe des letzten Markgrafen Bonifacius von Tuscien Beatrix heiratete, den Siegelbrauch dort eingeführt. Er siegelt z. B. 1058 eine von ihm und seiner Gemahlin Beatrix ausgefertigte Urkunde.

Seine Witwe Beatrix führt 1073 ein Siegel, das ein Geschenk ihres Gemahls gewesen war, wie sich aus der Umschrift ergiebt (davon später); das runde Portrait-Siegel zeigt die Fürstin in ganzer Figur, sitzend.

Mathilde, die Tochter des Markgrafen Bonifacius, war in zweiter Ehe mit dem Herzog Welf vermählt. Dieses fürstliche Ehepaar urkundet 1090 sigilli nostri impressione».

Die Herzogin Mathilde pflegte sich in ihren Urkunden (z. B. 1088, 1100, 1106, 1112 zu unterzeichnen

Mathildis, Dei gratia si quid et.

Die Herzogin liefs die Urkunden nicht immer untersiegeln, namentlich dann nicht, wenn die Ausfertigung in ihrer und angesehener Zeugen Gegenwart erfolgt war. In einer Urkunde von 1115 heifst es sogar: quam cartulam, quia domina comitissa propriae manus subscriptione firmare non potuit sigilli sui impressione insigniri praecepit. *)

Der kinderlose König Rudolf III. von Burgund (993 -- 1032) hatte 1016 den Kaiser Heinrich II., Sohn seiner Schwester Gisela, zum Erbfolger eingesetzt. Im Jahre 1020 urkundet nun in Burgund: Beraldus de Saxonia, prorex Arelotensis pro rege potentissimo Radulfo et ab augusta majestate immanum publicam facta fuerint, ita, quod appareant publica. aut authenticum sigillum habuerint, per quod possint probari, non videntur nobis alicuius firmitatis robur habere».

Die Urkunden, vergl. Orig. Guelph. I. pass.

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