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I.

Aufgefundene Bruchstücke

größerer mittelhochdeutscher Gedichte.

Un Docen in München.

1.

Bruchstück aus Athis und Prophilias.

Zu Arnsberg, im Herzogthum Westphalen, liegen auf dem Königl. preuß. Reg. Archiv 4 einzelne Pergamentblåtter*) in 4. (von Kindlinger ohne weitere Notiz dorthin verkauft), die, obgleich nur Bl. 1 und 2 von derselben Hand sind, doch des Inhalts, des gleichen Formats und der übereinstimmenden Zeilenabtheilung wegen zu einem und demselben Coder gehört haben. Als ich auf Bl. 4, das mir zuerst in die Hånde fiel und durch die Schilderung: Die wapin uns uirrostin etc. mich anzog,, den Namen Prophilias las, vermuthete ich sogleich, Bruchstücke eines unbekannten mittelhochdeutschen Gedichts von Athis und Prophilias vor mir zu haben. Der Inhalt der übrigen Blätter bestätigte diese Vermuthung. Ob das Gedicht eine Bearbeitung des altfranzösischen Romans Atys et Profilias (von

*) Dem Hrn. Medizinalrath Dr. Stoll verdanke ich die erste Nachricht von diesen Blåttern und dem Hrn. Archivar Hüser die Mittheilung derfelben. Aus den Hånden des erstern, eines Gelehrten von der viels seitigsten wissenschaftlichen Theilnahme, erhielt ich auch ein etwa 8 Pergamentblätter füllendes Bruchstück einer niederdeutschen Legende von den 11,000 Jungfrauen, welches ich der reichen Sammlung des K.Pr. Bundestagsgefandten, Hrn. General - Postmeisters v. Nagler, übergeben habe.

Diutisca. 1ftes Heft.

Alexandre de Bernay) sen oder nur mit ihm eine gemeinschaftliche Quelle habe, kann ich nicht beurtheilen, da mir bei meinem Aufenthalte in Paris unter dem Drange der meinen Reisezwecken nåher liegenden Arbeiten diese Bruchstücke aus den Gedanken gekommen waren und ich den französischen Coder (Nr. 7191.) nachzusehen vergessen habe. Wie dem nun auch sey, Inhalt und Darstellung, wie z. B. die Beschreibung des Schildes auf Bl. 1, des Anzuges Gaytens auf Bl. 2, die Schilderung der verschämten Braut (mit der naiven Stelle: des mannis uorchte kindis fcame etc.) auf Bl. 2, Athises Klage über den Tod des Knappen und sein Entschluß, sich für den Mörder auszugeben, um dem jungen Freunde ins Grab zu folgen, auf Bl. 3, die Unterredung des tödtwunden Junglings mit seinen Eltern und seiner Schwester auf Bl. 4, die keusche Haltung des Gedichts, die zartaufgefaßte und mit wenis gen Worten treffend geschilderte Stimmung und Empfindung der Personen (z. B. auf Bl. 4, Sie (die tiefbetrübte und jungfräuliche Schwester) fprach nicht uil hôs lûtis) lassen in diesen Versen Bruchstücke eines der vorzüglichsten mittelhochdeutschen Gedichte erkennen. Durch ein (!) habe ich einiges Merkenswer the in Bezug auf Sitte, Verkehr und Sprache herausgehoben. — Die einzelnen Blätter gehören an verschiedene von einander entfernte Stellen des Werkes; Bl. 2 scheint zunächst auf Bl. 1 zu folgen; ob aber auch Bl. 3 und 4 hier im Abdruck ihre rechte Stelle erhalten haben? In der Handschrift ist über jedem i ein '; dieser ist im Druck weggelassen. Die eingerückten Verse beginnen in der Handschrift mit einem größern rothen Buchstaben.

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Daz er in nicht infteche
Er dan der kůninc gespreche
Prophilias hiez in fichirn
Er hete eine kichirn
Genůmin uoz falerne

Er sprach daz tuon ich gerne
Vñ fichirt ime an fine hant
Den helm man ime abe bant
Der kůninc was dar undir

Daz dunkit mich niht wundir 1
Wie ual als ein affche (!)

Zů finime harnassche
Hiez er uvorin beide
Vi faz uf andir weide

Do quamin fine knapin
Vñ ebindin fine wapin
In uil kurtin stundin
Sin houbit fie im bundin
Den fcilt langitin fie dare
Der was uon lazure gare

So daz nicht bezzirs mochte fin
Da was uil meistirlichin in
Von berniffchin (!) gold ein arn
Als er in die luft wolde uarn
Gemalit un intworfin

Der hete fich zůworfin

Mit den uetichin beidin

Mit zwis golde (!) undir feidin
An lidin un an uedirin

Ouch het er iecwederin

Uvoz bi deme libe hine
Daz der zagil da durch fcine
Uf den fcilt geftreckit
Die clawin wol zů reckit
Einin wapinroc er uvorte

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Der an die wadin ruorte
Von brunime famitte
Gefnitin uon gutir wîte *)

́Als er in tragin wolde
Von gefpunnime golde
Arne gnůc darin gewebin
Vorne. hindene. benebin
An gerin und an fitin
Man fach in zů den zitin

Einin halsberch ane uvorin
Mit riemin uñ mit fnårin
Geftrickit zů den mailin
An der finir fantailin

Daz fie mochtin nicht intlôfin

Vn zwo filbir wizin hofin
Geftrickit umme fine bein

Vñ ein helm der uerre schein
Von spiegil brunin ståle
Mit manigim gvltmâle
Die fich da uerre wiftin
Gezierit an den liftin
Vñ an dem barbiere

Eine riche baniere
Uvort er an finir hant

Die was uerre bekant

Nach finin fcildin gesnitin

Ein gut march het er befcritin
Virdacht mit zwein deckin
Ein fwert mit ganzir eckin
Daz fere mochte fnitin

Uvort er an finir fitin

Vi reit uz an daz hôfte

Er warb nach einir rôfte (!)

*) wite ist von spåterer Hand geschrieben.

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